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Wegen Corona auf Bali gestrandet

Nach einem Dschungelurlaub wurde vor allem die Rückreise für Doreen Boden und Renee Läßig aus Waldheim abenteuerlich.

Nach ihren Aufenthalten in der Wildnis entspannten Doreen Boden und Renee Läßig noch am balinesischen Strand. Aufgrund der Corona-Krise und der abgesagten Rückflüge sogar einige Tage länger als ihnen lieb war. Fotos (alle): privat
Nach ihren Aufenthalten in der Wildnis entspannten Doreen Boden und Renee Läßig noch am balinesischen Strand. Aufgrund der Corona-Krise und der abgesagten Rückflüge sogar einige Tage länger als ihnen lieb war. Fotos (alle): privat © privat

Waldheim. Urlaub in Corona-Zeiten. Als das Waldheimer Ehepaar Doreen Boden und Renee Läßig zum Abenteuerurlaub nach Südostasien aufbrach, war die Welt noch in Ordnung. Keine Reisewarnung, keine Ausgangsbeschränkung. Abenteuerlich wurde dann vor allem die Heimreise, wobei die Mittelsachsen nach ihrer Ankunft auf den Frankfurter Flughafen zu Zeiten der Pandemie von der Sorglosigkeit in Deutschland erschüttert waren.

Für die Waldheimer Doreen Boden und Renee Läßig ist der Urlaub die schönste Zeit des Jahres. Vor allem exotische Ziele mit außergewöhnlicher Planzen- und Tierwelt steuern sie dann an. Für März hatte sich das Ehepaar Sumatra und den Komodo-Nationalpark sowie Bali als Ziele ausgesucht. „Da wir exotische Tiere mögen und die Wildnis immer weniger wird, unternehmen wir gern solche Reisen“, sagt Renee Läßig. Allerdings hatten er und seine Frau da nicht die Corona-Krise auf der Rechnung.

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Beim Hinflug Anfang März gab es noch keine Bedenken, in den Dschungel oder überhaupt zu reisen. „Auf den Flughäfen wurden die Hände desinfiziert. Wir hatten unser eigenes Mittel dabei“, sagt Renee Läßig.

Eine tolle Begegnung im Dschungel: Renee Läßig trifft einen Orang-Utan.
Eine tolle Begegnung im Dschungel: Renee Läßig trifft einen Orang-Utan. © privat

Trekkingtour durch den Dschungel

Auch die ersten Tage vor Ort gestalteten sich traumhaft. Läßigs hatten auf Sumatra einen Trekking-Aufenthalt gebucht. Unter abenteuerlichen Bedingungen wurde mehrere Tage durch den Dschungel gewandert. „Es war anstrengend und sehr spartanisch“, erzählt Läßig und fügt an: „Es ging über Berge, die teilweise 500 Meter hoch waren, über Stock und Stein. Gelinde ausgedrückt ist das aber noch untertrieben. Nach einer Stunde waren wir klatschnass.“ 

Entschädigt wurde das Ehepaar von der einmaligen Pflanzen- und Tierwelt. So sahen Doreen Boden und Renee Läßig Orang-Utans in nächster Nähe. Ausgewilderte ebenso wie in Freiheit geborene. „Da mussten wir schon mal weglaufen“, erzählt der Waldheimer. „Aber das hat uns der Guide dann schon klargemacht.“ In dieser Zeit – mitten in der Wildnis – bekamen die beiden Sachsen nichts davon mit, was in der Heimat gerade passiert.

„Das hat uns auch überhaupt nicht gefehlt“, sagt Renee Lässig. Auch als es im Anschluss mit einem sechsstündigen Flug noch in den Komodo-Nationalpark ging, waren die Läßigs guter Dinge, nach ihrem Urlaub problemlos nach Hause fliegen zu können. „Dort sind wir mit einem Boot von Insel zu Insel gefahren und haben uns alles angeschaut. Unter anderem Komodo-Warane oder beim Schnorcheln Mantas und Schildkröten“, sagt Läßig. Folgen sollten noch ein paar Tage auf Bali, um von den Strapazen der Wildnis zu entspannen.

