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Bekommt Schönbrunn jetzt Trinkwasser?

Die Brunnen in dem Dorf bei Herrnhut sind teilweise trocken gefallen, Einwohner nutzen Regenwasser. Jetzt ist der Bau einer Leitung greifbar - wenn Sachsen mitmacht.

Schönbrunn soll ans Trinkwassernetz angeschlossen werden.
Schönbrunn soll ans Trinkwassernetz angeschlossen werden. © Rafael Sampedro

Wenn alles glatt läuft, können die Schönbrunner Ende nächsten Jahres ihre Dusche aufdrehen - ohne zu überlegen, ob noch genug Wasser da ist. Auch ihre Klospülung, ihre Waschmaschine oder gar einen Geschirrspüler könnten sie dann nutzen - was jetzt meist wegen Wassermangels in ihren Hausbrunnen höchstens zeitweise oder nur dank gesammeltem Regenwasser möglich ist. Sogar das Wasser für Kaffee und Tee kaufen die meisten von ihnen extra ein, weil die Qualität des verbliebenen Brunnenwassers nicht der Trinkwasserqualität entspricht. Ein Zustand, der seit rund drei Jahren akut ist und so nicht bleiben kann. Und weil unsicher ist, ob sie wieder Wasser haben, wenn sie ihre trocken gefallenen Brunnen deutlich in die Tiefe treiben, kann nur  ein Anschluss an das Trinkwassernetz helfen - auch wenn es teuer wird.

Dieser Anschluss ist für Michael Kuba nach jahrelangen Diskussionen nun tatsächlich greifbar. Der technische Geschäftsführer des Trinkwasserversorgers Sowag gibt sich vorsichtig optimistisch: "Wenn alles glatt läuft, können wir die Trinkwasserleitung für Schönbrunn im kommenden Jahr bauen und im besten Fall auch in Betrieb nehmen." Seit Jahren schon beschäftigt dieses Thema die Bewohner des kleinen Großhennersdorfer Ortsteiles, die Stadtverwaltung Herrnhut und die Sowag. Vor allem die immensen Kosten standen bisher im Weg.

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Förderprogramm reicht nicht

Hier hat der Freistaat mit einem Förderprogramm für Brunnendörfer vor einem reichlichen Jahr weitergeholfen. Doch es reicht noch nicht: "Unser Ziel ist eine Erhöhung der Förderung", sagt Kuba. Maximal 10.000 Euro sollen die betroffenen Anwohner selbst zahlen müssen. Nach letztem Stand wäre es für einige Haushalte aber deutlich mehr, zum Teil mehr als das Grundstück an sich überhaupt wert sei, sagen manche gegenüber der SZ. Damit der Anschluss ans Trinkwassernetz aber überhaupt finanzierbar ist, müssen möglichst alle mitmachen. Die gesamte Investition für die wenigen Kilometer Leitungsbau kostet nämlich rund eine Million Euro.

Immerhin eines ist inzwischen sicher: 14 Grundstückseigentümer machen mit, nur einer weigert sich beständig. "Wir haben bei den konkreten Planungen in den vergangenen Wochen nochmals mit den Schönbrunnern gesprochen, die Bereitschaft ist da", sagt Kuba. Er wünscht sich, dass die Förderquote von 65 auf 86 Prozent der Kosten pro Haushalt hochgesetzt wird. Nach Auskunft des Umweltministeriums sieht es danach aber momentan nicht aus - weil sonst neue Ungerechtigkeiten entstehen. Ernsthaft diskutiert werde derzeit aber eine andere Erleichterung: Bislang kann jeder Brunnendorf-Haushalt mit maximal 20.000 Euro gefördert werden, jetzt werde eine Erhöhung auf bis zu 40.000 Euro diskutiert, heißt es aus dem Ministerium. Allerdings muss hier noch der Landtag das letzte Wort sprechen.

Im Notfall Wasser mit Feuerwehr

Vor Ort hat man jedenfalls alles Mögliche getan, um rasch voranzukommen: "Vor allem die Planungszeit ist deutlich kürzer ausgefallen als gedacht", lobt Kuba das Görlitzer Planungsbüro IBOS, das den Auftrag angenommen hat und um die Brisanz des Themas weiß. Wenn die Frage nach den Fördergeldern geklärt ist und auch die nötigen Genehmigungen zum Bau vorliegen, kann es losgehen. "Wir werden entlang der öffentlichen Straßen bauen, das ist die sicherste und effizienteste Variante", sagt Kuba. Um Kosten zu sparen, war auch erwogen worden, über privaten Grund die Leitungen zu verlegen.

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Und was passiert, wenn in der Zwischenzeit bei einigen Schönbrunnern wieder das Wasser ausgeht - wie über den Winter passiert? Dann müssen sich die Betroffenen bei der Stadt melden. Sie bringt dann - per Feuerwehr - Wasser zu den Grundstücken. Bislang sei dies aber noch von keinem Anwohner gewünscht worden, bestätigen Bürgermeister Willem Riecke (Herrnhuter Liste) und Michael Kuba unisono. Aber diese Abmachung sei jetzt fix, nachdem es lange Diskussionen zwischen Anwohnern, Stadt und Sowag gegeben habe. Denn in den trockenen Sommern der vergangenen Jahre hatten sich die Anwohner zum Teil selbst um einen Wasserwagen gekümmert.

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