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Wegen IPO: Kirche besorgt um letzte Ruhe der Pirnaer

Die Stadt braucht Arbeitsplätze, aber nicht um jeden Preis. Pirnas evangelische Kirche gibt den IPO- Planern einiges mit auf den Weg.

Auf heute mehrheitlich landwirtschaftlich genutzten Flächen am Pirnaer Autobahnzubringer soll ein Industriegebiet entstehen.
Auf heute mehrheitlich landwirtschaftlich genutzten Flächen am Pirnaer Autobahnzubringer soll ein Industriegebiet entstehen. © Daniel Förster

Wer hier bestattet ist, hat wirklich Ruhe: Pirnas Friedhof ist ein sieben Hektar großes Naturgebiet mit Parkcharakter, Waldbestand, Alleen. Hier wachsen seltene Pflanzen, sind bedrohte Vogelarten heimisch, Besucher suchen Ruhe in schwierigen Lebenssituationen. Die Dippoldiswalder Straße, an der sich der Friedhof befindet, führt nach Heidenau-Großsedlitz und ist wenig frequentiert. Was aber, wenn 500 Meter weiter der geplante, 140 Hektar große Industriepark Oberelbe (IPO) entsteht? Pirnas evangelische Kirchgemeinde ist in Sorge. Das macht der Kirchenvorstand jetzt in einer Stellungnahme an die IPO-Planer deutlich.

Der Zweckverband Industriepark Oberelbe, zu dem Pirna, Heidenau und Dohna gehören, hatte Mitte Dezember Behörden, Verbände und Institutionen aufgefordert, ein erstes Mal schriftlich zu dem Vorhaben Stellung zu nehmen. Die sogenannten Träger öffentlicher Belange sollen bis Ende Januar darlegen, welches Konfliktpotenzial sie beim IPO im Hinblick auf die Umwelt sehen. Diese Stellungnahmen sollen in die Umweltprüfung Eingang finden, die für den Industriepark notwendig ist.

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Kirche: Sinnvolle Alternative zum IPO suchen

Pirnas evangelische Kirchgemeinde fordert die IPO-Planer auf, den Friedhof als schützenswerten Raum für Mensch und Natur anzuerkennen. Zum einen, so die Kirche, dürfe der Friedhof als Naturraum nicht beeinträchtigt werden. „Es ist sicherzustellen, dass der parkartige Charakter des Friedhofes Pirna erhalten bleibt“, heißt es in der Stellungnahme des Kirchenvorstands. Insbesondere dürften Wasserhaushalt, Kaltluftströme sowie die Vogelwelt nicht beeinträchtigt werden. Zum zweiten werden die IPO-Planer aufgefordert, eine Beeinträchtigung des Friedhofs durch Lärm und Verkehr auszuschließen. Besondere Sorgen macht dem Kirchenvorstand dabei die künftige Nutzung der Dippoldiswalder Straße. Diese dürfe nicht zur Erschließung des Industriegebiets genutzt werden. „Der Friedhof Pirna muss für seine Besucher ein Ort würdigen Gedenkens bleiben, und die Erholungsfunktion muss gewährleistet bleiben“, heißt es in der Stellungnahme. „Es ist daher zwingend zu vermeiden, dass für Errichtung und Betrieb des IPO auf der Dippoldiswalder Straße Durchgangsverkehr zugelassen wird.“

Der Kirchenvorstand denkt aber noch weiter. Denn in seinem Schreiben weist er auch auf die Pflicht zur Bewahrung der Schöpfung hin und fordert die Kommunen auf, andere Standorte für die Industrieansiedlung ins Auge zu fassen. „Boden ist nicht vermehrbar, Bodenverlust faktisch nicht ausgleichbar“, heißt es unter anderem. „Wir fordern eine realistische, sinnvolle und nachhaltige Alternative zu entwickeln und umzusetzen, die die gewerbliche Entwicklung der drei beteiligten Kommunen unter Nutzung bestehender Industriebrachen nachhaltig voranbringt.“

Landwirt: Dramatik des Flächenverbrauchs wird unterschätzt

Unterdessen werden die Planungen für den Industriepark konsequent weiter vorangetrieben. Auf dem Gelände am Autobahnzubringer haben jetzt Bodenuntersuchungen begonnen. Nach Auskunft der Stadtverwaltung Pirna führt eine vom IPO-Zweckverband beauftragte Firma auf verschiedenen Teilflächen Probebohrungen durch. So möchte man die genaue Zusammensetzung des Untergrundes ermitteln. Den ersten Ärger haben sich die Bohrleute Mitte der Woche schon eingehandelt.

„Plötzlich standen sie mit dem Bohrgerät auf meiner Pachtfläche“, sagt Landwirt Frank Schnutz, der am Feistenberg Felder bewirtschaftet. Eine Information oder vorherige Absprache mit ihm habe es dazu nicht gegeben. Er forderte die Firma auf, sein Feld umgehend zu verlassen. Nun soll es erst einmal einen Termin mit den IPO-Verantwortlichen geben, sagt Frank Schnutz auf SZ-Anfrage. Der Landwirt hält die Idee eines Industrieparks auf den Feldern am Autobahnzubringer für eine komplette Fehlplanung. „Hier soll landwirtschaftliche Nutzfläche in Größenordnungen verschwinden. Wenn die einmal weg ist, ist sie weg. Für immer“, sagt Schnutz. „Wie dramatisch das ist, will einfach keiner verstehen.“

Bürgerinitiative und Grüne: Drängende Probleme nicht gelöst

In der vergangenen Woche gab der Pirnaer Stadtrat zusätzliche 70 000 Euro Planungskosten frei, die unter anderem für das Erstellen eines 3D-Modells verwendet werden sollen. Das Geld soll allerdings nicht direkt aus der Stadtkasse, sondern aus dem Budget des Zweckverbandes fließen, der es über Fördermittel refinanzieren möchte. Der Stadtverband der Grünen in Pirna kritisiert dieses 3D-Modell als Augenwischerei. Das Modell, so die Grünen, löse kein einziges der gravierenden Probleme, die der IPO bringen werde, allen voran die Zerstörung von Frischluftschneisen und die Hochwassergefahren durch Flächenversiegelung.

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Auch die Bürgerinitiative Oberelbe, die Unterschriften für ein Bürgerbegehren zum Thema IPO sammelt, kritisiert die Zusatzkosten für ein 3D-Modell des Industriepark-Gebietes. Es seien derzeit weder Interessenten für die IPO-Grundstücke bekannt noch gebe es einen Bebauungsplan, sagt Daniel Szenes von der Bürgerinitiative. Daher sei völlig unklar, auf welcher Grundlage die Visualisierung erfolgen solle. „Die Visualisierung kann ihr Geld nur wert sein, wenn sie auf Basis eines B-Plan-Entwurfes vor dessen Satzungsbeschluss die dort beschriebenen maximalen Auswirkungen ehrlich und schonungslos darstellt. Alles andere ist unehrliche Propaganda“, sagt Szenes.

Sie wollen noch besser informiert sein? Schauen Sie doch mal auf www.sächsische.de/pirna und www.sächsische.de/sebnitz vorbei.

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