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Wege verwüstet, Schlamm im Bad

Nach der Sturzflut zeigt sich von Radebeul bis Moritzburg, was alles zerstört wurde. Freitag drohen weitere Gewitter.

Der Rieselgrundweg in Radebeul war bis Sonntag ein normaler Wanderweg. Jetzt ist er nicht mehr begehbar und musste er gesperrt werden.
Der Rieselgrundweg in Radebeul war bis Sonntag ein normaler Wanderweg. Jetzt ist er nicht mehr begehbar und musste er gesperrt werden. © Norbert Millauer

Region Radebeul. Wird es diesen Donnerstag oder Freitag noch mal so heftig vom Himmel schütten? Viele sehnen das Wasser herbei. Doch einen Streifen von Moritzburg über Wahnsdorf bis runter nach Radebeul haben die Regenmassen, die anderswo im Kreis nur als Landregen friedlich niederkamen, am Montag schwer getroffen.

Radebeuls Oberbürgermeister Bert Wendsche (parteilos) ist am Dienstagvormittag mit Baufachleuten die Strecke im und beidseits des Lößnitzgrundes abgegangen. Am schwersten hat es den Rieselgrund getroffen. 

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Über den beliebten Wanderweg zwischen Spitzhaus, Bismarckturm und der Schmalspurbahnstrecke muss ganz Wahnsdorf ausgelaufen sein. Anwohner hatten am Dienstag gesehen, wie die Felder eine einzige Seenlandschaft waren. Über 70 Liter sind auf den Quadratmeter in nur einer Stunde geregnet.

Die Auswirkungen: Zentnerschwere Felssteine und Asphaltplatten hat es wie Kieselsteine den Grund heruntergerissen. Auf halber Höhe des Rieselgrundes haben Radebeuls Altvorderen in kluger Voraussicht einen Auffangteich angelegt. Der ist jetzt voller Geröll und nicht mehr funktionsfähig. Die Grundstückszufahrt für eine Familie, die hier ihr Haus hat, gibt es praktisch nicht mehr.

Radebeuls Oberbürgermeister Bert Wendsche zeigt das Abflussrohr im Rieselgrund Richtung Lößnitzgrund. Es müsste dringend größer dimensioniert werden.
Radebeuls Oberbürgermeister Bert Wendsche zeigt das Abflussrohr im Rieselgrund Richtung Lößnitzgrund. Es müsste dringend größer dimensioniert werden. © Norbert Millauer

Wendsche: „Die vorhandenen Drainagerohre waren völlig von den Wassermassen überfordert. Hier müssen wir mit den Umweltbehörden sprechen, um größere Rohre einbauen zu können.“ Im Landschaftsschutzgebiet müsse so etwas immer genehmigt werden. „Aber hier sollten Umweltschutz und Hochwasserschutz zusammengehen. Sonst erleben wir diese Zerstörung immer wieder“, so der Oberbürgermeister.

In drei Schritten soll der Rieselgrund wieder hergestellt werden. Zuerst die Befahrbarkeit zum Grundstück der Anwohner - beräumen und mit Schotter ausbessern. In einem zweiten Schritt bis Frühjahr 2021 soll er grundsätzlich instand gesetzt werden. Mit Reparieren der Abflussrinnen, breiterer Drainage und einer durchgehenden Schwarzdecke obendrauf.

Für das am meisten zerstörte Stück vor Wahnsdorf soll ein richtiger Plan her. Da müsse der Naturschutz einbezogen werden, sagt Wendsche. Vorerst alles und dann bis Jahresende zumindest der obere Teil des Rieselgrundwegs bleiben gesperrt.

Erwischt hat es auch das Gelände an der Meierei. Dort wird die Einfahrt wieder hergestellt. Später soll dort Schwarzdecke drauf, damit der Sand nicht immer wieder ausgespült wird. Der Meiereiwanderweg soll bald wieder begehbar sein.

