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Pirna

Wehlen verliert seinen Hausarzt

Thomas Heißner schließt seine Praxis nach 13 Jahren. Patienten sollen jetzt nach Lohmen ausweichen – per Shuttlebus.

Hier gibt es künftig keine Arztpraxis mehr.
Hier gibt es künftig keine Arztpraxis mehr. © Dirk Zschiedrich

Nachdem in Stadt Wehlen bereits der Lebensmittelladen im letzten Jahr geschlossen hatte, wird nun auch der letzte ansässige Arzt die kleine Kommune an der Elbe verlassen. „Es tut mir sehr leid für meine Patienten, doch am 1. Juli werde ich die Zweigstelle an der Pirnaer Straße 101 schließen“, sagt Hausarzt Thomas Heißner.

Gründe für den Entschluss gäbe es viele: „Zum einen ist es für uns nicht wirtschaftlich, bei nur 300 bis 400 Patienten. Zum anderen haben wir seit zwei Jahren Personalprobleme. Vor allem Reinigungskräfte fehlen uns. Seit etwa acht Monaten finden wir keine Putzfrau“, erklärt der Allgemeinmediziner. Das letzte Angebot, welches er erhalten hatte, lag bei einem Stundenlohn von 4 000 Euro. Begründet wurde die hohe Summe mit der langen Anfahrt nach Stadt Wehlen. „Das kommt schon einem Arztgehalt gleich“, sagt Thomas Heißner.

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Auch die neue, durch die gesetzlichen Krankenkassen vorgeschriebene Telematikinfrastruktur (TI) lässt sich nach Aussage Heißners für Stadt Wehlen nicht umsetzten. Die sogenannte TI soll alle Beteiligten im Gesundheitswesen wie Ärzte, Psychotherapeuten, Krankenhäuser, Apotheken und Krankenkassen miteinander vernetzen. Die Online-Kommunikation sowie elektronische Arztbriefe oder Telekonsile sollen künftig nur noch über diese TI laufen. „Wir haben außerdem zunehmend ältere Patienten, die wir nur noch durch Hausbesuche betreuen können“, sagt der Mediziner. Die jungen Leute würden sich dagegen ihre Ärzte in der Nähe ihrer Arbeitsplätze suchen. „Sie kommen nicht mehr zu mir“, erzählt er.

Thomas Heißner hat seine Hauptpraxis in Lohmen, direkt am Schloss. Dort möchte er künftig auch seine Wehlener Patienten empfangen. Doch dafür müssten die meist älteren Patienten erst einmal von Stadt Wehlen nach Lohmen fahren. Viele seien jedoch nicht mobil. Um dieses Problem zu lösen hat sich nun Wehlens Bürgermeister Klaus Tittel (CDU) eingeschaltet. Er hat Unterstützung angeboten. Tittel hätte bereits Kontakte zu kleinen Gemeinden in Sachsen-Anhalt und Brandenburg geknüpft, die ähnliche Probleme haben. „So überlegen wir, einen Shuttlebus zu organisieren, der morgens mit Patienten und Einwohnern nach Lohmen fährt“, erzählt der Ratschef. 

So könnten die einen den Arzt besuchen und die anderen Lebensmittel einkaufen. Danach würde sie der Bus wieder zurück nach Wehlen fahren. Klaus Tittel hat die Idee mit dem Busshuttle in das Wahlprogramm der örtlichen CDU aufgenommen. Er hofft, für seine Idee auf wenig Bürokratie zu stoßen oder eine geförderte Arbeitsstelle für den Busfahrer nutzen zu können. Auch Sponsoren steht er offen gegenüber. „Hauptsache, unsere Wehlener Bürger können wieder zum Arzt gehen und ihre Einkäufe erledigen“, sagt Klaus Tittel.

Hausarzt Thomas Heißner hofft diesbezüglich auch, dass die Fährzeiten für die rund 200 Bewohner Pötzschas an die Busfahrzeiten angepasst werden können. „Dann wird es für die Patienten der anderen Elbseite einfacher, zu mir in die Praxis zu kommen. Ich werde die Termine dann so legen, dass niemand länger als 30 Minuten warten muss“, kündigt der Arzt an.

Sie wollen noch besser informiert sein? Schauen Sie doch mal auf www.sächsische.de/pirna und www.sächsische.de/sebnitz vorbei.

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