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Webers Grab von Moos befreit

Auf dem Alten Katholischen Friedhof ruhen der berühmte Komponist und andere schillernde Persönlichkeiten.

Von Peter Hilbert

Der Alte Katholische Friedhof an der Friedrichstraße ist eine wahre Fundgrube für Geschichtsinteressierte. Denn mit seinen Grabmalen bedeutender Dresdner birgt er wertvolle kulturhistorische Schätze. Für Friedhofsmeister Andreas Reinelt ist das ein mühsames Geschäft, die altehrwürdige Anlage in Ordnung zu halten. „Es ist immer wieder ein Glücksfall, wenn Geld bereitgestellt wird, um ein Grab in Ordnung zu bringen“, sagt er. Das ist jetzt bei der Ruhestätte des berühmten sächsischen Hofkapellmeisters Carl Maria von Weber gelungen.

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Die Instandsetzung der Anlage an der hinteren Friedhofsmauer ist gerade abgeschlossen worden. Möglich wurde das, da die Stadt rund 3 000 Euro für die Arbeiten zur Verfügung gestellt hat. „Zuerst war die Gruftplatte abgenommen worden“, nennt Reinelt den Auftakt. Da stellten sich für ihn einige Fragen. Denn die Gruft sei gegenüber anderen, die meist etwa drei Meter tief sind, einen Meter flacher. Reinelt recherchierte. An der Stirnseite gab es mit der Jahreszahl 1970 einen Hinweis. Ein ehemaliger Friedhofsmitarbeiter berichtete letztlich, dass damals das Grab schon einmal instand gesetzt wurde. Die Gebeine des Hofkapellmeisters, seiner Frau Caroline und ihres Sohnes Max Maria von Weber, die dort mit bestattet sind, seien währenddessen in der Leichenhalle aufbewahrt worden – unter Polizeischutz. Denn selbst von den DDR-Funktionären sei der Freischütz-Komponist sehr geschätzt worden.

Damals sind offenbar die Gebeine Webers und seiner engsten Angehörigen in nur einen Sarg umgebettet worden, der sich jetzt in der Gruft befindet. Die könnte damals auch umgebaut worden sein, sodass sie kleiner geworden ist. Bei den jetzt abgeschlossenen Arbeiten wurde die Gruftplatte gereinigt und von Moos befreit. Zudem richteten die Handwerker die mittlere Grabeinfassung, die Einfassungsmauer und einige Sandsteinplatten. So hat die Anlage wieder ein würdiges Aussehen.

Webers Leichnam ist 1844, 18 Jahre nach seinem Tod in London, auf diesen Friedhof überführt worden. Das erläutert Hobbyhistoriker Christoph Pötzsch, der sich dort bestens auskennt. Darum habe sich besonders Richard Wagner gekümmert, der Geld dafür gesammelt hatte. Extra für die Beisetzung, zu der sehr viele Menschen kamen, komponierte Wagner noch das mehrstimmige Chorlied „Hebt an den Sarg“. Webers Grab hatte Hofbaumeister Gottfried Semper errichtet. In jüngster Zeit konnten aber auch Schäden am Grab des berühmten Malers Gerhard von Kügelgen beseitigt und die Ruhestätte des bekannten Dresdner Dirigenten und Musikers Kurt Striegler wieder in einen würdigen Zustand versetzt werden.

Historiker Pötzsch verweist darauf, welche bekannten Persönlichkeiten hier außerdem ruhen. Zu den schillerndsten von ihnen zählt Auguste Charlotte Gräfin von Kielmannsegge (1877–1863), deren Todestags sich 2013 zum 150. Male jährt. Sie war die Spionin Napoleons. „Er hatte ein enges Vertrauensverhältnis zu ihr“, erklärt Pötzsch. Deshalb musste die Gräfin nach der Scheidung auch Napoleons erste Frau Josephine drei Monate lang auf Schloss Malmaison bewachen, damit diese keinen Rachefeldzug starten kann. „Nachdem der Kaiser gestorben war, hat sie sich bis zu ihrem Tod 42 Jahre später als dessen Witwe gefühlt“, so Pötzsch. Ihre letzten Jahre verbrachte die Gräfin im sogenannten Wasserschlösschen im Plauenschen Grund.

Ein Meister seines Fachs war der Kunstschlosser Anton Konrad (1880–1938), dessen Grab ebenfalls auf diesem Friedhof ist. „Er hat vor allem Waffen gefälscht und damit außerordentlich viel Geld verdient“, sagt Pötzsch. Deshalb konnte er sich eine Villa auf der Radeberger Straße leisten. Konrad hatte vor allem Waffen im Stile des Barocks und der Renaissance gefertigt, sie künstlich altern lassen und teuer verkauft. Konrads größter Erfolg soll die Fälschung eines Prunkdegens von August dem Starken gewesen sein. Deshalb findet Pötzsch die Grabinschrift sehr pikant: „Liebe, Treue und unermüdliches Schaffen waren sein Leben.“