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Waschen, schneiden, mehr bezahlen

Alle Friseure bekommen jetzt den Mindestlohn. Die Preise steigen aber nicht allein deswegen.

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Von Thomas Möckel und Franz Herz

Ines Eckstein hat ganz unterschiedliche Diskussionen mit ihren Kunden geführt. Die Friseurmeisterin und Inhaberin von Ines Hair Shop am Dippoldiswalder Markt hat im Dezember die Preise angehoben und ganz offiziell mit einem Aushang in ihrem Geschäft darüber informiert. Ursache dafür war bei ihr nicht so sehr der Mindestlohn. „Da lagen meine Mitarbeiterinnen schon darüber. Aber die Kosten steigen ja durch die Bank weg“, sagt die Friseurmeisterin. Strom wird teurer, Zulieferer für Haarprodukte verlangen auch mehr Geld.

Es gab zwei, drei Kunden, die haben den Laden wegen der Erhöhung wieder verlassen. „Einer hat diskutiert wegen eines Maschinenschnitts, der von zehn auf elf Euro gestiegen ist“, erinnert sie sich. Aber sie hat Kunden, die fanden das gut. „Vor allem auch Männer. Denen ist es etwas wert, wenn sie sich beim Friseur wohlfühlen können“, erzählt die Meisterin. Preiserhöhungen gab es in den letzten Wochen bei den meisten Friseurgeschäften. Die angestellten Kollegen der schneidenden Zunft bekommen ab diesem Jahr für ihre Kopfbetreuung mehr Geld – ausnahmslos alle werden auf das Niveau des Mindestlohns angehoben. Bei Betrieben, die in Innung und Gewerkschaft sind, war den Mitarbeitern dieser Zuwachs in der Geldbörse schon ab August vergangenen Jahres vergönnt. Nun steht er allen zu.

Dass nun alle gleichbehandelt werden, ist einem Entschluss des Tarifausschusses des Bundesarbeitsministeriums zu verdanken. Die Ministerialen hatten kürzlich den Mindestlohntarif für das Friseurhandwerk für allgemeingültig erklärt. Rückwirkend zum 1. November 2013 hat jeder beschäftigte Friseur in den ostdeutschen Bundesländern Anspruch auf 6,50 pro Stunde. Und in Kürze legen die Arbeitgeber noch eine Schippe drauf. Ab 1. August dieses Jahres gilt im Friseurhandwerk ein Mindestlohn von 7,50 Euro je Stunde, ab 1. August 2015 steigt er auf 8,50 Euro pro Stunde. „Ich habe meinen Mitarbeiterinnen ebenfalls mehr gegeben, auch wenn ich nicht durch den Mindestlohn dazu gezwungen worden bin“, sagt Ines Eckstein. Dennoch versteht sie die ganze Diskussion nicht. „Ich kenne in Dippoldiswalde keinen Friseur, der nicht Mitarbeiterinnen sucht. Wer also mit seinem Verdienst nicht zufrieden ist, muss sich einfach mal umsehen.“ Sie fragt sich auch, warum die Arbeit einer gelernten Friseurin schlechter bezahlt sein soll als beispielsweise die eines Kfz- oder Bauhandwerkers.

Die Arbeit mit den Haaren ist genauso anspruchsvoll und auf der menschlichen Ebene sogar eine größere Herausforderung als viele andere Berufe. Friseure arbeiten den ganzen Tag direkt mit dem Kunden, müssen sich auf unterschiedliche Menschen und ihre Stimmungen einstellen. Das erfordert den ganzen Tag höchste Konzentration. Regelmäßige Weiterbildung gehört ebenfalls dazu. „Ich hatte neulich einen Trainer aus Stuttgart im Betrieb. Da müssen sie viele Haarschnitte machen, damit diese Kosten reinkommen“, berichtet Eckstein. Aber sie hat viel Arbeit. Abendtermine sind in den nächsten Wochen schon weitgehend vergeben.

Ähnlich geht es Silke Grätz. Die Inhaberin von Heidis Friseursalon in Höckendorf hat kaum eine freie Minute, um ihre Erfahrung mit dem Mindestlohn zu berichten. Sie hat zwei Mitarbeiterinnen, denen sie mit dieser Regelung mehr bezahlt. „Das ist gerecht“, sagt sie. „Aber ich muss auch sehen, wie die Kunden reagieren, wenn die Preise steigen.“ Denn wenn sie mehr bezahlt, muss sie höhere Preise verlangen.

Der Friseurberuf hat darunter gelitten, dass teilweise Löhne gezahlt wurden, die nicht zum Leben reichen, sodass Mitarbeiter die voll gearbeitet haben, noch zur Arge gehen mussten und das Einkommen aufstocken ließen. Inzwischen fehlt dem Beruf der Nachwuchs. Wo früher sieben Berufsschulklassen in Dresden unterrichtet wurden, sind es jetzt noch drei, weiß Ines Eckstein. Sie erwartet daher, dass es künftig noch schwieriger wird, einen Friseurtermin zu bekommen.