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Wasserrad steht auf dem Trockenen

Peter Fischer wollte den Saßteich wieder beleben. Technisch wäre das möglich. Doch das Projekt scheitert an etwas anderem.

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Von Jürgen Müller

Es sollte schon längst am Saßteich plätschern, das im Durchmesser rund vier Meter große Wasserrad. Gebaut hat es der 74- jährige Peter Fischer. Der Steinmetz hat schon mehrere Projekte in Lommatzsch auf die Beine gestellt. Den Kreisverkehr hat er gestaltet und eine Stele zur 725-Jahr-Feier von Lommatzsch geschaffen und aufgestellt. Nun also das Projekt Wasserrad. Damit soll der Saßteich, der seit dem Hochwasser von 2002 trockengelegt ist, wieder belebt werden.

Der Saßteich wurde 1854 vom Verschönerungsverein Lommatzsch angelegt. Er speiste sich damals aus vier Quellen, die sich auf einer Wiese befanden. Heute ist dort der Fußballplatz. Um diesen bauen zu können, wurden die Quellen zugeschüttet. So hatte der Teich keinen Zufluss mehr. 1974 wurde er auch zugeschüttet.

Erst 1997 wurde der Teich mit ABM-Kräften und 254 000 Mark Steuergeld wieder hergestellt. Damals wurde das Gewässer mit einer elektrischen Pumpe mit Wasser des Keppritzbaches gespeist. Beim Jahrhunderthochwasser 2002 wurde der Teich jedoch überflutet und verschlammte. Es kümmerte sich niemand mehr darum.

Außer Peter Fischer. Bei einer Reise nach Ägypten hat er Wasserräder gesehen. Ein solches ließe sich doch auch in Lommatzsch bauen, sagte er und schritt zur Tat. Lommatzscher Betriebe und Gewerbetreibende unterstützten ihn. Bald war das Aluminiumrad fertig. Im Sommer 2013 war das. Doch mit dem Aufstellen wurde es nichts. Es fehlte noch die wasserrechtliche Genehmigung. Die muss aber die Stadt beim Landratsamt einholen, denn der Saßteich ist städtisches Eigentum. Und Verwaltungen brauchen nun mal Zeit. Im März vorigen Jahres, so hoffte Fischer, sollte es soweit sein. Das hätte auch ganz gut gepasst. In jenem Jahr hätte der Saßteich nämlich genau 160 Jahre bestanden. Aus diesem Anlass sollte das Gelände mit Bänken und Tischen aus Beton gestaltet, wieder zu einem kleinen Erholungsgebiet werden.

Doch das Wasserrad ist bis heute nicht in Betrieb. Fischer hat es inzwischen demontiert, in Kisten verpackt und verstaut. Auf dem Betriebsgelände des kleinen Steinmetzbetriebes nahm das große Rad zu viel Platz in Anspruch. Ob es jemals wieder ausgepackt wird und aufgestellt werden kann, ist nicht sicher. Denn die wasserrechtliche Genehmigung fehlt noch immer. Doch warum hat sie das Landratsamt nicht erteilt, welche Auflagen müssen erfüllt werden? Gar keine, sagt Kerstin Thöns, die Pressesprecherin des Amtes. „Wir konnten keine Genehmigung erteilen, weil die Stadt bis heute gar keinen Antrag gestellt hat“, sagt sie. Es habe lediglich am 13. August 2013 einen Vor-Ort-Termin mit der Bürgerinitiative „Belebung Saßteich“ und der Stadt gegeben. Seitdem habe man nichts mehr von dem Projekt gehört. „Wenn uns kein Antrag vorliegt, können wir auch nichts genehmigen“, so Kerstin Thöns lakonisch.

Tatsächlich liegt es an der Stadt. „Wir haben das Thema nicht ad acta gelegt. Aber der Sachstand ist so, dass das Wasserrad dem Baurecht unterliegt und alles insgesamt einer wasserrechtlichen Genehmigung bedarf“, so Bürgermeisterin Anita Maaß. (FDP). Hierfür müsse ein genehmigungsfähiger Antrag eingereicht werden. Voraussetzung seien ordentliche Höhen- und Lagevermessungen. „Diese haben wir vorliegen. Für die Beauftragung von Planungen fehlen uns derzeit die Mittel. Wir sind aber noch dran“, so die Bürgermeisterin. Aufgrund anderer dringender Vorhaben könne das Bauamt aber nicht kontinuierlich am Thema dran bleiben. Und so bleibt das Wasserrad wohl vorerst weiter auf dem Trockenen.