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Wasser steigt bis zur Katastrophe

Die Bilanz des Hochwassers in der Region Löbau-Zittau: ein Schwerverletzter, tote Tierparktiere, hunderte Evakuierte und Schäden in Millionen-Höhe.

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Von Thomas Mielke

Die Katastrophe hat sich rasend schnell und ohne Vorwarnung entwickelt: Nach dem stärksten Regen seit mindestens 50 Jahren ist der Altkreis Löbau-Zittau am Sonnabend von einem Hochwasser heimgesucht worden. So waren in Bertsdorf-Hörnitz Freitagnacht bis zu 145 Liter Regen auf den Quadratmeter gefallen. Das war deutscher Rekord. Die Mandau und die Neiße übersprangen am Sonnabend die höchste Alarmstufe deutlich. Die Neiße in Zittau stieg von 72 Zentimeter am Freitag auf rund fünf Meter in der Nacht zu Sonnabend (s. Grafik). Auch andere Flüsse und Bäche führten Hochwasser. Hinzu kam, dass sich das Wasser an den Zusammenflüssen staute und der Damm des Krystina-Sees in Tschechien brach. Sein Wasser ergoss sich zusätzlich in die Neiße.

Auch der Drausendorfer Deich gab nach. Der Zittauer Ortsteil wurde überschwemmt. Viele andere Dörfer und Städte standen ebenfalls zumindest teilweise unter Wasser. Am stärksten waren die Gebirgsorte, Zittau samt Ortsteilen und Ostritz betroffen. Vor allem dort flohen mehrere Hundert Menschen vor den Wassermassen. Die Rettungskräfte mussten allein in Zittau bis zu 200 Menschen per Boot, Hubschrauber oder Auto bergen. In Ostritz wurden alle Einwohner südlich der B99 evakuiert und ein Mann aus den Fluten gerettet. Auch in anderen Dörfern wie Schönau-Berzdorf wurden Menschen in Sicherheit gebracht. Der Kreis rief Katastrophenalarm aus.

Ernsthaft verletzt wurde nur ein Lückendorfer. Dafür starben über ein Dutzend Tiere im Zittauer Tierpark. Die Weinau war in kürzester Zeit voll gelaufen. So wurde auch das Stadion – genau wie das Löbauer – überflutet. Freibäder wie die in Großschönau, Olbersdorf und Oderwitz verwandelten sich in Seen. In Berthelsdorf und Lückendorf wurden Erdrutsche registriert.

Die Schäden gehen in die Millionen. In Bertsdorf-Hörnitz, Zittau, Großschönau und Bernstadt sind zum Beispiel Brücken zerstört oder beschädigt worden. Hunderte Keller und Dutzende Häuser liefen voll, Autos wurden weggeschwemmt oder blieben im Wasser stecken, Bäume entwurzelt, Straßen unterspült. In Zittau und Hirschfelde sind zwei Kläranlagen geflutet worden. Dutzende Straßen waren gesperrt (s. Kasten rechts). Orte wie Bertsdorf-Hörnitz waren zeitweilig von der Außenwelt abgeschnitten. Die Stromversorgung für Tausende Menschen ist oder war unterbrochen, Abwasser- und Heizleitungen sind zerstört.

Die Aral-Tankstelle in Zittau wurde abgebaut. Die Kleinbahn stellte ihren Betrieb ein. Mehrere Schuleingangsfeiern fielen aus.

Mittlerweile normalisiert sich die Lage wieder.Lokalseiten, S. 1, 2, 3