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Waschbären wildern im Großen Garten

Die Tiere breiten sich auch in Dresden immer weiter aus. Warum es schwer ist, etwas gegen ihr Vorrücken zu tun.

Putzig anzuschauen, aber für andere Tiere können die Waschbären eine Gefahr darstellen.
Putzig anzuschauen, aber für andere Tiere können die Waschbären eine Gefahr darstellen. © Rafael Sampedro

Sie sind niedlich, aber gefährlich für die Vögel auf der einen Seite und rauben andererseits Garten- und Hausbesitzern den letzten Nerv. Waschbären breiten sich immer weiter in Dresden aus. 

Statt nur in der Heide und am Stadtrand sind sie zunehmend auch im Großen Garten unterwegs. Dort buddeln sie die Rasenflächen um und wühlen auf dem Komposthaufen, so Uli Kretzschmar, Sprecher von Schlösser und Gärten. Das Umweltamt spricht von „starken Beeinträchtigungen für die Vogelwelt“. So sind den Waschbären in dem Park schon mehrere Jungvögel des Waldkauzes zum Opfer gefallen. Aber auch Nester anderer freibrütender Vogelarten hat er ausgeräubert und die Eier gefressen. Was tut die Stadt? „Durch die Anbringung von glatter Verglasungsfolie an den Bäumen mit Bruthöhlen des Waldkauzes konnten die Schäden zum Teil abgewendet werden, da der Waschbär abrutscht und die Nester somit nicht mehr erreichen kann.“ Ein kompletter Schutz seit aufgrund der Größe des Großen Gartens unmöglich. 

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Wie viele Tiere gibt es in Dresden?

Die Zahl der Waschbären im Stadtgebiet hat sich verzehnfacht. Waren es im Jagdjahr 2010/11 noch 20 Tiere, so wurden im Jahr 2017/18 laut Jagdbehörde insgesamt 254 Tiere erlegt. Zahlen zum aktuellen Jagdjahr liegen noch nicht vor.

Wo sind die Tiere noch unterwegs?

City-Trapper Thomas Schröder ist den putzigen Tieren überall in der Stadt auf der Spur. In Blasewitz, der Neustadt, am Elbepark, in Loschwitz und sogar auf der Hauptstraße hat er mit seinen speziellen Waschbärenfallen schon Tiere gefangen. „Allein seit Juli sind mir 50 Bären in Dresden in die Falle gefangen“, so Schröder.

Welche Schaden richten die Vierbeiner an?

Nicht nur im Großen Garten, sondern auch in den Häusern und Privatgrundstücken der Stadt durchwühlen sie Mülltonnen, klettern durch die Katzenklappe ins Haus und naschen Wurst aus dem Kühlschrank. Auf den Dachböden richten die Chaos an und ihr Urin durchnässt die Dämmung.

Was sind die Gründe für die Vermehrung der Tiere?

Den Hauptgrund für die enorme Verbreitung sieht Konstantin Schanze von Sachsenforst darin, dass mit Komposthaufen und Müll ständig genügend Nahrung verfügbar ist. Sie finden überall Nahrung, sei es Obst, Würmer, Vogeleier oder eben Essensreste aus Mülltonnen. Außerdem haben die Tiere in Deutschland keine natürlichen Feinde. Die possierlichen Tiere können sich auf Dachböden und in Kellern verstecken und sind dort vor Wind und Wetter geschützt. Sven Herzog, Professor für Wildtierökologie an der TU Dresden, sieht in der Verbreitung der Haustiere noch eine Ursache für die Ausbreitung. Für diese stehen Leckerbissen vor der Tür. Das lockt Waschbären an.

Aus welchen Gründen darf der Bär gejagt werden?

Bei den Waschbären sei es wichtig, die Ausbreitung zu kontrollieren und einzugreifen, so die Stadt. Denn neben der Gefahr für die Vogelpopulation können sie auch Krankheiten übertragen. Gejagt werden dürfen sie nur in der Schonzeit, also wenn die Mütter ihre Jungen zur Welt bringen nicht. Sie sind potenzieller Überträger der Tollwut und von Viren. Allerdings ist Dresden seit über 10 Jahren tollwutfrei, so Stadtsprecher Karl Schuricht.

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Die Jagdbehörde rät dennoch dringend dazu, Wildtiere nicht anzufassen. Hinterlassen Waschbären ihren Kot, sollte dieser nicht mit bloßen Händen weggeräumt werden. Hunde- und Katzenbesitzer sollten darauf achten, dass ihre Vierbeiner keinen Kontakt zu den Waschbären haben. Über diese könnten sie sich infizieren. Im Frühling, in der Schonzeit, setzt City-Trapper Schröder auf das Verscheuchen der Tiere mit grellem Licht und für sie unangenehmen Geräuschen aus dem Radio.

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