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Waschbrett und Posaune

Die Scheiben an der Eingangstür splittern, der Ansturm der Fans ist kaum noch aufzuhalten. Schon Stunden vor Konzertbeginn geht im Gästehaus des Edelstahlwerkes in Tharandt nichts mehr. Die Menschen schieben und drängeln, wollen eine der begehrten Eintrittskarten.

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Von Thomas Morgenroth

Die Scheiben an der Eingangstür splittern, der Ansturm der Fans ist kaum noch aufzuhalten. Schon Stunden vor Konzertbeginn geht im Gästehaus des Edelstahlwerkes in Tharandt nichts mehr. Die Menschen schieben und drängeln, wollen eine der begehrten Eintrittskarten. Bald platzt der große Saal aus allen Nähten und verwandelt sich wenig später in einen Hexenkessel. Schon bei den ersten Takten gibt es kein Halten mehr: Engerling aus Berlin gastieren in der Provinz. Die Blueshelden um Wolfram Bodag werden vom Publikum wie Weltstars gefeiert.

Dieser denkwürdige Tag liegt inzwischen so ziemlich genau 20 Jahre zurück. Das Gästehaus existiert nicht mehr, es wurde in den vergangenen Tagen abgerissen. Die Band jedoch widerstand dem Zahn der Zeit: Von Auflösungserscheinungen gibt es keine Spur. Im Gegenteil: Engerling rocken härter als je zuvor, wobei sie den Blues von Anfang an frei interpretierten und nach Belieben mit Rock- und Soulelementen vermengten. Mit der Rocklegende Mitch Ryder aus den USA haben Engerling gerade ein neues Album aufgenommen, das im Dezember erscheint.

Ja, und der Veranstalter von damals, der Jugendclub, hat nun in der Kuppelhalle neben dem Gästehaus seinen Saal. Dort geben sich Boddi, Heiner Witte, Manne Pokrandt und Vincent Brisach auf Einladung der IG Rock & Blues am Freitag wieder einmal, nach längerer Pause, in Tharandt die Ehre. Engerling ist das Zugpferd für den ersten Abend des 7. Bluesfestivals. Den Auftakt macht ein Duo aus Flöha mit Blues- und Boogie Woogie-Standards: Ludwig & Joe.

Lars Vegas & The Love Gloves dagegen, die den zweiten Tag des Festivals am Sonnabend eröffnen, widmen sich dem Delta und Country Blues der 1920er und 1940er Jahre. Allerdings verpassen die jungen Musiker aus Berlin den betagten Songs ein modernes Gewand, ohne sich aber allzu weit von den Ursprüngen zu entfernen. Vor zwei Jahren gewann das Quartett den „Dresden Blues Award“.

Abschluss und Höhepunkt mit Postel & Pötsch

Danach, zum Abschluss und wohl auch als Höhepunkt des 7. Bluesfestivals, gibt es endlich ein Wiedersehen und Wiederhören mit einem der besten Folk-Blues-Bands des deutschen Ostens: Postel & Pötsch aus Weimar. Die beiden Vollblutmusikanten sorgen für Liveatmosphäre pur: Jürgen Postel bearbeitet Waschbrett und Mini-Schlagzeug in atemberaubendem Tempo, singt nebenbei und bläst die Mundi. Helmut Pötsch, von etwas ruhigerem Charakter, bedient die Saiteninstrumente, aber auch mal Posaune oder Akkordeon.

Postel & Pötsch, die sich 1981 in Dresden gründeten, spielen neben Blues-Standards auch eigene Stücke mit deutschen Texten, in denen es nicht immer bierernst zugeht; wie etwa in „Hermsdorfer Kreuz“ oder dem „Politessen-Song“.

7. Bluesfestival in der Kuppelhalle Tharandt, 21. November, 21 Uhr Ludwig & Joe und Engerling; 22. November, 21 Uhr Lars Vegas & The Love Gloves und Postel & Pötsch. Karten an der Abendkasse, Vorbestellungen: Tel. 035203/3 00 42.