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Weihnachtsbraten direkt vom Bauern

Eberts Gänse- und Entenhof in Höckendorf gibt es seit 20 Jahren. Wie sich die Verbraucherwünsche geändert haben.

Ihre Tiere liegen Christine und Rainer Ebert am Herzen. Ihren Gänse- und Entenhof in Höckendorf  haben sie schon seit 20 Jahren.
Ihre Tiere liegen Christine und Rainer Ebert am Herzen. Ihren Gänse- und Entenhof in Höckendorf haben sie schon seit 20 Jahren. © Egbert Kamprath

Es schnattert und gackert auf Eberts Hof in Höckendorf, als sich eine größere Gruppe Enten aus dem Obstgarten aufmacht und gemächlich über den Hof watschelt. Ein paar Hühner haben sich darunter gemischt. Die Tiere dürfen hier frei laufen – doch nicht mehr lange, denn vor Weihnachten ist auf dem Gänse- und Entenhof Hochbetrieb. In der eigenen Schlachtstelle geht es den Tieren an den Kragen, anschließend werden sie direkt im Hofladen verkauft.  

Wer bisher keinen Braten fürs Weihnachtsessen hat, muss noch nicht verzweifeln und hat bei Eberts eventuell noch Glück: "Vor allem Enten sind noch vorrätig, aber nicht mehr in großer Stückzahl", sagt Rainer Ebert.

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Die französische Flugente kostet je Kilo neun Euro, eine Gans elf Euro je Kilo. Mit dem Preis nach oben gehen mussten Eberts auch in den vergangenen zwei Jahren nicht, wo Hitze und Trockenheit vielen Tierhaltern das Leben schwer gemacht haben. "Die Sommerhitze macht den Tieren nichts, auf der Streuobstwiese finden sie genug Schatten", sagt der 70-Jährige. Das Wasser kommt aus dem eigenen Brunnen, der auch in diesem Jahr nicht trocken gefallen ist. "Wir haben glücklicherweise eine ergiebige Quelle, deren Wasserqualität geprüft ist." Das Futter kommt ebenfalls von den eigenen Feldern. Die Gänse und Enten bekommen neben dem, was sie zum Picken finden, Kräuterheu, Gerste, Weizen und Hafer. So werden die Tiere fett und schwer. Eine Gans sollte im Durchschnitt etwa 4,5 bis sechs Kilogramm auf die Waage bringen, eine Ente zwischen drei und vier Kilogramm. 

Vor 20 Jahren haben Eberts mit 350 Gänsen angefangen. Der Hof selbst ist schon etwa 300 Jahre im Familienbesitz. Für die Tierhaltung musste damals das Stallgebäude umgebaut werden, die Schlachtstelle mit Hofladen wurde ganz neu gebaut. Das alles haben sie aus eigener Kraft, ohne Fördermittel geschafft, worauf Rainer und Christine Ebert bis heute stolz ist. Der Betrieb, den sie gemeinsam mit Sohn Gunnar führen, ist seither für die EU-Schlachtung zugelassen – neben ein paar Rindern und Schweinen leben hier etwa 700 Gänse und 500 Enten. Vergrößern wollen sich Eberts nicht weiter. "Sonst leidet die Qualität."

Ihr Kundenkreis besteht zu 70 Prozent aus Stammkunden, die aus dem ganzen Umkreis nach Höckendorf kommen – von Frauenstein bis Pirna, Freiberg und Oederan, Freital und Dresden. Hauptsächlich sind es Privatkunden. "Wir merken deutlich, dass ein Umdenken bei den Verbrauchern stattgefunden hat", sagt das Ehepaar. Statt die Gans im Supermarkt zu kaufen, legen viele Wert darauf zu wissen, woher das Tier kommt und wie es gelebt hat. Und das passt perfekt in das Konzept des Familienbetriebs: "Das Regionale stand bei uns schon jeher im Vordergrund", sagt Rainer Ebert.

Die Gänse und Enten kommen im Mai auf Eberts Hof, wenn sie fünf Tage alt sind. "In den ersten vier Wochen ist die Aufzucht sehr sensibel, vergleichbar mit einem 24-Stunden-Job", sagt der 70-Jährige. Das Ehepaar legt Wert darauf, dass es den Tieren gut geht und ihre Aufzucht zu 100 Prozent dem Tierwohl entspricht. "Das wirkt sich sonst negativ aus, weil die Tiere dann nicht so groß werden und der Körper sich nicht richtig ausbildet", erklärt Rainer Ebert. Mit drei bis vier Monaten erneuert sich das Federkleid, die Tiere kommen in die Mauser. "Danach setzen die Gänse und Enten erst stabil Fleisch an." Zum Martinstag, am 11. November, werden dann die ersten Tiere geschlachtet. Damit beginnt die Hochsaison. Um den Kunden das Fleisch so frisch wie möglich anbieten zu können, wird dann bis Dezember in der Regel einmal pro Woche geschlachtet. "Nach Weihnachten kauft keiner mehr eine Gans oder eine Ente."

Ans Aufhören denken Rainer und Christine Ebert noch nicht. "Wir haben keine Zeit, um alt zu werden", sagen sie und lachen. In die Zukunft blicken sie aber nicht ohne Sorge: Denn nicht sich ändernde klimatische Bedingungen machen dem Ehepaar zu schaffen, sondern die gesetzlichen Richtlinien, die sich immer mehr verschärfen, und die bürokratischen Hürden. "Das macht uns sehr nachdenklich." Kleineren Betrieben werde es immer schwerer gemacht, selbst zu schlachten. Stattdessen müssen die Tiere weite Wege in großen Lkws überstehen, um anschließend wieder in zerlegten Hälften zurückgefahren zu werden. Rainer und Christine Ebert wünschen sich da mehr Fingerspitzengefühl vom Gesetzgeber.

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