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Weidmanns Eiscafé feiert 75. Jubiläum

Das Eiscafé Weidmann feiert in diesen Tagen sein 75. Firmenjubiläum. 1935 eröffnete Joachim Weidmann seine erste Eisdiele auf der Hauptstraße in Weinböhla. Tochter Franziska und Mann Andreas öffnen aus diesem Anlass ihr Familienalbum.

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Von Claudia Parton

Das Eiscafé Weidmann feiert in diesen Tagen sein 75. Firmenjubiläum. 1935 eröffnete Joachim Weidmann seine erste Eisdiele auf der Hauptstraße in Weinböhla. Tochter Franziska und Mann Andreas öffnen aus diesem Anlass ihr Familienalbum. Ein Streifzug durch 75 Jahre Eisproduktion.

1935: Los geht

es mit Vanilleeis

Milchpulver, Zucker und Vanilleextrakt: So fing der gelernte Konditor Joachim Weidmann die Eisproduktion in Weinböhla an. Technisch war das eine Herausforderung: Kiloweise Roheis hat er jeden Tag in seine Maschine gestopft, um die frisch aufgekochte Eismasse tieffrosten zu können. Maximal drei Sorten gleichzeitig konnte er produzieren. Lagern ließ sich nichts. Wenn das Eis an heißen Tagen alle war, schloss Weidmann die Tür bisweilen schon früh am Nachmittag.

Seine Kunden waren fast ausschließlich Kinder. Unter Erwachsenen sei das Eisessen verpönt gewesen, sagt Franziska Weidmann. „Damals kam häufig eine Frau, um die 40 Jahre alt, die ihr Eis auf einem Stuhl hinter der Tür aß, damit sie niemand sehen konnte.“

1980: Eis als Tauschware

für Dosenmandarinen

Technisch wurde es immer einfacher – eine dicke Salzlauge, die Kälte speicherte, löste das Roheis ab. Nach dem Tod des Vaters übernahm Tochter Franziska die Eisdiele und baute die Rezepturen weiter aus. Die ersten Eistorten entstanden. „Vor dem Schulanfang haben wir die in mehreren Durchgängen gefertigt. Jeder, der eine eigene Gefriertruhe hatte, musste seine drei Tage vorher abholen. Sonst hätten wir das nicht geschafft“, sagt Andreas Weidmann.

Für die benötigten Dosenmandarinen nahm er schon mal eine Tasche Eis als Tauschware mit zum Großhandel. Fruchtpasten und Kubaorangen – ins Eis kam, was gerade verfügbar war.

2010: Riesige Eisbuffets und Sorten mit Gurkengeschmack

Nach der Wende erlebte die Eiskultur in Ostdeutschland ihren Durchbruch. Neue Eiscafés eröffneten – und auch die Weidmanns bauten aus. Mittels modernster Technik gibt es heute 26 Eissorten gleichzeitig. Was nicht sofort weggeht, kommt ins Kühlhaus. Eisbuffets für 500 Personen sind heute technisch überhaupt kein Problem.

Für die Eissorten zuständig ist Andreas Weidmann. Er hat mit Gurken, Sellerie und Tomaten experimentiert, mixt Chili oder Reis ins Eis. Knapp 80 Sorten hat Weidmann schon probiert. Das Grundrezept indes ist noch das von damals. Der Geschmack der Kunden offenbar auch: Trotz aller exotischer Sorten – am besten verkauft Weidmann bis heute Vanilleeis.