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Zittau

Kein Retter für die Badegäste am O-See?

Letztes Wochenende war die Wache am Sandstrand unbesetzt. Der Personalmangel macht das grundlegende Problem bei der Wasserrettung deutlich. 

Viel Trubel herrschte am Sonnabend bei schönstem Badewetter am Olbersdorfer See.
Viel Trubel herrschte am Sonnabend bei schönstem Badewetter am Olbersdorfer See. © Foto: Matthias Weber

"Leider muss dieses Wochenende die Wache unbesetzt bleiben." So steht es auf einem Zettel an heruntergelassenen Jalousien. Bei allerschönstem Sonnenschein sind am Sonnabend und Sonntag am Olbersdorfer See viele Badegäste da - aber kein Rettungsschwimmer.

Dabei sollte der Badebetrieb am Olbersdorfer See wenigstens an den Wochenenden und in den Sommerferien von ausgebildeten Rettungsschwimmern überwacht werden. Mitglieder der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) und der Wasserwacht des DRK sollten sich in diese Aufgabe teilen. Warum ist die Wachstation dann unbesetzt?

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Die Dresdner City-Apotheken bieten mehr, als nur Medikamente zu verkaufen. Das hat auch mit besonderen Erfahrungen zu tun. Was, wenn Sonntagmorgen plötzlich der Kopf dröhnt oder die Jüngste Läuse mit nach Hause gebracht hat?

"Die Begründung ist einfach und traurig zugleich", sagt Martin Kontek, der Einsatzleiter der Zittauer Ortsgruppe der DLRG. Für den Dienst hätten auf alle Abfragen hin schlichtweg nicht genügend ehrenamtliche Rettungsschwimmer bereitgestellt werden können. Das hatte zur Folge, dass die Wache gänzlich geschlossen bleiben musste. 

Zettel statt Rettungsschwimmer an der Wachstation am Olbersdorfe See.
Zettel statt Rettungsschwimmer an der Wachstation am Olbersdorfe See. © Foto: Matthias Weber

Die personelle Besetzung der Wache gestalte sich zunehmend schwieriger, sagt der Einsatzleiter. Im letzten Sommer haben die Rettungsschwimmer am Olbersdorfer See insgesamt 1.200 Einsatzstunden geleistet und sind rund 70-mal zu Hilfe geeilt. Dabei, sagt Kontek, sei es nicht nur um kleine Verletzungen wie Schürfwunden, sondern mehrfach auch um Leben und Tod gegangen.

Dieser Verantwortung stellen sich die Rettungsschwimmer am O-See ausschließlich ehrenamtlich. Aber allein mit Engagement lässt sich die Wasserrettung immer schwerer absichern.  Für den Dienst am See werden mindestens drei Personen gebraucht: ein  Bootsführer, ein Wachführer und ein Rettungsschwimmer, erklärt Martin Kontek. Besser wäre sogar eine größere Wachmannschaft. Wer am See Dienst tut, muss auch noch bestimmte Qualifikationen nachweisen, mindestens das Deutsche Rettungsschwimmabzeichen in Silber abgelegt haben und einen Erste-Hilfe-Kurs, der nicht länger als zwei Jahre zurückliegen darf. Auch muss mindestens einer aus der Mannschaft 18 Jahre alt sein. Und so ein Dienst am See dauert im Normalfall von 10 bis 18 Uhr - und das nahezu ohne Pause.

Hinzu kommt, dass die qualifizierten Rettungsschwimmer den ganzen Sommer über auch noch zahlreiche andere Anfragen bekommen:  für die Absicherung von Schulausflügen und Badbesuchen von Hort- und Kindergartengruppen, für die Absicherung von Veranstaltungen in Bädern und an Seen oder zur Unterstützung des Personals in Freibädern, wenn in Stoßzeiten sonst die Sicherheit der Badegäste nicht gewährleistet werden kann. Anders als bei den ehrenamtlichen Einsätzen am O-See, für die es nur eine kleine Aufwandsentschädigung gibt, werden solche Dienste bezahlt. 

"Wir haben immer weniger Schultern, auf die wir die steigenden Lasten verteilen können", sagt Martin Kontek. Es seien vor allem Jugendliche und Senioren, die für die Dienste zur Verfügung stehen. Trotz guter Zusammenarbeit mit den Wasserwächtern des DRK weise der aktuelle Wachplan über die gesamte Saison noch so manche Lücke auf.

Der aktuelle Personalmangel auf der Wachstation am Olbersdorfer See macht aber auch ein grundlegendes Problem der Wasserrettung deutlich: Bisher wird sie nur ehrenamtlich und dank des Sponsorings der Kreissparkasse abgesichert. Dauerhaft kann das nicht die Lösung sein, ist Olbersdorfs Bürgermeister Andreas Förster (FDP) überzeugt. 

Aber hier beißt sich die Katze in den Schwanz. Seit Jahren wird die Verantwortung für die Wasserrettung vom Landkreis an die Anliegergemeinden geschoben und umgekehrt. Nun soll es einen dreiseitigen Vertrag zwischen Olbersdorf, Zittau und dem Landreis geben, der in diesem Frühjahr vorliegen sollte. Bisher habe mit ihm aber noch niemand gesprochen, sagt der Olbersdorfer Bürgermeister. Aus dem Landratsamt gibt es nur die Auskunft, dass derzeit noch Klärungsbedarf bestehe, und der Landkreis deshalb öffentlich noch nicht Stellung beziehen könne.

"Es muss hier nicht nur um die Finanzierung gehen, sondern vor allem um die eindeutige rechtliche Klärung und Regelung der Wasserrettung", sagt Andreas Förster. Aber darüber gebe es immer noch "unversöhnliche Sichtweisen, wem diese Aufgabe zufällt". Eine Lösung scheint offenbar noch nicht in Sicht, muss aber dringend zustande kommen, weil die Finanzierung durch das Sponsoring der Sparkasse nur noch für diese Saison geregelt ist. Die Rettungsschwimmer von DLRG und DRK, sagt Einsatzleiter Kontek, werden auf ehrenamtlicher Basis weiter ihr Möglichstes tun.

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