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Meißen

Wegzug der Akademie erst 2021

Der Beschluss der Landeskirche steht, wie er konkret umgesetzt werden soll, muss noch entschieden werden.

Heiko Franke, amtierender Akademiedirektor: „Dass das Haus leer steht, ist meine Sorge nicht.“
Heiko Franke, amtierender Akademiedirektor: „Dass das Haus leer steht, ist meine Sorge nicht.“ © Claudia Hübschmann

Meißen. In diesem Jahr feiert die Evangelische Akademie Meißen ihr 70-jähriges Gründungsjubiläum. Es hätte – weiß Gott – ein schöneres Geburtstagsgeschenk als die Nachricht von ihrem Wegzug nach Dresden geben können. „Man braucht nicht drum herum zu reden: Für viele, die seit Jahrzehnten nach Meißen kommen, um Veranstaltungen der Akademie zu besuchen, ist es eine traurige Nachricht und für viele Mitarbeiter auch“, sagt der amtierende Direktor Heiko Franke.

In einer Mail an die SZ von Olivier Elmer aus Ladenburg, im Rhein-Neckar-Kreis in Baden-Württemberg, liest sich das so: „Die Kirche spart, weil sie Mitglieder verliert. Doch der jetzt vorgelegte Plan ist eine Milchmädchenrechnung: Die Evangelische Akademie nach Dresden ins Haus der Kirche zu verlagern, wird die Kirche noch mehr von der Gesellschaft entfremden und deshalb weiter Mitglieder kosten.“

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Mehr noch: „Es ist bezeichnend, dass die Kirche den attraktiven Klosterhof in Meißen stattdessen künftig für innerkirchliche Aus- und Fortbildung nutzen will – die evangelische Kirche mauert sich ein.“ Davon will Heiko Franke nichts wissen. Zwar werden am ansässigen Pastoralkolleg weiter Pfarrer weitergebildet, kommt die Weiterbildung der Vikare, der künftigen Pfarrer, aus Leipzig hinzu und werden weiter ehrenamtlich tätige Kirchenmitglieder ausgebildet.

Aber auch die Akademie werde weiter Veranstaltungen in Meißen anbieten. Auch nach 2021 – und bis dahin sind die Planungen der Akademie ohnehin auf Meißen konzentriert. Erst danach komme wohl der Umzug nach Dresden ins Haus der Kirche in den Blick.

Bislang sind nur die groben Linien klar. Fest steht, dass die Landeskirche Bildungseinrichtungen wie die Meißner Akademie in den Städten konzentrieren will, weil sie sich so eine größere Ausstrahlung in der Breite des Landes erhofft. So seien Akademiebüros in Leipzig und Chemnitz denkbar und auch Freiberg könnte mehr Akademieveranstaltungen haben. 

„Durch den Umzug der Akademie wird ein direkterer Zugang zur bildungsinteressierten Bevölkerung in den Ballungsgebieten eröffnet“, erklärte etwa Margrit Klatte, die Personalreferentin im Landeskirchenamt. Fest steht, dass die Konzentration von Einrichtungen mit dem Mitgliederschwund und den damit schrumpfenden finanziellen Möglichkeiten der Landeskirche zu tun hat – da hat Olivier Elmer aus Ladenburg recht. 

Was Meißen betrifft, so gibt es ein klares Ziel: „Am Ende des Prozesses werden Mittel und Stellen eingespart“, so Heiko Franke. Was letztgenannte betrifft, so werden nicht die Stellen in Hauswirtschaft, Küche und an der Rezeption betroffen sein. Denn dass es künftig weniger Publikumsverkehr im Klosterhof auf dem Burgberg geben wird, glaubt der amtierende Akademiedirektor nicht. Es wird nur ein anderes Publikum sein. „Dass das Haus leer steht, ist meine Sorge nicht.“

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