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Weder Fisch noch Fleisch

In Kitas und Schulen kommt zu wenig Obst auf den Tisch, sagen Forscher. Quatsch, antworten Caterer und Eltern.

Von Sandro Rahrisch

Gemüselasagne steht an diesem Mittag auf dem Speiseplan im Klotzscher Kindergarten „Koboldland“. Zum Nachtisch serviert der Caterer „Kinderküche“ Obst. Solche fleischlosen Tage sind die Ausnahme, wenn man einer neuen Studie der Bertelsmann-Stiftung glaubt. Zu viel Fleisch und zu wenig Gemüse bekommen Kindergartenkinder mittags serviert, heißt das Fazit der Forscher. Ein Vorwurf, den sich Dresdens Essensanbieter so nicht gefallen lassen wollen.

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Der Caterer „Leibspeise“ kocht nur einmal die Woche Fisch oder Fleisch. „Wir sind gerade deshalb von den Eltern ausgewählt worden“, sagt Geschäftsführer André Kaube. Das Unternehmen beliefert fünf Dresdner Kindergärten, drei städtische und zwei in freier Trägerschaft. Montags ist Pasta-Tag, dienstags gibt es Suppe, donnerstags wird eine Süßspeise aufgetischt und freitags ein Gemüsegericht – diese Woche Zucchini-Puffer mit Kräuterquark. „Wir haben uns sehr mit der vegetarischen und veganen Ernährungsweise auseinandergesetzt, damit die Kinder eben keine Mangelerscheinungen bekommen“, so Kaube. „Auf dem Land mögen die Studienergebnisse ja stimmen, dort gehört es oft zum guten Ton, jeden Tag Fleisch zu essen.“

Caterer wie „Leibspeise“ versorgen zwischen 87 und 98 Prozent der Kinder in den städtischen Kitas mit Essen. Die Unternehmen verpflichten sich schon bei ihrer Bewerbung, die Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) einzuhalten, also die Leitlinien, die als Maßstab für die Bertelsmann-Studie herangezogen wurden. „Wir haben Erzieher hinsichtlich gesunder Ernährung geschult“, sagt Sabine Bibas, die den Kita-Eigenbetrieb der Stadt leitet. „Sie achten darauf, welche Gerichte angeboten werden und melden uns, wenn der Speiseplan unausgewogen ist.“ Schließlich entscheiden die Elternräte, welcher Versorger das Essen ihrer Kinder kochen darf.

Eben weil so streng darauf geschaut wird, wie viel Obst und Gemüse auf den Tisch kommt, schickt der Leipziger Caterer „Servito“ zweimal pro Woche Obstkörbe in rund 40 Dresdner Kitas und Schulen. „Einige Eltern sagen uns schon, dass wir nicht so viel mitbringen sollen“, sagt Geschäftsführer Wilfried Hänchen. Manche wünschen sich sogar mehr Fisch und Fleisch, fügt „Leibspeise“-Geschäftsführer Kaube hinzu. Wer das in Bio-Qualität haben wolle, müsse allerdings mit Portionspreisen um die vier Euro rechnen. Die meisten Eltern, schätzt Kaube ein, dürften nicht in der Lage sein, 25 Prozent mehr zu bezahlen.

Mehr Obst und Gemüse in Höchstqualität anzubieten ist ein Spagat, sagt auch die Sodexo-Sprecherin Suska Georg. „Oftmals wird zu extrem niedrigen Preisen extrem hohe Qualität gefordert, die es uns unmöglich macht, ein Angebot zu unterbreiten oder gar unserer Philosophie gerecht zu werden.“ Erst im August 2013 und im Januar hatten drei Anbieter, darunter Sodexo, die Portionspreise um zehn bis 24 Cent erhöht – wegen gestiegener Lebensmittelpreise, mehr Energie- und Heizölkosten sowie höhere Löhne für das Küchenpersonal. Sodexo hat für 2015 die nächste Preissteigerung angekündigt, so das Rathaus. Um wie viele Cent diesmal, ist noch unklar. Die Firma ist mit Abstand der größte Anbieter von Schulessen in Dresden und beliefert über die Hälfte aller kommunalen Schulen. Auch WoJo Gastro will die Preise erhöhen. Servito denkt ebenfalls darüber nach, auch wegen der Mindestlohn-Einführung für Küchenhilfen.

Wie viel Obst und Gemüse gegessen wird, hängt auch von den Eltern ab, sagt Suska Georg. Rein fleischlose Tage gibt es in den Sodexo-Kantinen zwar nicht. Unter den Wahlgerichten befinde sich aber immer ein vegetarisches. „Die Eltern tragen hier Verantwortung“, sagt Dresdens Elternsprecherin Annett Grundmann. „Die Küchen sind schon sehr bemüht, andere Richtungen einzuschlagen, zum Beispiel mit Themenessen zur Fußball-WM, wo südamerikanisch gekocht wird.“ Außerdem setzen sich Caterer wie Sodexo in Elternabende, um für eine ausgewogene Ernährung zu werben – nach dem Motto: Es muss nicht alles gegessen werden, was auf der Angebotstafel steht. Um beispielsweise eine Obstbar oder ein Salatbuffet aufzubauen, gebe es in den meisten Dresdner Kantinen keinen Platz, so Grundmann.

Die Möglichkeit, aus mehreren Gerichten zu wählen, gibt es in vielen Kitas nicht. „Das ist wichtig“, sagt André Kaube. Denn in den ersten drei Lebensjahren würde sich die Akzeptanz von Obst und Gemüse entscheiden. Die Wahllosigkeit auch an den Schulen durchzusetzen, hält Annett Grundmann für unmöglich. „Da würden sich die Eltern sehr eingeschränkt fühlen.“