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Braucht das Spaßbad einen neuen Chef?

Der Geschäftsführer der Erlebniswelt Krauschwitz ist Bürgermeister-Kandidat in Schleife. Die Gemeinde stellt bereits Weichen für den Fall der Fälle.

In der Krauschwitzer Erlebniswelt sind das Mund-Nase-Schutztragen und Abstandhalten für Mitarbeiter wie Martin Hepper und Antje Schmidt eine Pflicht.
In der Krauschwitzer Erlebniswelt sind das Mund-Nase-Schutztragen und Abstandhalten für Mitarbeiter wie Martin Hepper und Antje Schmidt eine Pflicht. © Joachim Rehle

Ein Jahr wie dieses zu erleben, hätte sich Jörg Funda im Traum nicht vorstellen können. Denn seit er 2002 als Geschäftsführer der Erlebniswelt in Krauschwitz begann, entwickelte sich das Bad stetig weiter. In enger Kooperation mit der Gemeinde entstand ein Konzept, das sich bis heute bewährte: Wellness, Aqua Fitness, Sauna. Den Anfang machte 2004 der Wellnessbereich. Danach folgte 2009 die Eröffnung des Saunadorfes, bevor 2010 ein Blockheizkraftwerk zur eigenen Stromversorgung und 2014 ein Solebecken und ein Gradierwerk dazu kamen. 

Normalerweise lockt all dies jährlich rund 90.000 Gäste an. Nur nicht dieses Jahr, das vom Corona-Virus geprägt ist. Das führte dazu, dass auch das Bad in Krauschwitz monatelang geschlossen war und erst Anfang Juni wieder öffnen durfte. Unter strengsten Hygieneauflagen und mit vorgegebenen Besucherzahlen. Für Jörg Funda und sein Team ein völlig neues und unbekanntes Ereignis.

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Weitere Verluste sind nicht erlaubt

„Den Umständen entsprechend läuft es gut. Obwohl wir noch immer keine Kurse anbieten dürfen, wodurch auch Gäste fehlen. Aber dafür kamen, selbst während der großen Hitzewelle, viele Urlauber zu uns“, erzählt Funda. Noch hofft er, dass sich Einnahmen und Ausgaben so entwickeln, dass der Gemeinde Krauschwitz als einzigem Gesellschafter des Bades keine zusätzlichen Kosten entstehen. Das ist wichtig, Denn die Kommune ist selbst überschuldet und muss wegen der Haushaltskonsolidierung jetzt und künftig sparen, wo sie kann. Ungeplante Kosten oder freiwillige Ausgaben sind somit ausgeschlossen. Und ob Einnahmeverluste des Bades durch die Corona-Pandemie mit Zuschüssen von Land oder Bund gedeckt werden können, ist ja auch noch nicht spruchreif.

Trotzdem bereiten Jörg Funda und die Gemeinde derzeit neue, aber lang geplante und nötige Investitionen im Bad vor. So steht die Einführung eines neuen Kassensystems bevor. Das soll künftig Wartezeiten minimieren, Mitarbeitern mehr Zeit für andere Aufgaben der Gästebetreuung lassen, viele bargeldlose Anwendungen und sogar Kurzzeitbaden im Außenbecken ermöglichen. In der Gemeinderatssitzung im September, sagt Bürgermeister Tristan Mühl, soll der ausgeschriebene Auftrag vergeben werden. 

Dies gelte auch für nötige Arbeiten in der Frauendusche. Dort lösen sich Deckenplatten, was bereits zu Unmut bei Badbesucherinnen führte. „Dieser Zustand muss und wird schnellstmöglich behoben“, verspricht der Krauschwitzer Bürgermeister, der aktuell aber ein ganz anderes Problem mit dem Bad hat.

Geschäftsführer will Bürgermeister werden

Dessen langjähriger Geschäftsführer Jörg Funda kandidiert nämlich für das Bürgermeisteramt in seiner Heimatgemeinde Schleife, ist aktuell dort als Amtsverweser tätig, weil er bereits seit Jahren stellvertretender Bürgermeister in Schleife ist. Bei der Bürgermeisterwahl am 1. November 2020 steht er nun als Kandidat für das Amt auf dem Wahlzettel. Ob Funda als Sieger hervorgeht und die hauptamtliche Tätigkeit in Schleife antritt – und damit das Krauschwitzer Bad einen neuen Chef benötigt – oder nicht, bleibt abzuwarten. In Krauschwitz jedenfalls wird schon seit Wochen gemunkelt, dass Funda geht. „Ich kenne die Gerüchte. Als sie erstmals kursierten, stand meine Kandidatur noch gar nicht fest“, erzählt Jörg Funda. 

Nun sei dies anders, weshalb er „offen, konstruktiv und verantwortungsbewusst“ mit der Thematik umgehe und gemeinsam mit der Gemeinde Krauschwitz sowie dem Aufsichtsrat der Erlebniswelt „eine vernünftige Lösung und einen geordneten Übergang“ für alle Fälle als Ziel habe. Schließlich seien die Erlebniswelt für ihn mehr als ein Job und die Mitarbeiter eine Familie. „Doch die eventuell neue Aufgabe als Bürgermeister, bei der ich die Gemeinde Schleife mit gestalten kann, ist hochinteressant.“ Funda bekennt zwar, dass es bei ihm und der Belegschaft durchaus große Traurigkeit gäbe, wenn er den Sprung ins Amt schafft. „Aber wir alle sind erwachsen genug zu verstehen, dass jeder seinen Weg gehen muss.“

Geschäftsführerposten wird neu ausgeschrieben

Verständnis für Fundas Kandidatur hat der Krauschwitzer Bürgermeister. Was die Erlebniswelt betrifft, so kommen er, Aufsichtsrat und Funda jedoch nicht umhin, praktikable Lösungen für die Zeiten bis zur Wahl und einem möglichen Amtsantritt in Schleife zu finden. Laut Tristan Mühl habe man in der Aufsichtsratssitzung schon eine Kompromisslösung gefunden. „Die sieht vor, dass Herr Funda bis zur Wahl beziehungsweise Vereidigung oder Beendigung seines Einsatzes als Interimsbürgermeister an festen Tagen und Zeiten als Erlebniswelt-Geschäftsführer tätig und erreichbar ist. Auch Vertreterregelungen und Kommunikationswege sind festgelegt.“

Mit solchen Regelungen habe man bereits in der Vergangenheit gute Erfahrungen gemacht, wenn Funda den Schleifer Bürgermeister vertrat. Für den Fall, dass er die Bürgermeisterwahl gewinne, brauche man jedoch in der Erlebniswelt einen „fließenden Übergang“. Daher werde der Aufsichtsrat im September auch zur Neuausschreibung des Geschäftsführerpostens beraten. Die Erlebniswelt sei immerhin eine wichtige touristische Attraktion im Ort und im Norden des Landkreises, so der Bürgermeister.

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Weil Krauschwitz andererseits jedoch der Haushaltskonsolidierung und dem Sparzwang unterliegt, müssten parallel die Weichen für die künftige Badbetreibung gestellt werden. „Spätestens 2021 müssen wir eine Entscheidung treffen, da ab 2022 nur noch 100.000 Euro Gemeindezuschuss pro Jahr geplant sind“, begründet Tristan Mühl, der schon erste Gespräche führte. „Anfang 2021 hoffe ich, nähere Informationen zum künftigen Modell der Badbetreibung geben zu können.“

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