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Was zum Leben reichen muss

Bedürftigen packt die Dresdner Tafel kostenlose Lebensmittelpakete. Die Nachfrage danach steigt rapide.

Von Jana Mundus

Was aussieht wie ein netter Wocheneinkauf, ist für viele die letzte Rettung. Die grünen Kisten sind abholbereit. In ihnen liegt Brot, Obst und Gemüse, auch mal etwas Süßes oder ein Fertiggericht. Mit viel Sorgfalt haben Edith Franke und ihre Mitstreiter die Stiegen gepackt. Schon seit mehreren Jahren stellt der Verein Dresdner Tafel sogenannte Notfhilfepakete für Bedürftige zusammen. Diese Menschen haben kein Geld mehr, sind mitunter obdachlos und haben von den Behörden noch nicht die notwendigen Dokumente erhalten, um sich an den normalen Lebensmittelausgabestellen der Tafel zu versorgen. Ihnen schenkt die Tafel das Essen. Doch der Verein gerät an seine Grenzen. Denn die Zahl der Nothilfepakete steigt.

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Die Kiste für einen Obdachlosen ist übersichtlich, da sie für den sofortigen Verzehr gedacht ist. Weil Kochmöglichkeiten fehlen, sind Dinge enthalten, die gleich gegessen werden können und ein oder zwei Tage reichen.
Die Kiste für einen Obdachlosen ist übersichtlich, da sie für den sofortigen Verzehr gedacht ist. Weil Kochmöglichkeiten fehlen, sind Dinge enthalten, die gleich gegessen werden können und ein oder zwei Tage reichen.
Die Notpakete werden bei der Tafel individuell gepackt. Dieses reicht zwei Tage und ist für einen Erwachsenen und ein Kind gedacht, die in einer Wohnung ohne Strom leben. Dinge zum Kochen fehlen deshalb.
Die Notpakete werden bei der Tafel individuell gepackt. Dieses reicht zwei Tage und ist für einen Erwachsenen und ein Kind gedacht, die in einer Wohnung ohne Strom leben. Dinge zum Kochen fehlen deshalb.

Es gab Wochen, da hat die Tafel über 100 solcher Pakete zusammengestellt. Vor fünf Jahren war es noch die Hälfte. Dabei sieht keine Kiste aus wie die andere. Der Inhalt wird individuell ausgewählt. „Ein Obdachloser, der keine Kochmöglichkeit hat, bekommt nur Dinge, die er sofort verzehren kann“, erklärt Tafel-Chefin Edith Franke. Wie lange die Betroffenen mit dem Inhalt der Kiste auskommen, ließe sich deshalb schwer sagen. „Bei Sachen, die gleich gegessen werden müssen, reicht der Inhalt zwei Tage, in manch anderen Fällen auch mal vier.“ Wer in einer Wohnung wohnt, bekommt nicht automatisch Lebensmittel, die gekocht werden müssen. Auch da haken die Tafel-Mitarbeiter lieber nach. Manch einem wurde der Strom abgestellt. Der könnte sich die Speisen auf seinem Elektroherd ebenfalls nicht erwärmen.

Unkomplizierte und rasche Hilfe

Der Verein versucht, den Betroffenen möglichst unkompliziert und rasch zu helfen. Wer ein Notfallpaket benötigt, kann es am Tafel-Standort Zwickauer Straße 32 abholen. Viele kommen mit einer Bescheinigung des Jobcenters, bei dem sie vorher Sozialleistungen beantragt haben. Solange beispielsweise Hartz IV oder Arbeitslosengeld noch nicht bewilligt sind, verweist das Jobcenter auf das Angebot der Tafel. „Wir kümmern uns aber auch ohne solch ein Dokument“, fügt Edith Franke hinzu. Gut wäre es, wenn sich die Leute vorher kurz anmelden. Dann könnte die Kiste bereits zusammengestellt werden. Doch auch kurzfristige Hilfe ist möglich. Hungrig soll sowieso keiner gehen. Deshalb hält der Verein auch immer eine warme Suppe bereit, um Bedürftige zu versorgen.

Noch sind genug Lebensmittel da, um die Hilfspakete anzubieten. Die großen Handelsketten unterstützen die Tafel immerhin mit ihren Lebensmitteln. „Aber wir beobachten es mit Sorge, dass wir immer mehr ausgeben müssen“, erläutert die Vereinschefin. Einen Grund dafür sieht sie in der Arbeit des Jobcenters. Damit Betroffene nicht allzu lange finanziell in der Luft hängen, müssten Anträge schneller bearbeitet werden. „Natürlich geben wir auch wiederholt Pakete an dieselbe Person ab. Aber das darf nicht zur Regel werden.“ Diese Kritik in Richtung Jobcenter äußern auch Mitglieder in der Arbeitsgemeinschaft Wohnungslose, die von Stadtrat Andreas Naumann (Linke) betreut wird. „Manche Sozialarbeiter berichten, dass Betroffene manchmal zwei Wochen warten müssen, bis Leistungen bewilligt werden“, so Naumann.

Jan Pratzka, Geschäftsführer des Dresdner Jobcenters, kennt die Problematik um die steigenden Zahlen der Notfallpakete. Doch er bittet um Verständnis, dass sich auch seine Mitarbeiter an Verfahrensweisen halten müssten. Manchmal gestalte sich das Antragsverfahren schwierig, wenn beispielsweise Unterlagen fehlen. „In solchen Fällen bleibt nur die Tafel.“ Edith Franke meint dazu: „Es ist sicherlich ein Segen für die Betroffenen, dass es uns gibt. Aber es ist eine Schande für unser Land, dass es die Tafel geben muss.“