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Waschbärenplage in Wachau

Die possierlichen Tiere werden immer öfter gesichtet. Jäger Heiko Trepte rät, Fallen aufzustellen.

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© dpa

Thomas Drendel

Wachau. Eines Morgens traute der Wachauer Fischwirt Frank Herrich seinen Augen nicht. Über Nacht war das Futter für seine Fische geplündert worden. „Die Plane war aufgerissen und von den trockenen Brötchen und Brotresten fehlte eine ganze Menge“, sagte er. Anhand der Spuren war schnell klar, dafür konnten nur Waschbären verantwortlich sein. „Ich hatte das Futter gut gesichert, dennoch sind sie irgendwie rangekommen. Die sind offenbar sehr schlau“, sagt er. Nach seinem Eindruck haben sich die Tiere in den vergangenen Jahren rasant verbreitet. „Früher hatten wir diese Probleme nicht. Erst vor wenigen Tagen beobachtete ich einen Waschbären, der mit einem Fisch im Maul davongerannt ist.“

Familien mit drei Jungen

Überhaupt werden Waschbären immer häufiger im Ort gesichtet. Nach Angaben von Frank Herrich ist Jugendlichen beim Stöbern in dem alten Getreidespeicher am Wachauer Schloss eine ganze Waschbärfamilie über den Weg gelaufen. „Die Alten hatten drei Junge dabei. Sie müssen mächtig gefaucht haben, als ihnen die Eindringlinge gegenüberstanden. Herrichs Nachbar hat den Beweis erbracht, dass sich die Waschbären in Wachau pudelwohl fühlen. „Er machte mit einer Wildkamera eine Aufnahme von zwei Alttieren mit acht Jungen. Auch das ist für mich ein Zeichen, dass sie sich hier stark vermehren“, sagt der Fischwirt. Anderen Wachauern hätten die Tiere bereits den Autolack zerkratzt. „Die sind offenbar quicklebendig und klettern überall herum.“

Der Wachauer Jäger Heiko Trepte bestätigt den Zuwachs bei den Waschbären. „Ja das ist auch meine Beobachtung. Das trifft aber auf alle meine Jagdgebiete zu. Neben Wachau zählen Seeligstadt, Liegau-Augustusbad und Lotzdorf dazu“, sagt er. Nach seinen Angaben trägt vor allem das gute Nahrungsangebot zu der rasanten Vermehrung bei. „Der Tisch für die Waschbären ist reichlich gedeckt. Auf dem Kompost und in den Abfalltonnen findet sich für sie jede Menge Essbares. Ich weise immer darauf hin, dass Reste von Lebensmitteln besser in abgeschlossenen Behältern aufbewahrt werden sollten“, sagt Heiko Trepte. Außerdem hängen jetzt Obstbäume voll. „Da können sich die Tiere ebenfalls ausgiebig bedienen.“

Viel Unterschlupfmöglichkeiten

Ein weiterer Grund für die Zunahme der Waschbärenpopulation sieht der Jäger in den vielen Unterschlupfmöglichkeiten, die sich ihnen bieten. „Sie finden zahlreiche leer stehende Gebäude vor. Dass eine Waschbärenfamilie in dem alten Speicher angetroffen wurde, überrascht mich nicht.“ Die starke Ausbreitung der Waschbären kann nach seinen Worten nur mit einer stärkeren Bejagung eingedämmt werden. „Bei jedem, bei dem auf dem Grundstück die Waschbären überhand nehmen, sollte man eine Falle aufstellen. Die gibt es zu kaufen. Außerdem werden sie oft von Jägern leihweise zur Verfügung gestellt.“ Wird ein Waschbär darin gefangen, sollte der zuständige Jäger informiert werden. Er erlegt dann das Tier, sagt Heiko Trepte.

Sie übertragen Krankheiten

Nach Angaben von Jägern sind Waschbären deshalb für Menschen aber auch für Haustiere gefährlich, weil sie Krankheiten übertragen, ähnlich wie der Fuchs. Das können Parasiten sein, Milben oder Bandwürmer. Infizieren kann man sich beispielsweise über ungewaschenes Gartenobst. Auch könnten Haustiere über ihre Futternäpfe angesteckt werden, wenn daran die Waschbären gefressen haben. Auch Kämpfe zwischen Katzen und Waschbären sind nicht selten.

Waschbären waren ursprünglich nur in Nordamerika beheimatet. 1934 wurden die ersten in der Nähe von Kassel zur Pelzproduktion ausgewildert. Am Ende des Zweiten Weltkrieges kamen weitere bei Berlin frei. Nach einem Bombentreffer im Zoo suchten sie das Weite. In den 70er- und 80er-Jahren stürmten radikale Tierschützer Waschbärfarmen und ließen Tiere frei. Seitdem breiten sich die Tiere in ganz Deutschland aus.

Experten raten zum Schutz vor Waschbären: keine direkte Fütterung dieser Tiere; Kein Tierfutter über Nacht im Hof oder Garten aufstellen; Mülltonnen mit Spanngummis verschließen; Schuppen auf Spuren überprüfen-