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Händler schreiben "Brandbrief" an Stadt

Die Umgestaltung der Inneren Weberstraße in Zittau sorgt weiter für Kritik. Die Verfasser des Briefes beklagen, dass die Planungen nicht verändert werden.

Händler, Hausbesitzer und Anwohner haben mehrere Dutzend Unterschriften gegen die Umgestaltung der Inneren Weberstraße gesammelt. Sie kritisieren weiterhin die Stadt und fordern Anpassungen bei der Planung.
Händler, Hausbesitzer und Anwohner haben mehrere Dutzend Unterschriften gegen die Umgestaltung der Inneren Weberstraße gesammelt. Sie kritisieren weiterhin die Stadt und fordern Anpassungen bei der Planung. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Mehrere Wochen wird nun schon auf der Inneren Weberstraße in Zittau gebaut, die deshalb im unteren Abschnitt voll gesperrt ist. Mit dem Start einer Baumaßnahme wird in der Regel an der vorliegenden Planung nichts Grundlegendes mehr verändert, sondern diese nur noch umgesetzt. Und dennoch fordern Händler, Hausbesitzer und Anwohner der Inneren Weberstraße weiterhin Änderungen an den Umbauplänen. Mit einem "Brandbrief" haben sie sich nun erneut an die Stadtverwaltung gewandt. 

Ihnen sei zwar bei dem Vor-Ort-Termin kurz vor dem Baustart versprochen worden, die Planung hinsichtlich der Kritikpunkte zu prüfen. Aber im Nachhinein, so der Eindruck der Verfasser des Briefes, werde doch nichts geändert. Das wäre allerdings nicht im Sinne der Bürger, heißt es in dem Schreiben der Händler und Anwohner der Inneren Weberstraße.

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Erste Kündigung wegen drohendem Parkplatzproblem

Die Kritiker ärgern sich vor allem über die künftige Anzahl der Parkplätze. Von den bisher mehr als 40 Stellflächen auf der gesamten Inneren Weberstraße sollen nach dem Straßenbau noch 19 übrig bleiben. Vor allem die Händler erwarten dadurch einen wirtschaftlichen Schaden für ihre Geschäfte. 

Aber auch Anwohner befürchteten, dass sie künftig nicht mehr in der Nähe parken können. Es gebe deshalb schon Kündigungen. So berichtet eine Immobilienmaklerin, dass am Tag nach dem Vor-Ort-Termin die erste Mietwohnung in der Inneren Weberstraße gekündigt wurde - mit der Begründung, dass nach dem Umbau zu wenig Parkplätze zur Verfügung stehen. Andere Hausbesitzer glauben, dass es nicht bei einer Kündigung bleiben wird. Und sie haben Angst, jahrelang die Kosten für leer stehenden Wohnraum tragen zu müssen, da es nach ihrer Einschätzung schwer sei, neue Mieter zu finden.

Die Stadt bietet bislang kaum Ersatzparkplätze an. Während des Straßenbaus werden zwar zusätzliche Parkplätze hinter der Johanniskirche angeboten, ob dort aber auch danach Fahrzeuge stehen dürfen, darüber wurde zuletzt noch verhandelt. Denn es gibt auch Stimmen, die ein dauerhaftes Parken an der Johanniskirche ablehnen. Einen Abriss von leerstehenden Häusern, um dort dann Stellflächen zu schaffen, lehnen die Verfasser des "Brandbriefes" kategorisch ab. "Das Stadtbild soll ja nicht dem einer bombardierten Stadt angepasst werden", schreiben sie.

Unterschriftenliste wird länger und länger

Bärbel Michel, Inhaber des Wäsche- und Strickmodengeschäftes, hat deshalb in den vergangenen Wochen weiterhin Unterschriften gesammelt. Bis zum Baustart hatten bereits mehr als 30 Bürger die Einwendungen mit ihrer Unterschrift unterstützt. Weitere über 30 Unterschriften sind bis jetzt hinzugekommen. 

Gerade nach dem Vor-Ort-Termin haben sich viele Bürger gemeldet, um die Einwendungen und alle notwendigen weiteren Schritte zur Änderung der Planung mitzutragen, heißt es in dem neuen Brief an die Stadt. "Es werden aktuell immer mehr Leute, die uns unterstützen und gerade die ausführliche Vorstellung der Planung hat dazu geführt, dass den Anwohnern, Gewerbetreibenden und Bürgern klar wird, welche Auswirkungen die massive Umplanung der Straße für sie bedeutet", schreiben Bärbel Michel und Johannes Husar, Betreiber des Duftladens, im Namen der Unterzeichner.

Die Stadt müsse die Planungen den örtlichen Gegebenheiten und dem Bedarf anpassen. So halten die Händler die geplanten breiten Fußwege nicht für notwendig. "Eine strukturschwache und fast entvölkerte Stadt mit 25.000 Einwohnern braucht keine bis zu zirka 4,70 Meter breiten Gehwege", kritisieren die Verfasser des Briefes. 

Auch die Gestaltung des mittleren Abschnitts der Inneren Weberstraße wollen die Händler und Anwohner so nicht akzeptieren. Eine Straßenbreite von drei Metern bei gleichzeitig überbreiten massiven Fußwegen halten sie für eine Fehlplanung und Steuergeldverschwendung. "Hier können deutlich Baukosten eingespart werden, wenn die Straße auf 4,50 Meter verbreitert wird. Die Gehwege müssen dann nicht für eine Zehn-Tonnen Belastung ausgelegt werden, es müssen weniger Granitplatten eingekauft und es kann mehr Granitpflaster aus dem Bestand wieder eingebaut werden", so ihre Vorstellungen.

Die jetzige Planung verhindere die positive Entwicklung der Altstadt enorm und mache es für die umliegende Bevölkerung und Touristen völlig uninteressant, die Altstadt zu besuchen, meint Rainer Scholz, Eigentümer der Inneren Weberstraße 24. Die Händler und Anwohner halten deshalb an ihrer Forderung fest, die Straßenplanung nochmals zu überarbeiten. Sie bieten gleichzeitig an, am Planungsprozess aktiv mitzuwirken.

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