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Wasserspiele am Königssee

Die deutschen Rodler glänzen beim Heim-Weltcup und lassen ihre Gegner im Regen stehen. Aileen Frisch aus Altenberg bejubelt als Dritte ihren ersten Podestplatz.

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Von Michael Fox und Jörg Soldwisch

Auch das Sauwetter konnte den deutschen Rodlern die Leichtigkeit des Seins nicht nehmen. „Hat’s geregnet?“, lachte Natalie Geisenberger nach ihrem Erfolg bei den Wasserspielen am Königssee und sprach den beim Endspurt auf die EM am nächsten Wochenende in Oberhof einmal mehr mächtig auftrumpfenden deutschen Kufen-Assen aus der Seele. Dreifachsieg bei den Frauen, Doppelerfolg bei den Doppelsitzern – angesichts der erdrückenden Weltcup-Dominanz seiner Schützlinge kam Bundestrainer Norbert Loch im Dauerregen aus dem Dauerstrahlen nicht mehr raus: „Da kann das Grinsen im Gesicht schon etwas breiter sein.“

Allein bei seinen sonst so erfolgsverwöhnten Männern musste er gestern zittern. Doch auf den Routinier war schließlich Verlass: David Möller meldete sich beinahe vier Jahre nach seinem bisher letzten Weltcup-Erfolg zurück und bewahrte die deutschen Rodler mit seinem Sieg vor einer Heimniederlage. „Ich habe das Ding gut für uns nach Hause gefahren“, freute sich der 30-Jährige. „Das tut gut.“ In den vergangenen Wintern stand der Weltmeister von 2004 und 2007 im Schatten von Olympiasieger Felix Loch, der als Vierter auf seiner Hausbahn erstmals im vorolympischen Winter das Podium verpasste. „Ich habe nie aufgesteckt“, sagte Möller erleichtert und richtete einen Monat vor der WM im kanadischen Whistler eine Kampfansage an die starken Konkurrenten in der eigenen Auswahl. „Das Kribbeln ist wieder da. Vielleicht ist es ja ein Zeichen, dass ich bereit bin, wieder ganz vorn anzugreifen.“

Besonders am Sonnabend kämpften die Athleten auf der Wasserrutsche. „Ein Sauwetter“, schimpfte Doppelsitzer Tobias Arlt und durfte mit Steuermann Tobias Wendl im Dauerregen dennoch den fünften Triumph im fünften Rennen bejubeln. „Derzeit läuft’s einfach. Wir gehen locker ran ans Ganze.“ Doch auch der Bayern-Express hatte Probleme mit dem extrem weichen Eis. „Das war ein bisschen wie Tiefschneefahren“, meinte Arlt. „Es waren sehr schwierige Bedingungen. Da muss man die Kiste erst einmal gerade von oben nach unten fahren“, sagte auch Sascha Benecken, der mit Toni Eggert den deutschen Doppelerfolg perfekt machte.

Noch besser lief es jedoch bei den Frauen – und das ohne Olympiasiegerin Tatjana Hüfner. Die vierfache Weltmeisterin musste aufgrund von Rückenbeschwerden passen, aber angesichts des schier unendlichen Reservoirs der deutschen Rodlerinnen störte das kaum. Hinter Geisenberger belegten Hüfner-Ersatz Carina Schwab und Zukunftshoffnung Aileen Frisch die weiteren Plätze auf dem Treppchen.

„Ich bin sehr überrascht über den dritten Platz, da es auch sehr knapp war nach dem ersten Lauf“, sagte die 20-jährige Junioren-Weltmeisterin Frisch aus Altenberg. „Es war ein sehr spannendes Rennen. Ich musste selber mitzittern. Ich bin sehr froh, dass es am Ende gereicht hat. Ich will jetzt unbedingt dranbleiben – mal sehen, ob ich den nächsten Einsatz irgendwann kriege.“ Auch Schwab strahlte trotz des Schmuddelwetters über ihren zweiten Platz: „Damit hätte ich nie gerechnet.“

Die ungefährdete Gewinnerin Geisenberger freute sich über ihren Traumwinter. „Momentan bin ich super in Form. Ich bin mental gut drauf. Der Schlitten läuft einfach wie Sau“, schwärmte die Olympia-Dritte und blickte schon einmal auf den Saisonhöhepunkt voraus. „Da möchte ich natürlich eine Medaille – wenn möglich, die goldene.“ Titelverteidigerin Hüfner hat es vernommen. (dpa und sid mit SZ)