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Naturschützer sanieren alte Wassermühle

Ein neues Museum, ein Café und eine Herberge entstehen in der Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft. Aber zuvor ist viel Arbeit nötig in Förstgen.

Die Mühle in Förstgen.
Die Mühle in Förstgen. © André Schulze

Es ist der zweite Coup, den die Naturschutzstation Östliche Oberlausitz gelandet hat. Neben dem Erwerb des Schlosses Niederspree gehört die alte Wassermühle in Förstgen den Naturschützern. Der Erwerb ist zwar schon 2018 erfolgt, als der Sohn des letzten Müllers Volkmar Lindner das Objekt verkaufte. Aber erst dieses Jahr kann der Umbau erfolgen.  Nachdem das nebenstehende Wohnhaus freigeworden ist und die beantragten Fördermittel über das Leader-Programm bereitstehen. Dabei handelt es sich um eine Summe von 100.000 Euro.

Die Pläne sind konkret, wie der Förderverein der Naturschutzstation sein Objekt künftig nutzen will. Die Leiterin der Naturschutzstation, Annett Hertweck, nennt drei Funktionen, die die Mühle erfüllen wird: "Wir wollen darin eine Herberge, ein Museum und ein kleines Café einrichten. Café und Museum werden in der Mühle sein, die Herberge im angrenzenden Wohnhaus."     

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Bis 1976 zum Getreide mahlen genutzt

Doch bevor es soweit ist, heißt es erst einmal Platz machen für die künftige Nutzung. Seit 1976 wird die Mühle in ihrer eigentlichen Funktion kaum noch und seit der Wende gar nicht mehr genutzt. In der LPG-Zeit  wurde in ihr Futtergetreide zu Mischfutter gemahlen. Erbaut ist die Mühle 1910 in dem damals üblichen Backsteinstil. Bis 1960 ließen die Bauern hier ihr Getreide beim privaten Müller malen. Seit 1950 gehörte die Mühle der Familie Lindner.   

Nun zieht neues Leben in das Gemäuer ein, zunächst in Form von freiwilligen Helfern. Der Verein hatte am 18. Januar zum ersten großen Arbeitseinsatz an der Mühle aufgerufen. Für Annett Hertweck war das ein guter Anfang: "18 Freiwillige waren von acht bis teilweise 20 Uhr vor Ort. Sie haben den Keller beräumt, Holzreste entfernt und einen Teil der schweren Mühlentechnik mit dem Flaschenzug in den Container gebracht." 

4,5 Tonnen Schrott und Abfall enstorgt

Insgesamt wurden etwa zwei Tonnen Schrott und zweieinhalb Tonnen Abfall  zusammengetragen und entsorgt, fasst die Leiterin das Ergebnis des Arbeitseinsatzes zusammen. Damit war es aber noch nicht getan. "Am Sonntag wurde von fünf freiwilligen Helfern die Mühle von oben nach unten komplett durchgefegt. Am Montag hatten die Männer aus Kringelsdorf und Zimpel noch einmal alle Hände voll zu tun, um in mehrstündiger Arbeit das alte Silo zu zerlegen", ergänzt Annett Hertweck.    

Was die Nutzung der Räume betrifft, sind alle Etagen der Mühle bereits verplant. Das Museum soll im Erdgeschoss und im ersten Obergeschoss über das Handwerk des Müllers informieren. Zu dem vorhandenen Inventar such der Verein noch Arbeitsmittel und Gegenstände, die den Alltag im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts prägten. Wer so etwas noch bei sich zu Hause hat und es für das Museum entbehren kann, sollte sich in der Naturschutzstation in Förstgen melden, sagt Frau Hertweck. 

Umweltbildung in der Mühle

Über dem Museum soll die Umweltbildung im zweiten Obergeschoss ein weiteres Domizil bekommen. Das Dachgeschoss bleibt den Fledermäusen vorbehalten. Hier soll eine Kinderstube für sie eingerichtet werden. Alles anspruchsvolle Aufgaben für den Verein, die in diesem Jahr umgesetzt werden sollen. 

Das bisherige Wohnhaus soll zu fünf Mehrbettzimmern umgebaut werden. Sie sind für Naturtouristen vorgesehen, die per Fahrrad oder zu Fuß die Heide- und Teichlandschaft durchstreifen und eine Bleibe zum Übernachten suchen. "Wir wollen die Zimmer einfach, aber gemütlich einrichten. Unsere Gäste sollen merken, dass sie auf dem Land übernachten", berichtet Annett Hertweck. Beköstigt werden sie dann über das Mühlencafé. Das soll auch der Öffentlichkeit an den Wochenenden und zu Feiertagen offen stehen. 

Mit dem Ausbau der Wassermühle erweitert die Naturschutzstation ihre Angebote in Förstgen. Zum Verwaltungssitz und dem Schafstall kommt die Wassermühle als Erlebnismühle in diesem Jahr noch dazu.  Sie ist aus Sicht der Naturschützer der ideale Ort, um ein traditionsreiches Handwerk wiederzubeleben und einen Treffpunkt für Gäste und Einheimische zu gestalten.

Zwei der fleißigen Helfer beim Arbeitseinsatz in der alten Mühle: Mario Stiller (links) und Wilfried Laube bauen eine hölzerne Einrichtung zum Transport der Körner in der Wassermühle aus. 
Zwei der fleißigen Helfer beim Arbeitseinsatz in der alten Mühle: Mario Stiller (links) und Wilfried Laube bauen eine hölzerne Einrichtung zum Transport der Körner in der Wassermühle aus.  © Rolf Ullmann

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