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Spreeradweg plötzlich gesperrt

In der Nähe von Bautzen blockiert ein Privateigentümer wichtige Wege durch das Teichgebiet - mit weitreichenden Folgen für den Tourismus.

Kurz nachdem dieses Foto am Montagmittag entstand, ließ der Besitzer der Niederguriger Teiche diesen Teil des Spreeradwegs sperren. Für mindestens zwei Jahre soll die Route  jetzt über Quatitz und Großdubrau führen.
Kurz nachdem dieses Foto am Montagmittag entstand, ließ der Besitzer der Niederguriger Teiche diesen Teil des Spreeradwegs sperren. Für mindestens zwei Jahre soll die Route jetzt über Quatitz und Großdubrau führen. © SZ/Uwe Soeder

Malschwitz. Die Aufregung war vor dem Schaden da. Bereits am Freitag vergangener Woche wurden Meldungen aus den Malschwitzer Ortsteilen Niedergurig, Doberschütz, Pließkowitz und Briesing laut. Alle Schilder, die Besucher durch die verschlungenen Wege in den dortigen Teichen führen, hieß es da, würden derzeit abgebaut. Als Nächstes müsse die Gemeinde alle Bänke und Papierkörbe im Teichgebiet entfernen. Der private Eigentümer, der die Teiche vor etwa sechs Jahren erworben hat, plane Bauarbeiten auf einer wichtigen Verbindungsroute zwischen Malschwitz und Doberschütz.

Dort verlaufen zwei überregional bedeutsame Strecken: der Spreeradweg und der Themenweg Sorbische Impressionen. Außerdem führt der Seeadler-Rundweg über die rund zweieinhalb Kilometer lange Strecke.

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So weit zu den Gerüchten. Am Montagnachmittag schafft eine Radtour entlang der Teiche zwischen Niedergurig und Doberschütz Klarheit über die tatsächliche Lage vor Ort: Bänke und Papierkörbe sind nicht verschwunden. Auch Wegweiser und Informationstafeln sind noch vorhanden - mit Ausnahme jener offiziellen Beschilderungen, die Radfahrern und Wanderern die beiden Fernrouten anzeigen. Die ließ das Bautzener Landratsamt am Montag demontieren. Für mindestens zwei Jahre soll die Route jetzt über Quatitz und Großdubrau führen.

Die markanteste Veränderung aber: Aus Doberschütz kommend, ist allein der kürzlich neu benannte Horst-Zähr-Weg in Richtung Niedergurig noch begehbar. Den Weg nach rechts gen Malschwitz versperren seit Montagnachmittag zwei rot-weiße Sperrzäune.

Am Montagnachmittag wurden Sperrzäune an verschiedenen Stellen in den Teichen bei Niedergurig aufgestellt. Sie machen den Spreeradweg auf reichlich zwei Kilometern Länge unpassierbar.
Am Montagnachmittag wurden Sperrzäune an verschiedenen Stellen in den Teichen bei Niedergurig aufgestellt. Sie machen den Spreeradweg auf reichlich zwei Kilometern Länge unpassierbar. © SZ/Franziska Springer

Gleiches gilt, nähert man sich dem Weg von Malschwitzer Seite aus. Mit dem Hinweis auf Bauarbeiten wird dort die Durchfahrt untersagt. Den Zugang zu einem Schleichweg gleich hinter Doberschütz versperrt ein frisch gefällter Baum. Grellgelb wurde der Stamm markiert, wo der Baum den Weg blockiert. Rot prangt Schrift darauf: "Forstbetrieb Marienberg-Gelobtland" ist dort zu lesen.

"Das ist der Stempel von Karsten Bergner", sagt Tino Gregor aus Niedergurig. Er begleitet als Ortskundiger den Ausflug auf dem Rad. Karsten Bergner ist im Auftrag des Teichbesitzers Gert Heutelbeck für die Forstflächen im Teichgebiet zuständig. Mehrmalige Anrufe von Sächsische.de drückte er am Dienstag und Mittwoch weg oder ignorierte sie.

Ein frisch gefällter Baum versperrt per Signalfarbe einen Schleichweg gleich hinter Doberschütz.
Ein frisch gefällter Baum versperrt per Signalfarbe einen Schleichweg gleich hinter Doberschütz. © SZ/Franziska Springer

Das Verhältnis von Anwohnern und Eigentümer ist seit jeher angespannt. Qua Gestattungsvertrag duldet Heutelbeck den Rad- und Wandertourismus in den Teichen. Seit Juni ist die Umwidmung bedeutender Wege im Teichgebiet in vollem Gange. Auch für den Abschnitt vorbei an den nummerierten Teichen drei und vier und zwischen Teich eins und zwei hindurch hat der Gemeinderat die Umwidmung vorgesehen. Die öffentliche Begehbarkeit der Wege soll so dauerhaft gesichert werden.

Genau diesen Abschnitt des Spreeradwegs ließ der Teichbesitzer jetzt aber sperren. Auch gegen die Umwidmung der Wege hat er Widerspruch eingelegt, bestätigt der Malschwitzer Hauptamtsleiter Dirk Förster.

Damit aber lässt sich die plötzliche Sperrung der Wege nicht erklären. Grund für das Durchgangsverbot und die daraufhin erfolgte Umverlegung der Rad- und Wanderwege nach Quatitz und Großdubrau seien zweijährige Baumaßnahmen in dem Gebiet, heißt es in einer Pressemitteilung des Bautzener Landratsamtes vom Dienstag. Was genau da gebaut werden soll, wissen allerdings weder die Fachbeamten im Kreis, noch kann der Malschwitz Bürgermeister Matthias Seidel (CDU), der sich extra aus dem Urlaub meldet, diese Frage beantworten.

Kreis prüft dauerhafte Umverlegung

Doch damit nicht genug. In der Pressemitteilung des Landratsamtes steht ein letzter Satz voll Sprengkraft: "Da es in der Vergangenheit bereits mehrfach Probleme in dem Bereich gab, wird eine dauerhafte Umverlegung der Route geprüft", ist dort zu lesen, bezogen auf den Spreeradweg. Auf Nachfrage hin wird Henriette Schindler vom Bautzener Landratsamt konkreter. In der Vergangenheit, schreibt sie, sei die fehlende Widmung der Wege im Gebiet der Niederguriger Teiche bereits zum Problem geworden. Ein Rückverlegung des Spreeradweges werde es daher nur geben, wenn nach der zweijährigen Bauphase die Nutzungsrechte geklärt seien.

"Man kann doch nicht das grüne Herz Niedergurigs abschalten", sagt Anwohner Tino Gregor und fasst damit zusammen, welchen Schlag diese Nachricht für die Altgemeinde bedeutet, die sich als Tor in die Heide- und Teichlandschaft seit Jahren um die Aufnahme ins Biosphärenreservat bemüht. Aber auch Jan Peper, der in der Biosphärenreservatsverwaltung das Referatr für Gebietsentwicklung und Naturschutz leitet, kann an der privatrechtlichen Entscheidung des Teichbesitzers nicht rütteln. Eine tröstende Nachricht hat er für die Niederguriger aber doch: "Wenn die Bevölkerung an einem Strang zieht, dann können wir in den kommenden drei Jahren das Biosphärenreservat um die gesamte Spreeniederung erweitern. Dazu zählen auch die Teiche in Niedergurig."

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