merken
PLUS

Wasserreservoir wird zu unterirdischer Baustelle

Das Herzstück des Wilsdruffer Trinkwassernetzes wird saniert. Beim Bau der Anlage wurde vermutlich geschludert.

Von Annett Heyse

Es ist duster und dunstig, selbst die lichtstarken Baulampen können nicht alle Ecken erhellen. Feiner Nebel liegt in der Luft, im Nu bildet sich der Geschmack von Zement auf der Zunge. „Feinstaub“ sagt einer der Arbeiter lakonisch und rückt seinen Partikelfilter zurecht.

Anzeige
Energisch zum Traumberuf
Energisch zum Traumberuf

Junge Menschen aufgepasst: Der ENSO-Ausbildungstag am 10. Oktober startet den eigenen Karrieremotor - jetzt auch digital!

Wir stehen in einer großen, unterirdischen, viereckigen Kammer. Drei Säulen in der Mitte halten die Betondecke. Was ein bisschen wie ein Bunker aussieht, ist Wilsdruffs Trinkwasserhochbehälter an der Braunsdorfer Höhe. Hier kommt das Nass aus dem Wasserwerk an und wird ins Wilsdruffer Netz eingespeist. Normalerweise herrscht bis auf das Summen der Pumpen Ruhe in dem unterirdischen Bauwerk, welches aus zwei etwa 1 000 Kubikmeter großen Betonkammern besteht. Seit einigen Wochen aber sind Bauleute am Reservoir beschäftigt. Denn das Herzstück der Wilsdruffer Trinkwasserversorgung muss saniert werden. Wir steigen über Kabel und Rampen sowie eine Bautreppe in eine der beiden Kammern hinab. „750 Kubikmeter Wasser stehen hier normalerweise drin“, erklärt Andreas Clausnitzer. Er ist in Wilsdruffs Stadtverwaltung für den Eigenbetrieb Trinkwasserversorgung zuständig. Dass er jetzt inmitten des Rohrnetzes und auch noch mitten im Sommer, eine große Baustelle hat, war so nie geplant. Denn gerade einmal 22 Jahre ist es her, dass der Hochbehälter neu errichtet wurde.

Stahlbewährung lag frei

Doch schon vor einigen Jahren wurden erste Schäden sichtbar: Von den Wänden der Kammern platze die Betonschicht ab und fiel auf den Boden der Speicher. Auch die Beschichtungen an Decken und Böden lösten sich regerecht auf. Schnell arbeitete sich das Wasser bis auf die Stahlbewährung durch. Clausnitzer: „Eigentlich sollte so etwas länger halten.“ Möglicherweise sei beim Bau eben nicht sauber gearbeitet worden. Weil der Bau von den inzwischen insolvent gegangenen Konzern Philipp Holzmann errichtet worden war, konnte der Trinkwasserbetrieb noch nicht mal auf die Gewährleistung pochen. Einige Jahre schob man das Problem vor sich her.

„Abstriche an der Wasserqualität hat es nie gegeben. Es gibt Filter, die eventuelle Schwebstoffe aufnehmen können, bevor das Wasser ins Netz abfließt“, versichert Clausnitzer. Außerdem teste man die Wasserqualität ständig von unabhängigen Instituten und entnehme dazu Proben an verschiedenen Stellen. Länger ließen sich die Schäden aber nicht mehr ignorieren. Die Arbeiter ziehen nun auf Wände, Decken und Böden der beiden Kammern völlig neue Betonschichten. Rund 194 000 Euro betragen die Sanierungskosten.

Damit die Wasserversorgung gewährleistet ist, wird nur in einem der Kammern gearbeitet, die andere verübt weiterhin ihren Dienst. Spätestens Mitte Juli soll Speicher Nummer eins betriebsbereit sein, dann wird die zweite Kammer saniert.

Ganz reibungslos geht dies allerdings nicht vonstatten. Der Sommer ist die Jahreszeit mit dem höchsten Trinkwasserverbrauch. „Duschen, Garten wässern, Pools betreiben – da fließt eine Menge durch“, zählt Andreas Clausnitzer auf. Am Pfingstwochenende mit seinen über 30 Grad mussten deshalb die Pumpen auf Hochtouren laufen, damit es im Netz keinen Druckabfall hatte. Der Eigenbetrieb versorgt übrigens bei 2 760 Anschlüssen 10 800 Einwohner mit Trinkwasser. Die Ortsteile Mohorn, Grund und Herzogswalde hängen nicht am Wilsdruffer Wassernetz, sondern werden über die Weißeritzgruppe beliefert.