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Wasser marsch fürs Jubiläumsfest

Baschütz feiert am Wochenende 650-jähriges Bestehen. Dazu gibt es auch eine Überraschung Marke Eigenbau.

© Uwe Soeder

Von Madeleine Siegl-Mickisch

Ein viertel Jahr haben Christian Wolf (28) und Marco Schäfer (27) getüftelt und gebaut. „Das ging manchmal bis in die Nacht.“ Sie hatten Zeitdruck, denn zur Hochzeit von Christian Wolfs Bruder sollte ihr Eigenbau fertig sein. Genau vor zwei Jahren erlebte er dann seine Feuer- oder besser Wassertaufe – ein Schauspiel aus Wasser, Licht und Musik. Die Überraschung war gelungen.

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„Ich hatte so etwas im Fernsehen gesehen“, erzählt Feuerwehrchef Christian Wolf und sagte sich damals mit Blick auf die bevorstehende Hochzeit: „So etwas muss ich haben.“ Er holte sich seinen Cousin und einen Kameraden von der Feuerwehr, der auch schweißen kann, dazu. Sie scheuten keine Mühe und fanden über den Fernsehsender den Standort der vorgestellten Wasserorgel heraus. „Wir sind dann an einem Wochenende nach Bad Doberan gefahren“, sagt Marco Schäfer. Beim dortigen Feuerwehrverein schauten sie sich an, was und wie es die Kameraden zusammengebaut hatten. Wieder zu Hause gingen sie ans Werk. „Es war gar nicht so einfach, meinen Bruder fernzuhalten“, erzählt Christian Wolf lachend. Doch der Aufwand hat sich gelohnt. Das Wasserfeuerwerk kam super an und erlebte nach seiner Premiere noch einen zweiten Einsatz bei einer weiteren Hochzeit. An diesem Wochenende wird es nun erstmals öffentlich aufgeführt: als Höhepunkt der Feier zum 650-jährigen Ortsjubiläum von Baschütz, das zeitgleich mit dem 90-jährigen Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr begangen wird.

Dafür bauen die Männer die 25 Meter breite und mit 13 Schläuchen versehene Anlage am Festplatz neben der Reitanlage auf. Fast 20 000 Liter Wasser gehen da für das etwa viertelstündige Spektakel durch. Und weil kein Gewässer in der Nähe ist, müssen gefüllte Fässer bereitgestellt werden. Aber bei den Vorbereitungen helfen ja viele mit. So herrschte bereits am Dienstagabend reges Treiben, als neben der Partyscheune der Aufbau des Festzeltes begann. „Bei uns halten eben Alt und Jung zusammen, das hat schon immer gut geklappt“, sagt Klaus Röhle, der im März das Amt des Ortswehrleiters an Christian Wolf übergeben hat. „Wir haben viel in Eigeninitiative gemacht. Sonst gäbe es uns schon nicht mehr.“ So bauten die Feuerwehrkameraden einen Anhänger selbst auf.

Auch im Ort haben die Einwohner früher immer wieder angepackt – beim Bau der Trinkwasserleitung, der Turnhalle, des Speiseraums an der Schule. „Baschützer für Baschützer eben“, meint Annemarie Müller, die im Ort geboren und ihm immer treugeblieben ist. Heute wohnt die 72-Jährige gegenüber von ihrem Elternhaus. Sie hat viele alte Fotos und Informationen zusammengetragen. Ausgangspunkt waren die Fotos von Baschützer Häusern, die Klaus Röhle schon vor einigen Jahren aufgenommen hat, um sie alten Ansichten gegenüberzustellen. „Wir hatten leider keine Chronik. Durch den Krieg ist alles verschwunden“, sagt Annemarie Müller. Da ihre Mutter als Gemeindebotin viel unterwegs war und sie als Kind immer mit musste, kennt sie jeden Winkel des Dorfes. Später als Schulsekretärin hatte sie mit vielen Leuten zu tun. So konnte sie vieles aus der eigenen Erinnerung und auch aus den Erzählungen anderer aufschreiben. Weitere alteingesessene Baschützer haben selbst niedergeschriebene Erlebnisse beigesteuert. Das gesammelte Material hat Annemarie Müller nun der Jugend übergeben. Ihre Enkeltochter und zwei andere Mädchen kümmern sich um die Gestaltung der Ausstellung. Alt und Jung arbeiten in Baschütz eben Hand in Hand – und sind alle am Wochenende zum Feiern willkommen, auch Weg- und Neuzugezogene.