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Was wird nach dem 25. Geburtstag?

Das Jubiläum des „Fliegenden Museums“ könnte das letzte kurz vorm Abflug aus Großenhain werden.

Von Birgit Ulbricht

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Mit Oppacher gelassen losradeln

Eine ausgedehnte Fahrradtour ist fabelhaft – wenn sie gut vorbereitet ist.

Nein, fliegen kann sie nicht. Die neue Vereinsvorsitzende des „Fliegenden Museums“ e.V. heißt Hanka Hempelt, arbeitet in Meißen im gleichnamigen Karosserie- und Fahrzeugbau ihres Vaters und will nun auch in Großenhain den Fuhrpark der Lüfte in Schwung halten. Dafür braucht es keinen Pilotenschein, denn um den Flugbetrieb kümmert sich wie eh und je Brigitte Koch. Hanka Hempelt soll der Fliegerin stattdessen die eine oder andere Mühsal am Boden abnehmen. Beide Frauen kennen sich nun schon fast zehn Jahre, sind inzwischen befreundet. Da kann man fast von einem Freundschaftsdienst sprechen.

Denn Brigitte Koch gewinnt damit etwas mehr Kopffreiheit, um über die Zukunft nachzudenken. Wie soll es weitergehen mit dem Betrieb und einer der reizvollsten Fluggerätesammlungen Europas, wenn die Großenhainer Landebahn für immer verschwindet, um einem Großinvestor Platz zu machen? Einem Großinvestor wohl gemerkt, der erst noch gefunden werden muss. Nach der Saison 2015 wird wohl Schluss sein mit der Fliegerei, mutmaßt Brigitte Koch.

Vielleicht gehts nach Amerika?

Es sei denn, ein möglicher Investor hätte ausdrücklich nichts gegen die Landebahn, besser noch, er bräuchte sie selbst. Doch das wäre wohl des Glücks zu viel. Noch steht die Antwort aus, was nach dem Aus für die Großenhainer Fliegerei kommt. Brigitte Koch ist gerade aus Florida zurück, ein halb privater, halb dienstlicher Besuch. Vielleicht interessieren sich ja die Amerikaner für das einmalige Flugzeugmuseum aus Großenhain. 18 historische Maschinen stehen hier – darunter die segeltuchbespannte Holzkonstruktion – ein Replikat der Blériót vom Jahr 1909, an der Brigitte Koch den Besuchern noch immer gern erklärt, wie das mit der Aerodynamik und dem Fliegen eigentlich funktioniert.

Oder auch der weitbekannte rote Dreidecker, ein Nachbau der legendären Fokker vom Roten Baron. Auch die im vergangenen Jahr verunglückte Klemm 25 wird wieder aufgebaut, und damit wäre eigentlich die Sammlung wieder komplett – wären Vater Josef und Tochter Brigitte eben nicht die Kochs, die es nicht lassen können und ihrem Museum doch noch ein weiteres Objekt hinzufügen. Im März holen sie das Schätzchen aus Frankfurt am Main – ein Segelflugzeug vom Typ „Grunau Baby“. Es ist wahrscheinlich das meistgebaute Segelflugzeug zwischen 1931 und 1945. Konstrukteur Edmund Schneider wollte genau das, ein Schulsportflugzeug, das möglichst viele Segelflugvereine nachbauen konnten. Das „Baby“ gab es in mehreren Variationen und sogar als Bausatz. Generationen von Piloten haben so ihre erste Begegnung mit der Fliegerei gehabt. Diese Ursprünge des Handwerks Fliegen sind es auch, die die Kochs immer wieder antreiben und begeistern. Diese Begeisterung wollen die Macher des „Fliegenden Museums“ in diesem Jahr mehr denn je mit den Großenhainern teilen. Denn das „Fliegende Museum“ wird 25. Seit 2000 ist das Team um Josef Koch in der Röderstadt, zuvor war er in England, auf der Isle of Wight. Am 9./10.Mai wird gefeiert auf dem Flugplatz. Und natürlich wird von Juni bis Oktober jedes erste Wochenende im Monat mit den Besuchern geflogen. Das Jahr 2015 scheint ein Schicksalsjahr für das „Fliegende Museum“ zu werden. Auf jeden Fall dann, wenn das „Museum“ beschließt, auszufliegen. Denn dann sind diese technischen Denkmäler und Kulturgüter der Lüfte in Sachsen oder gar in Deutschland nicht mehr zu sehen. Doch wie auch die Zukunft des „Fliegenden Museums“ aussehen mag: In Großenhain hat es jedenfalls – so traurig das klingen mag – keine mehr.

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