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Wehrsdorfer Waldbad droht das Aus

Wegen des Mindestlohns kann der Badverein die Angestellten nicht mehr bezahlen. Er sieht nur eine Lösung für das Problem.

Von Katja Schäfer

Die gesunde Drittelstunde

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Wehrsdorf. Die Zukunft vom Wehrsdorfer Waldbad steht auf der Kippe – zum zweiten Mal. Vor 13 Jahren war das schon mal der Fall. Damals wollte die Gemeinde Sohland die Freizeiteinrichtung aufgeben. Daraufhin gründete sich der Waldbadverein. Er betrieb das Bad und investierte Geld und Arbeit, um es auf Vordermann zu bringen. Unter anderem hat er das große Schwimmbecken abgedichtet, eine Wasseraufbereitung installiert, die historischen hölzernen Umkleidekabinen saniert, einen Spielplatz gebaut. Doch jetzt fürchtet Vorsitzender Joachim Geißler, dass er den Pachtvertrag mit der Gemeinde kündigen muss. Der Verein kann die Angestellten nicht mehr bezahlen. Grund ist der Mindestlohn. „Nach den neuen Regelungen betragen die Personalkosten pro Saison reichlich 23 000 Euro“, berichtet Geißler. Das seien 8 000 Euro mehr als bisher.

Der Verein beschäftigt einen Schwimmmeister, einen Hausmeister und eine Reinigungskraft. Gebraucht wird auch jemand, der Eintrittskarten verkauft und den Kiosk bewirtschaftet. „Ohne diese Angestellten geht es nicht“, betont der Vorsitzende. Anfangs übernahmen Rettungsschwimmer ehrenamtlich die Badeaufsicht. „Aber wir müssen einen Schwimmmeister beschäftigen. Das ist gesetzlich vorgeschrieben“, sagt Geißler. Hausmeister- und Reinigungsarbeiten wurden auch über ehrenamtliche Vereinsarbeit erledigt. Mittlerweile sind viele der 70 Mitglieder zu alt dafür, andere zeitlich nicht in der Lage. Zudem gelten auch für Sauberkeit und Hygiene in einem öffentlichen Bad strenge Vorschriften. „Selbst wenn wir nur einen Schwimmmeister und einen Hausmeister bezahlen, kostet das 17 700 Euro“, rechnet Joachim Geißler vor.

Von der Gemeinde bekommt der Waldbadverein einen jährlichen Zuschuss von 7 350 Euro. 2 550 Euro Pacht muss er im Gegenzug zahlen. Bleiben 4 800 Euro. Schon nach der letzten Badesaison hat der Vorsitzende mit dem Vorstand darüber gesprochen, dass der Verein künftig die Differenz nicht mehr aufbringen kann. Er hat die Erhöhung des Zuschusses um 8 000 Euro beantragt. Vor Kurzem wurde ihm die Hälfte zugesagt. „Aber damit kommen wir nicht hin. Wenn keine andere Lösung gefunden wird, muss das Bad geschlossen bleiben“, sagt Geißler. Doch das will er vermeiden. Denn das knapp 80 Jahre alte Bad hat sich etabliert. Pro Jahr kommen rund 10 000 Besucher; 2013 waren es 13 500. Für Donnerstag lädt der Verein zu einer Veranstaltung ein. Der Vorsitzende wird über die Situation informieren und hofft auf einen Ausweg. „Wenn keiner gefunden wird, sieht der Verein sich gezwungen, den Pachtvertrag zu kündigen.“ In seinen Augen gibt es nur eine Lösung: „Die Gemeinde sollte die Angestellten bezahlen. Mitarbeiter zu beschäftigen, ist rechtlich so kompliziert geworden, dass wir als Verein es uns nicht mehr leisten können.“ Die Mitglieder würden sich weiter für das Bad engagieren, zum Beispiel mit Arbeitseinsätzen und Veranstaltungen. Joachim Geißler sieht auch den Staat in der Pflicht: „Er hat entschieden, dass 8,50 Euro Mindestlohn zu zahlen sind. Nun muss er auch dafür sorgen, dass solche gemeinnützigen Einrichtungen trotzdem erhalten bleiben.“

Info-Veranstaltung „Was können wir tun, um das Waldbad erneut vor der Schließung zu retten“, Donnerstag 19.30 Uhr, Sitzungsraum der Wehrsdorfer Turnhalle.

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