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Wegen zwei, drei Leuten fährt kein Bus

Mit dem 14. September sind wieder einige Veränderungen im Fahrplan der Kraftverkehrsgesellschaft Dreiländereck mbH in Kraft getreten. Ausschlaggebend dafür ist vor allem die Unwirtschaftlichkeit einzelner Fahrten und Linien. Für Betroffene, wie zum Beispiel aus dem Herrnhuter Ortsteil Ruppersdorf, sind die Streichungen schon hart.

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Von Angelika Dornich

„Ich weiß noch gar nicht, wie ich jetzt zur Frühschicht komme und wieder zurück“, sagt Ursula Lange halb verzweifelt, halb entrüstet. Die Ruppersdorferin arbeitet in Großhennersdorf und ist bisher früh kurz nach halb sechs mit der Linie 460 nach Herrnhut gefahren und dort umgestiegen. Erschreckt stellte sie nun im Änderungsfahrplan fest, dass die Linie wochentags in die 61 integriert ist und die Frühfahrt ganz wegfällt. Auch zwei Auszubildende haben sich an der Haltestelle unterhalten, dass sie jetzt nicht mehr wissen, wie sie zum Berufsschulunterricht nach Zittau kommen. Und in der Gegenrichtung sind bisher Schüler kurz nach sechs Uhr bis nach Oderwitz gefahren und dort nach Zittau umgestiegen. Doch auch diese Fahrt gibt es jetzt nicht mehr.

Herrnhuts Bürgermeister Rainer Fischer ist empört. Die Linie 460 Herrnhut – Ruppersdorf – Oderwitz wurde 1998 eingerichtet, als der Schienenverkehr zwischen Oderwitz, Ruppersdorf, Herrnhut, Obercunnersdorf und Löbau eingestellt worden war. „Und wir hatten damals erreicht, dass der Bus nicht nur an der Kirche hält, sondern auch im Oberdorf am Wasserhäusel. Denn der Ortsteil ist fast sieben Kilometer lang“, erzählt er. Aber seit geraumer Zeit wird diese Haltestelle nicht mehr bedient. Das trifft vor allem die älteren Ruppersdorfer, die zum Arzt oder auf den Markt nach Herrnhut fahren. Auf eine schriftliche Anfrage im August an die KVG, ob die Haltestelle Wasserhäusel nicht doch wieder aufgenommen werden könnte, hat Fischer bis jetzt noch keine Antwort.

Nun bringt die mittlerweile dritte Änderung zum Taschenfahrplan wieder Einschränkungen, und dazu sehr kurzfristig angekündigt. „Der Ortsteil wird mehr und mehr vom öffentlichen Verkehr abgeschnitten“, sagt Fischer. Er sehe ja ein, dass alles eine Frage des Geldes sei. Aber man könne doch im Vorfeld von Streichungen gemeinsam nach Lösungen suchen.

Die Fahrplanänderungen basieren auf Analysen, Zählungen, geänderten Schulstrukturen und Fahrgastzuschriften, erklärt KVG-Geschäftsführerin Ursula Küchler. „Ich muss einfach Verständnis erwarten, dass sich das Fahrtenangebot am Bedarf orientiert.“ Der Personennahverkehr lebt von Steuergeldern. Wegen zwei, drei Leuten könne man aus wirtschaftlichen Gründen einfach keinen Bus mehr einsetzen. So musste zum Beispiel die Linie 44 Ostritz – Hagenwerder – Ostritz gestrichen werden. „Dennoch sind wir bemüht, die Verkehrsbedienung ständig weiter zu entwickeln“, sagt Küchler. Eventuell auch mit Rufbussen. Das geht aber auf Grund des komplexen Fahrplangebildes nicht einfach auf Zuruf. Schwachstellen müssten schriftlich mitgeteilt werden und bedürften einer gründlichen Prüfung. Der nächste große Fahrplanwechsel steht am 14. Dezember an.