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Waschbärenplage in Saalhausen

Die geschickten Allesfresser haben sich im alten Kreispflegeheim eingenistet. Anwohner sind genervt und fordern drastische Maßnahmen.

Possierlich, geschickt und unerwünscht: So wie hier auf dem Dach einer alten Brauerei in Riesa werden Waschbären auch in Freital zur Plage.
Possierlich, geschickt und unerwünscht: So wie hier auf dem Dach einer alten Brauerei in Riesa werden Waschbären auch in Freital zur Plage. © privat

Wenn in Freitals Stadtteil Saalhausen das Gespräch auf das Thema Waschbären kommt, dann hört man die tollsten Geschichten. So soll beispielsweise an einem Sommerabend eine Waschbärenmutter mit ihrem Nachwuchs vor aller Augen auf dem Dachfirst eines Gebäudes entlangspaziert sein. Das Haus gehört zum alten Kreispflegeheim Saalhausen. Seit fast drei Jahrzehnten dem Verfall preisgegeben, wird das Pflegeheim-Gelände immer mehr von der Natur zurückerobert. Leider, aus Sicht vieler Anlieger, auch von unerwünschter Natur. Die niedlichen Waschbären werden für die Saalhausener nämlich zur Plage.

Anwohner, die dort nach der Wende Einfamilienhäuser gebaut haben, berichten von Waschbären in Obstgärten und auf Komposthaufen. Die Tiere machen auf der Nahrungssuche auch vor Mülltonnen und Gelben Säcken nicht halt. Betroffene vermuten, dass sich mittlerweile eine größere Waschbären-Population im Kreispflegeheim eingenistet hat. 

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Die Freien Wähler, insbesondere deren Vereinsvize Thomas Vogt, fordern über ihre Stadtratsfraktion nun gezielte Maßnahmen, um die Allesfresser aus Saalhausen zu verdrängen. "Es geht ja nicht nur um die Mülltonnen und die Vorgärten", sagt Vogt. Die Waschbären würden auch Vogelnester leerräumen und Singvögel verdrängen.  Deshalb müssten die Räuber weg, ohne sie jedoch zu töten. "Am besten, man fängt die ein und schafft sie in ein Wildgehege oder einen Zoo", schlägt Vogt vor.  

Geschickter Räuber

Waschbären gehören zu den invasiven Arten. Ihr angestammtes Zuhause haben die Tiere in Nordamerika. Nach Europa kamen sie im 20. Jahrhundert als Pelztier. Ausgebüxte und ausgesetzte Exemplare vermehrten sich rasch, auch weil der Waschbär in den europäischen Landschaften keine Feinde hat. 

Zudem ist er anpassungsfähig und schlau. Waschbären fressen Obst und Nüsse, Würmer und Insekten, aber auch kleine Wirbeltiere wie Frösche und Fische. Gerne gehen sie an Gewässern auf Nahrungssuche, wo sie unter Steinen und im Uferschlamm Essbares aufstöbern - daher der Name Waschbär. 

Die guten Kletterer schaffen es auch mühelos auf Bäume, um dort Vogelnester zu plündern. Auf der Speisekarte des Waschbären stehen unter anderem stark gefährdete Amphibienarten, die Brut von Graureihern, Fledermäuse. Die kleinen Räuber sind vor allem in den Abend- und Nachtstunden aktiv. Im Winter schränken sie ihre Aktivitäten deutlich ein und halten Winterruhe. Ihre Schlafplätze suchen sie in Baumhöhlen oder leerstehenden Gebäuden - wie in Saalhausen.

Das alte Kreispflegeheim steht in einer verwilderten Parkanlage. Vom Gebäudebestand nach der Schließung Anfang der Neunzigerjahre stehen nur noch zwei große Häuser und die sind völlig marode. Die Dächer sind teilweise eingestürzt, aus den Dachrinnen wachsen Birken. 

Dabei gab es seit der Wende mehrere Pläne, das Objekt wiederzubeleben. Als das Grundstück in den Neunzigerjahren noch dem Landkreis gehörte, gab es verschiedene Investoren, die dort ein neues Pflegeheim einrichten wollten. Doch die Vorhaben scheiterten.

Das alte Kreispflegeheim in Freital-Saalhausen steht seit fast drei Jahrzehnten leer und verfällt.
Das alte Kreispflegeheim in Freital-Saalhausen steht seit fast drei Jahrzehnten leer und verfällt. © Karl-Ludwig Oberthür

2001 kaufte die Pesterwitzer Projektentwicklung, der Vorgänger der heutigen städtischen Tochtergesellschaft Freitaler Projektentwicklung, das Kreispflegeheim. Daraufhin wurden zahlreiche Nebengebäude abgerissen. Ein Teil des Grundstücks wurde zu Bauland für Eigenheime gemacht. Dann passierte nichts mehr. 

Neue Hoffnung für das alte Kreispflegeheim gab es 2010, als ein Nervenarzt aus Dresden das Gelände kaufte. Er wollte auf dem Anwesen eine neuropsychiatrische Klinik einrichten. Doch daraus wurde nichts. Seit einigen Jahren gehört die Immobilie nun einem Dresdner Rechtsanwalt. Auch er sprach zuletzt von einer medizinischen Nutzung.

Gefährlicher Abenteuerspielplatz

Stadtrat René Neuber (Freie Wähler) findet den Zustand des Kreispflegeheims "einfach nur traurig". Zumal nicht nur die Waschbären ein Problem sind. "Man kann da ungehindert ein- und ausgehen. Für Kinder sind die Gebäude ideale Abenteuerspielplätze." Aber sehr gefährlich. Deshalb forderte Neuber die Stadt auch auf, den Eigentümer zu einer besseren Sicherung zu drängen. Neuber: "Da muss ein ordentlicher Zaun gebaut werden."

Die Stadtverwaltung Freital sieht das genauso. "Der verschlossene Bauzaun wird durch Fremde offensichtlich immer wieder geöffnet, um in Richtung Straße abzukürzen", sagt Katrin Reis, Leiterin des Oberbürgermeisterbüros. Man habe deshalb den Eigentümer auf seine Sicherungspflichten hingewiesen.

Das Waschbärenproblem hat die Stadt an das Landratsamt weitergereicht, wo die Untere Naturschutzbehörde zuständig ist. "Gemäß Bundesnaturschutzgesetz ist der Eigentümer des Grundstückes mit Abstimmung der Unteren Naturschutzbehörde für die Eindämmung beziehungsweise die Populationskontrolle zuständig", heißt es dort. Unternimmt er nichts, kann er von der Behörde in die Pflicht genommen werden. 

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Im konkreten Fall Saalhausen hat das Landratsamt im November vorigen Jahres den Besitzer des Kreispflegeheims informiert, dass dort Waschbärenfallen aufgestellt werden müssen. "Geeignet sind Jäger oder Dienstleister, wie der City-Trapper aus Dresden", teilt die Untere Naturschutzbehörde mit. Handelt der Grundstückseigentümer bis zum Frühjahr nicht, übernimmt das die Behörde und stellt dem Mann die Kosten in Rechnung. 

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