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Weihnachten im August

Der alte Feuerwehrbarkas der Ödernitzer hat ausgedient. Auf das neue Einsatzfahrzeug haben die Kameraden sehr lange hingearbeitet.

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Von Carla Mattern

Die Abendsonne wärmt. Vögel zwitschern sich Nachrichten zu. Es duftet intensiv nach Sommer. Doch die Männer und Frauen am Feuerwehrgerätehaus in Ödernitz nehmen das nicht mal am Rande wahr. Konzentriert hören und schauen sie zu, was ihnen Roland Roitsch erklärt und zeigt. Sie stehen um ein rotes Auto herum. Hinter den hochgeschobenen Jalousien gibt es viel zu sehen. Gleich hinter der geräumigen Kabine für Fahrer und Mannschaft ist das Fahrzeug vollgestopft mit Technik und Gerätschaften.

Uwe Skorniak (links) präsentiert die neue Motorkettensäge, Roland Roitsch das neue Notstromaggregat.
Uwe Skorniak (links) präsentiert die neue Motorkettensäge, Roland Roitsch das neue Notstromaggregat.
Armin Volkmer (links) und Thomas Hilbig zeigen die alte und die neue Kübelspritze.
Armin Volkmer (links) und Thomas Hilbig zeigen die alte und die neue Kübelspritze.
Rene Skorniak (links) zeigt die neue, Armin Volkmer die alte Pumpe.
Rene Skorniak (links) zeigt die neue, Armin Volkmer die alte Pumpe.

NY-OE 112 steht auf dem Kennzeichen. Stolz blitzt in den Augen der Feuerwehrleute auf, wenn sie darauf schauen. Jede einzelne Kombination bedeutet etwas. NY steht für Niesky, die Stadt, zu der Ödernitz als Ortsteil bereits seit 1929 gehört. OE steht für Ödernitz. In dem kleinen Dorf leben gerade mal 240 Einwohner. Immerhin elf von ihnen sind aktive Feuerwehrleute. 13 engagieren sich in der Alters- und Ehrenabteilung und sind damit immer noch ganz eng mit ihrer Wehr verbunden. Die Zahl 112 steht symbolisch für die Feuerwehr, denn 112 ist auch die Notruf-Telefonnummer für die Feuerwehr.

Etwas abseits von dem nagelneuen Auto steht ein Oldtimer. Auch er glänzt lackrot in der Sonne. Zwei blaue Rundumleuchten über der Fahrerkabine zeigen: Auch dieses Auto ist ein Einsatzfahrzeug. Allerdings steht in seinen Papieren die Zahl 1986 als Jahr der Erstzulassung. Damit die Wehr in Ödernitz nicht zu Fuß zum Einsatz marschieren musste, waren schon seit Jahren Sondergenehmigungen notwendig. Doch auch wenn das Auto aus der Garage heraus war und am Einsatzort angekommen, heißt das nicht, dass immer voller Einsatz möglich war. Denn die Technik auf dem Barkas ist bereits betagt, freundlich ausgedrückt.

Doch die Sorgen, ob die alte Pumpe anspringt und die Einsätze auch durchhält, sind fast vergessen. Das neue Auto hält allerhand Geräte bereit. Das Herzstück, die neue Tragkraftspritze, lässt die Männerherzen höherschlagen. Als Roland Roitsch sie hervorzieht und in Betrieb nimmt, röhrt sie auf. Im Nu verpesten die Auspuffgase den sommerlichen Duft. Doch dafür haben nicht einmal die zwei Frauen, die gebannt zuschauen, einen Nerv. Wenn die Ödernitzer am Einsatzort sind, geht es um schnelles und exaktes Arbeiten. Wo sind die Rohre, wo die dazugehörigen Schlüssel? Jedes Gerät hat seinen Platz, daneben sind Schilder angebracht, wo draufsteht, was was ist.

Doch heute ist fast alles neu. Anfang der Woche haben sie das Auto beim Hersteller in Flensburg abgeholt. Bei der ersten Einweisung ist klar: Viel mehr als die Schläuche und natürlich die Sonnenbrillen räumen die Männer vom Barkas nicht in den Opel um.

Wenn sie das nächste Mal zum Einsatz gerufen werden, haben sie erstmals ein Notstromaggregat dabei, eine hochwertige Kettensäge, leistungsfähige Lampen, mit denen sie das Umfeld beleuchten können, eine größere Kübelspritze. HiPress sagen die Fachleute dazu. „Mit präsentiertönnen wir sofort loslegen, bis die Wasserversorgung steht“, sagt der Wehrleiter. Eine Krankentrage, neue Handscheinwerfer und neue Atemgeräte werden sie ab sofort nutzen können. Nur der Digitalfunk fehlt noch, um das neue Einsatzfahrzeug perfekt ausgerüstet zu haben.

Aber noch ist es nicht soweit. Für die Übergangszeit bekommt das Auto keinen Analogfunk. Mit den Nieskyern ist eine Zwischenlösung gefunden. Das erspart den teuren Umbau.

Die kurzen Hosen und Latschen, in denen die ehrenamtlichen Feuerwehrleute um ihr neues Fahrzeug stehen, verfremden etwas die Stimmung. Denn eigentlich fühlt es sich an, als würden gerade unterm Weihnachtsbaum die Metallbaukästen ausgepackt. Ein Geschenk ist das Auto allerdings nicht. 1999 haben die Ödernitzer ihr Gerätehaus umgebaut. Ohne das ginge es ihnen wahrscheinlich wie den Stannewischern, wo über die Kosten diskutiert und die Eigenständigkeit der Wehr infrage gestellt wird. Nach einer Jubelfeier ist deshalb auch den Ödernitzern nicht zumute. Trotzdem haben sie heute um 14 Uhr einige Gäste zur feierlichen Übergabe eingeladen. Den Ödernitzern zeigen sie ihr neues Auto während des Dorffestes am 10. August.