Das Wellenbecken im Bilzbad ist voller Schlamm. Frank Kollasch (rechts) und Dominique Hempel vom Radebeuler Sportstättenbetrieb Sbf räumen auf.
Das Wellenbecken im Bilzbad ist voller Schlamm. Frank Kollasch (rechts) und Dominique Hempel vom Radebeuler Sportstättenbetrieb Sbf räumen auf. © Peter Redlich

Getroffen wurde auch das Bilzbad. Derzeit kann nur das kleinere untere Inselbecken zum Baden genutzt werden. Ins obere, das Wellenbecken, hat sich eine Schlammlawine ergossen. Mitarbeiter des Radebeuler Sportstättenbetriebs Sbf waren am Dienstag beim Ausschaufeln und Auskärchern. Bis zum Wochenende, so sagt die stellvertretende Baldleiterin Evelyn Marquardt, soll das Wasser wieder drin und dort Schwimmen möglich sein.

Auch bei einigen Badpächtern, die das Wasser erwischt hat, müsse aufgeräumt werden. Die Treppe neben dem technischen Gebäude im Bilzbad haben die Sturzbäche komplett weggespült. „Aber dort müssen keine Badgäste entlang“, so Evelyn Marquardt.

Die Schneise des drastischen Montagregens hat genau zwischen den Weinlagen Am Goldenen Wagen und westlich des Lößnitzgrunds dreingeschlagen. Dabei wurde auch der gerade angelegte Fußweg zwischen Meierei und Bilzbad stellenweise so zerstört, dass Pflaster herausgerissen ist. Auch neben neu aufgestellten Laternenmasten. „Das Pflaster wird neu verlegt“, sagt OB Wendsche.

Die Schäden am Eggersweg, unterhalb des Bismarckturms, sollen in den nächsten Wochen repariert werden. Dieser Weg, als Abschnitt des Sächsischen Weinwanderwegs, werde für die Touristen gebraucht.

Die Rebhänge von den Wackerbarth-Winzern haben auch etwas abbekommen. Der Hagelstreifen verlief von der Premiumlage „Paradies“ bis einschließlich zur Winzerstraße in Radebeul. Die Parzellen von Schloss Wackerbarth im Goldenen Wagen wurden von dem Unwetter weitestgehend verschont. 

Auf etwa fünf Hektar weisen die Trauben in der Spitzenlage „Paradies“ Schäden auf, heißt es vom Staatsweingut. Welche Ernteausfälle durch den lokalen Hagel zu erwarten sind, lasse sich aktuell noch nicht sagen.

Aus dem gerade neu gepflasterten Fußweg am Meiereiweg in Radebeul haben die Regenmassen das Pflaster herausgerissen. Das soll schnell repariert werden.
Aus dem gerade neu gepflasterten Fußweg am Meiereiweg in Radebeul haben die Regenmassen das Pflaster herausgerissen. Das soll schnell repariert werden. © Peter Redlich

Oberhalb des Lößnitzgrundes, in der Gröbastraße ist zwischen 9 und 10 Uhr am Montag ein fast halbmeterhoher Fluss durchgeschossen. Die Stadt wird die Anwohner informieren, dass sie nach dem Aufräumen Sperrmüll auf die Straße stellen dürfen und dies extra abgeholt werde.

Wendsche sagte auch, dass die Abflussstrecke des Wassers im Lößnitzgrund und bis zum Weißen Roß auf Hindernisse kontrolliert werden soll. Ein Vogelzüchter hat dort Netze gespannt, damit seine Nandus nicht flüchten können. Doch genau da fingen sich Äste, die das Wasser des Lößnitzbachs mit anstauten.

Einer der Nachbarn ist Jens Seidel, Wirt der Lößnitztalschänke. Bei ihm fließt der Lößnitzbach durchs Grundstück. Im Keller stand das Wasser. „Die ganze Familie hat bis zum Abend geschöpft, gewischt und aufgeräumt“, sagt er.

Weiter oben in Moritzburg hatten die Mitarbeiter der Bad Sonnenland GmbH am Graben am Schlossparkplatz zu kämpfen. Detlef Heinrich, Bereichsleiter und Prokurist: „Das Wasser konnte von den Rohren, die über einen weiteren Graben schließlich bis in den Schlossteich fließen, nicht mehr bewältigt werden. Der Parkplatz war verdreckt. Bis in die Nacht zum Dienstag wurde dort zur Sicherheit leergepumpt. Der Schlossparkplatz ist komplett nutzbar.

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