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Was wird jetzt mit der Leipziger Buchmesse?

Mit der Absage der Leipziger Buchmesse sind nicht nur finanzielle Verluste verbunden. Jetzt gibt es Rettungsideen.

Nun bleibt das Messemännchen allein in der Glashalle, wo ab 12. März die Leipziger Buchmesse stattfinden sollte.
Nun bleibt das Messemännchen allein in der Glashalle, wo ab 12. März die Leipziger Buchmesse stattfinden sollte. © Archiv: dpa/Jan Woitas

Ein Waldstück soll gerodet werden für Professoren, die dort ein Eigenheim bauen wollen. Sie lehren an einer Uni, die auch Umweltwissenschaft im Programm hat. Diese Absurdität regte den Cottbuser Schriftsteller Jurij Koch zu einem Buch an. Seine „Grubenrandnotizen“ erscheinen im Domowina-Verlag und würden sicher viele Leser interessieren, zumal der Verfasser schon seit der DDR-Zeit für seine kritische Sicht berühmt ist – man muss ihn und sein Buch nur finden.

Deshalb ist es eine kluge Entscheidung, dass der Verlag sein Programm wie in jedem Jahr vor der Leipziger Buchmesse vorstellt. Auch wenn die Messe abgesagt ist, findet die Präsentation in Bautzen statt. Mit dabei sind der Neissuferverlag und der Verlag Gunter Oettel aus Görlitz, das Museum der Westlausitz aus Kamenz und der Oberlausitzer Verlag aus Dittelsdorf.

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Gespräche in Echtzeit unersetzbar

Gerade die kleinen Häuser trifft es hart, dass sie ihre Neuerscheinungen nun nicht vor Lesern, Buchhändlern und Bibliothekaren aus ganz Deutschland ausbreiten können. Die Auflagen sind oft überschaubar, da reißt jeder nicht verkaufte Titel ein Loch in die Bilanz. Aus diesem Grund haben Buchfans im Internet eine Soli-Aktion mit kleinen Verlagen gestartet. Unter dem Hashtag #bücherhamstern werden auf Twitter Lesetipps ausgetauscht für Angebote vor allem aus unabhängigen Häusern. Das Netzwerk der Phantastik-Autoren hat diese Aktion initiiert. Denn was für Nudeln und Toilettenpapier gilt, sollte für Bücher erst recht gelten.

Der Eulenspiegel Verlag veranstaltet für Journalisten eine hauseigene Bücherschau in Berlin samt Verlagsführung und Buffet. Gespräche in Echtzeit sind durch das virtuelle Hin und Her nicht zu ersetzen. In Leipzig gab der Verlag den Messebesuchern stets auffällige Werbetüten im XXL-Format mit. „Wir haben genug davon“, heißt es nun mit ironischem Unterton.

Die Buchmesse selbst hat eine „Taskforce für die Rückabwicklung“ gebildet, wie Sprecherin Ruth Justen auf SZ-Anfrage sagt. „Das sieht ja für jeden Aussteller anders aus.“ Es sei noch nicht abzusehen, wie hoch der finanzielle Schaden insgesamt ist. Die Verlage erhalten die Standmiete zurück. Bis Ende der Woche soll über die Verleihung des Preises der Leipziger Buchmesse entschieden werden. „Wir sind fest entschlossen, ihn zu verleihen“, so Justen, „aber die Details müssen wir noch mit unseren Partnern besprechen.“ Der Preis der Leipziger Buchmesse wird in den Sparten Belletristik, Sachbuch und Übersetzung vergeben, er ist mit insgesamt 60.000 Euro dotiert.

Viele Lesungen in Buchhandlungen

Auch der Buchpreis zur Europäischen Verständigung, der sonst zur Eröffnung der Messe verliehen wird, soll den Preisträger erreichen. Es ist eine der wichtigsten literarischen Ehrungen in Deutschland. Der ungarische Essayist László Földényi wird ausgezeichnet für sein Buch „Lob der Melancholie“. Seine Lesung im Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig wurde ebenso abgesagt wie die meisten anderen öffentlichen Veranstaltungen, die für die Messezeit geplant waren. „Fällt aus“ heißt es etwa für die neun Lesungen in der vorzüglich bestückten Bahnhofsbuchhandlung Ludwig.

Im Leipziger Haus des Buches sind die meisten Abende mit auswärtigen Autoren gestrichen. Andere Lesungen finden statt. Ingo Schulze etwa stellt am 12. März seinen neuen Roman „Die rechtschaffenen Mörder“ vor. Der große Hölderlin-Experte Luigi Reitani spricht am 13. März über den Dichter, dessen 250. Geburtstag in diesem Jahr gefeiert wird.

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Nach der Leipziger Buchmesse, der Jugendbuchmesse in Bologna und dem Salon du Livre in Paris wurde am Mittwoch aufgrund der rasanten Verbreitung des Coronavirus in Europa auch die London Book Fair abgesagt. Sie sollte vom 10. bis 12. März im Londoner Olympia stattfinden. Vorerst scheint sich nur das Kölner Lesefest Lit.Cologne zu halten. Die Organisatoren rechnen mit über 100.000 Besuchern. Diese verteilen sich allerdings auf 220 Veranstaltungen quer durch die ganze Stadt an zwölf Festivaltagen im März.

Daneben aber gibt es zum Glück nach wie vor viele Lesungen in Buchhandlungen und Bibliotheken der Region.

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