SZ + Löbau
Merken

Wegen Kohle: Siedlung gibt's nur 70 Jahre

Vor 100 Jahren wurde die Bergbausiedlung Neuberzdorf mit zehn Doppelhäusern gegründet.

Von Bernd Dreßler
 2 Min.
Teilen
Folgen
So sahen die ersten Häuser der Siedlung aus.
So sahen die ersten Häuser der Siedlung aus. © Verein Oberlausitzer Bergleute

Neuberzdorf – die Siedlung, die nur 70 Jahre existierte, verdankt ihr Entstehen und Vergehen der Braunkohle. Vor 100 Jahren wurde sie gegründet, als an der Flurgrenze zur damaligen Nachbargemeinde Schönau auf dem Eigen die "Siedlungsgesellschaft Bergmannsheim" entstand. Damals wurde der Tagebau Berzdorf erschlossen, folglich Wohnraum für die Beschäftigten gebraucht. Zunächst entstanden zehn Doppelhäuser mit 20 Wohnungen. Sie wurden zu 75 Prozent vom Bergwerk und zu 25 Prozent von den Bergarbeitern finanziert. Nach dem Zweiten Weltkrieg war Kohle mehr denn je gefragt. 

Der Aufschluss des Tagebaues begann 1946 neu, Arbeitskräfte wurden dringend benötigt. Um sie für den Bergbau zu gewinnen, entstanden ab 1950 Wohnungen, die an die Beschäftigung in der Braunkohle gebunden waren. Die ersten wurden in Neuberzdorf gebaut. Es waren Zwei-, Sechs- und Achtfamilienhäuser. Durch die Bodenreform kamen außerdem zwischen 1946 und 1950 sechs Neubauernhöfe hinzu. Da die LPG 1962 in Neuberzdorf eine große Rinderstallanlage errichtet hatte, wuchs die Siedlung 1965/1966 um drei Wohnblöcke mit 20 Wohnungen für Genossenschaftsbauern.

Als deren Mieter einzogen, ahnten sie nicht, dass ihr Zuhause nur reichlich 20 Jahre Bestand haben würde. Doch die Außenhalde des Tagebaus Berzdorf, die südlich des Schwarzen Berges aufgeschüttet war, wurde immer größer und brauchte weiteren Platz. So wurde Neuberzdorf 1989/90 dem Abraum geopfert. Über 150 Einwohner mussten umgesiedelt werden, Sie bekamen in der Schönauer Bergstraße in vier Doppelhäusern und zwei Wohnblöcken ein neues Zuhause. Für den damaligen Bürgermeister von Schönau-Berzdorf, Walfried Engmann, keine einfache Zeit. Als er 1963 ins Amt kam, war Berzdorf bereits im Griff der Abrissbagger für die Grubenerweiterung. Zeitgleich wurde in Neuberzdorf noch kräftig gebaut. 1990, am Ende seiner Amtszeit, musste auch dieser Ortsteil umgesiedelt werden.

Heute erinnert nur noch der Name der Berzdorfer Höhe an die Bergarbeitersiedlung, die vor 100 Jahren entstand.

Mehr Nachrichten aus Löbau und Umland lesen Sie hier.