Hilfe vom Auswärtigen Amt

Alles lief nach Reiseplanung. Doch bereits einen Tag nach dem Einchecken im Hotel folgte die Stornierung des Heimflugs mit Singapur Airlines. „Die waren die Ersten, die die Flüge gestrichen haben“, erklärt Doreen Boden. Für Panik hat das nicht gesorgt. Boden und Läßig wandten sich ans Auswärtige Amt, wo sie Hinweise bekamen, sich in die Krisenliste für deutsche Urlauber im Ausland einzutragen. „Wir haben umgehend neu gebucht. Es gab da noch Flüge und die waren auch noch bezahlbar. Diesmal sollte es über Bangkok gehen“, sagt Renee Läßig. 

Die Zeit bis dahin genossen die Waldheimer. Allerdings kürzte das Hotel unterdessen seinen Service, da keine neuen Gäste mehr anreisen konnten. Der positive Aspekt dabei: eine bessere Unterkunft. „Negativ war eigentlich gar nichts. Das Frühstück wurde sogar aufs Zimmer geliefert“, so Doreen Boden.

Richtig spannend wurde es dann, als sich das Ehepaar proforma in das Rückholprogramm des Auswärtigen Amtes eintragen musste. „Diese Registrierung musste dann täglich erneuert werden“, sagt Renee Läßig. Der geforderte Gesundheits-Check für den Zubringerflug nach Bangkok war für jeweils knapp 50 Euro in einer Klinik bereits durchgeführt worden. Mit der Heimreise schien alles nach Plan zu laufen. „Doch nach der Rückkehr ins Hotel folgte das böse Erwachen“, sagt Doreen Boden. Als ihr Ehemann seine E-Mails abrief, war der gebuchte Flug von Bali nach Bangkok gestrichen.

Flug gestrichen – und nichts geht mehr

Da auf der Insel aufgrund des balinesischen Neujahrsfestes nichts mehr passierte, war auch kein anderer Flug verfügbar. Damit hatten die Zschopaustädter keine Chance, ihren Anschluss zu erreichen und saßen auf Bali fest. „Wir schauten im Internet nach Flügen. Doch wenn man 3.000 Euro für einen Flug, der 48 Stunden geht, ohne Garantie, dass man ankommt, bezahlen soll, dann machst du dir so deine Gedanken“, sagt Renee Läßig und fügt an: „Wir waren die einzigen zwei verbliebenen Gäste im Hotel und haben abgewartet, wie sich das Rückholprogramm entwickelt.“

Letztendlich war das die richtige Entscheidung, denn zwei Tage später waren Rückholflüge in von der Bundesregierung gecharterten Condor-Maschinen buchbar.

Pflicht vor dem Zubringerflug nach Bangkok: Renee Läßig wird untersucht.
Pflicht vor dem Zubringerflug nach Bangkok: Renee Läßig wird untersucht. © privat

„Es ging generalstabsmäßig vonstatten. Auf dem Flugplatz hing eine große deutsche Fahne. Jeder wusste sofort, wohin er musste“, sagt Renee Lässig. „Wir haben unterschrieben, die Flüge zu bezahlen und Instruktionen für die Einreise nach Deutschland bekommen.“ Unter anderem, dass sich Doreen Boden und Renee Läßig umgehend in freiwillige, häusliche Quarantäne begeben, weil sie auf mehreren internationalen Flughäfen unterwegs waren. „Erleichtert waren wir schon, wieder hier zu sein. Aber eigentlich sind wir aus einem Gebiet, in dem es kein Corona gab, ins Krisengebiet geflogen“, sagt Renee Läßig und fügt an: „Es hat wirklich alles super geklappt, die Organisation vom Auswärtigen Amt war perfekt.“

Geschockt wegen fehlender Vorsichtsmaßnahmen

Erschüttert zeigte sich das Waldheimer Ehepaar darüber, dass es bei der Ankunft in Deutschland überhaupt keine Vorsichtsmaßnahmen gab. Während auf den ausländischen Flughäfen in Asien, bereits bei der Hinreise, bei jedem Fluggast Fieber gemessen wurde, durfte in Frankfurt jeder seiner Wege gehen. „Hier ist da nichts passiert“, ärgert sich Läßig. 

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In der Quarantäne haben die Waldheimer nun Zeit, sich über die Rückerstattung der Kosten von rund 3.000 Euro für die ausgefallenen Flüge zu kümmern. „Eigentlich steht uns das ja zu. Aber wir wollen erst später nachfragen, denn auch die Fluggesellschaften werden jetzt andere Probleme haben“, sagt Renee Läßig. Er und seine Frau erwarten, dass die großen Reisen in naher Zukunft vorerst nicht mehr möglich sein werden. „Erst mal muss hier das normale Leben wieder losgehen.“

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