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Wasserkretscham behält seine Idylle

Die Schnellstraße B 178 wird in Vierkirchen neu und vor allem kleiner geplant. Das ärgert Politiker, freut aber Landwirte.

© nikolaischmidt.de

Von Anja Hecking

Schritt für Schritt

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Für Gemeinderat und Landwirt Bernd Windler aus Vierkirchen ist das die beste Nachricht seit Tagen. Die B 178 wird zwischen Nostitz und der Autobahnauffahrt Weißenberg definitiv nicht vierspurig gebaut. Wie eine Sprecherin aus dem Sächsischen Wirtschaftsministerium bestätigt, werden jetzt Varianten für eine dreispurige Trasse untersucht. Die soll außerdem weiter westlich von der bisher geplanten Straßenführung liegen. Damit würde sich auch der Knoten der neuen Bundesstraße mit der Autobahn von Wasserkretscham weg in Richtung Bautzen verlagern. Die gigantische Brücke wäre vom Tisch.

Ein Teil dieser Vorschläge, die jetzt aufgegriffen werden, ist bereits im Verfahren zur Planfeststellung so eingebracht worden. Rund 100 Einwendungen sind für das fünf Kilometer lange Stück zwischen Nostitz bis zur Autobahn geprüft worden. Auch Bernd Windler hat gekämpft, denn sein Landwirtschaftsbetrieb wäre massiv betroffen gewesen. Er hätte Land verloren, mit Inselflächen klarkommen, wirtschaftliche Erschwernisse einstecken müssen. „Es hat sich also doch gelohnt, sich aufzulehnen, anstatt alles von vornherein nur hinzunehmen“, sagt er.

Im Süden und im gesamten Dreiländereck warten dennoch viele Bürger und Firmen auf den Lückenschluss bis zur Autobahn. Dementsprechend groß ist dort auch die Enttäuschung. Die Interessengruppe für die neue B 178 sieht die Entscheidung des Wirtschaftsministeriums als Katastrophe, sagt deren Sprecher, der frühere Zittauer Bürgermeister Michael Hiltscher, der SZ. Unterstützung erfährt er auch vom Löbauer Oberbürgermeister Dietmar Buchholz: „Wir müssen jetzt sehen, was wir tun können, damit das zurückgekurbelt wird.“. Morgen soll es bereits ein Krisentreffen bei Landrat Bernd Lange geben.

Das Wirtschaftsministerium räumte unter dem Druck zu erwartender Gerichtsverfahren jetzt jedoch ein, dass die Verkehrsprognosen nicht mehr stimmten. Es wird nur noch mit 12 500 Fahrzeugen pro Tag gerechnet. Das sind 5 000 weniger als bisher angenommen. Für Landwirt Bernd Windler stand das Verkehrsaufkommen von Anfang an in keinem Verhältnis zu dem hohen Flächenverbrauch für eine vierspurige Trasse. Das Ausmaß des Projektes und die zu befürchtenden Belastungen vor Ort wurden auch vom Ortschaftsrat Buchholz/Tetta im Verfahren zur Planfeststellung als wunde Punkte angesprochen. Im Gegensatz zu ihnen rechnet der Löbauer OB Dietmar Buchholz aber mit einem Anstieg des Verkehrs. Die Straße sei eine europaweit wichtige Verbindung von Rumänien über Prag bis nach Deutschland. Die erwarteten Verkehrsströme kämen erst, wenn die Teilstücke alle fertig und die Straße tatsächlich durchgängig nutzbar sei.

Die S 111 am Wasserkretschamer Berg sollte ursprünglich zurückgebaut, ein Teil der Umgehungsstraße S 55 von Weißenberg verlegt, die Autobahnauffahrt weiter östlich ganz neu gebaut werden. Eine Mega-Brücke hätte sich über Wasserkretscham und die Flussauen der Löbau gespannt. 41 Millionen Euro sollte das alles kosten. Wenn die Trasse nun doch weiter westlich an die Autobahn anschließen würde, wären nicht nur die Lärmbelastung und Befürchtungen vor zu viel Oberflächenwasser für Anwohner in Wasserkretscham und Buchholz vom Tisch, erklärt Ortschaftsrat und Unternehmer Uwe Groß aus Buchholz. Eine Anschlussstelle weiter westlich von Weißenberg auf Bautzen zu ist aus seiner Erfahrung heraus auch ein Kompromiss für die Verkehrsteilnehmer aus Richtung Zittau und Löbau.

Für das Wirtschaftsministerium in Dresden hat die Fertigstellung der B 178 höchste Priorität, wie eine Sprecherin betont. Um wie viele Jahre sich der Bau des Anschlusses an die Autobahn durch die Planänderungen verzögert, dazu legt sich das Ministerium nicht fest. Offen ist neben dem Autobahnanschluss noch der Neubau zwischen Niederoderwitz und Oberseifersdorf. Mit der gesamten Fertigstellung wird nun nicht mehr vor 2020 gerechnet.

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