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Wegen Corona auf die Straße gesetzt

Stefan Horvath ist als "Friedenswanderer" immer unterwegs, auch in Dresden. Wegen Corona bekam er plötzlich keinen Schlafplatz mehr.

Stefan Horvath ist selbsternannter Weltfriedenswanderer und in ganz Europa unterwegs.
Stefan Horvath ist selbsternannter Weltfriedenswanderer und in ganz Europa unterwegs. © SZ/Angelina Sortino

Dresden. Seit mehreren Jahrzehnten ist Stefan Horvath bereits auf Wanderschaft. 1989 ist der Österreicher losgelaufen. 42.000 Kilometer später macht er einen kurzen Halt in Dresden. "Morgen bin ich schon wieder weg, aber ich wollte einfach kurz in Dresden vorbeischauen, nachdem ich es im Februar nicht geschafft habe", erklärt er. 

Der 61-Jährige setzt sich auf seinem Weg durch ganz Europa immer da ein, wo es aus seiner Sicht nötig ist. So hat er seit Jahren wieder und wieder in Dresden gegen Rechts demonstriert. Aber auch in vielen anderen Städten ist er für all das auf die Straße gegangen, was sich gegen Rechts und für ein friedliches Miteinander einsetzt. Er selbst bezeichnet sich als "Weltfriedenswanderer" und hat Unterstützer in vielen Städten, im ganzen Land. Diese Sponsoren bezahlen für seine Unterkünfte. "Meistens schlafe ich in Jugendherbergen und im Hostel." 

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"Ich stand dann erstmal auf der Straße"

Einen festen Wohnsitz hat Horvath nicht. Schließlich ist er das ganze Jahr über unterwegs. Genau das wurde aber zum Problem, als alle Hotels und Unterkünfte auf Grund der Corona-Pandemie geschlossen wurden. Im März setze ihn sein Stammhotel in Berlin einfach vor die Tür. Das hat den Wanderer schockiert. "Ich stand dann erstmal auf der Straße und konnte nirgendwo hin." 

Eine verzwickte Situation für Horvath. "Ich habe dann einen befreundeten Geschäftsmann angerufen. Der hatte ein Zimmer für mich." Dennoch kam der selbsternannte Weltfriedenswanderer nur schwer mit dem Lockdown zurecht. "Ich kam mir vor, als wäre ich wieder im Krieg." Diesen hatte er als Helfer im Bosnien der Neunziger selbst miterlebt. Gerade für Hamsterkäufe zeigt der 61-Jährige kein Verständnis. "Was wollen die Leute bloß mit so viel Klopapier?" 

Als nächstes will er ein Buch schreiben

Dass man ihm, der sich jahrelang für das Gute eingesetzt hat, nicht helfen wollte, stößt  Horvath auch heute noch bitter auf. "Ich habe geholfen, Essen zu verteilen, Sandsäcke geschleppt und meine Friedensbotschaft verbreitet. Aber trotzdem hat man mich einfach vor die Tür gesetzt. Niemand hat sich für mich interessiert." Acht Wochen konnte Horvath nicht auf die Straße gehen, nicht wandern und seine Botschaft nicht verbreiten. "Ich kann leider kein Homeoffice machen. Deshalb hatte ich Sorge, dass ich mich bald nicht mehr Weltfriedenswanderer nennen kann." 

Nun möchte er zeitnah nach Österreich und in die Schweiz, um ein Buch über seine Erlebnisse zu schreiben. Schließlich hat er in all den Jahren auf Wanderschaft eine Menge erlebt. 

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