SZ +
Merken

Weihnachtsfeiern liegen wieder im Trend

Seit 15 Jahren geht esin der Görlitzer Gastronomie stetig bergauf.

Teilen
Folgen

Von Frank Seibel

Krisenstimmung? Für Matthias Holfert ist das ein Fremdwort in diesen Wochen. „Wir haben noch mehr Weihnachtsfeiern als in den vergangenen Jahren“, sagt der Wirt vom „Patrizierhaus Sankt Jonathan“ am Görlitzer Untermarkt. An vielen Abenden seien sogar alle Säle in dem mehrgeschossigen Renaissance-Gebäude ausgebucht.

Die tragenden Säulen des Adventsgeschäftes sind die großen Unternehmen in der Stadt, Siemens und Bombardier. „Die haben volle Auftragsbücher und keinen Anlass, an Weihnachtsfeiern für ihre Belegschaft zu sparen“, glaubt Holfert.

Einen neuen Trend hat Holfert ausgemacht: „Viele kommen schon am Mittag zur Weihnachtsfeier.“

Beim Restaurant „Schneiderstube“ im Hotel Tuchmacher macht sich hingegen „eine gewisse Zurückhaltung bei kleineren Firmen“ bemerkbar, sagt Michael Pietsch, der stellvertretende Geschäftsführer. Allerdings gebe es nur „einen ganz kleinen Rückgang“ gegenüber dem Vorjahr – während es im gesamten Jahresverlauf für Hotel und Restaurant sehr gut lief, betont Pietsch. „Seit 15 Jahren geht es in Görlitz stetig bergauf“, sagt der Restaurant-Fachmann, der seine Laufbahn beim Hotel Mercure begonnen hat.

Ein Polster für flaue Monate

Neu ist für das Hotel das Feiertagsgeschäft zu Weihnachten. Bis vor zwei Jahren noch grüßte lediglich ein aufgeblasener Weihnachtsmann hinter der verschlossenen Glastür – seit vorigem Jahr aber ist das noble Haus auch zwischen Weihnachten und Neujahr für Gäste da. Mit speziellen Weihnachts-Arrangements holt das Tuchmacher sogar vom 24. bis 26. Dezember Touristen ins Haus.

Als Polster für die flauen Monate Januar und Februar reicht das Geschäft im Advent und zu Weihnachten aber nicht aus. „Das Polster müssen wir uns von März bis Dezember schaffen“, sagt Michael Pietsch.

Für ein Lokal, das mit dem Tourismus wenig zu tun hat, sind die beiden Monate zum Jahresbeginn allerdings nicht die einzige schwierige Phase im Jahr. „Auch der Sommer ist für uns schwierig“, sagt Hansyork Deckwert vom „Nordquell“ in Königshufen. Denn wenn es richtig warm ist, zieht es viele Königshufener in die Gartensparte oder weiter hinaus ins Grüne, wenn sie das Leben genießen wollen. Da ist es fürs „Nordquell“ besonders wichtig, dass vor Weihnachten die Kasse stimmt. Und Hansyork Deckwert kann sich nicht beklagen. Vor allem an den Wochenenden ist sein Restaurant voll, sagt er. Viele Familien arrangieren ein Treffen vor Weihnachten und kehren im „Nordquell“ ein. Aber wer für die Feiertage noch ein Plätzchen und eine leckere Weihnachtsgans sucht, ist für das Königshufener Lokal längst zu spät dran. Ausgebucht, sagt Hansyork Deckwert und freut sich.

Als Ausflugslokal hingegen spielt der „Zeltgarten“ am Rande von Weinhübel eine besondere Rolle. Dort muss Klaus Wilken zusehen, dass im Frühjahr und Sommer die Kasse stimmt. Eigentlich sollte auch das Advents- und Weihnachtsgeschäft noch einmal ein Hoch bringen. Doch in diesem Jahr spürt Wilken eine Zurückhaltung. Manche privaten Runden, die sich früher hier im Advent trafen, bleiben diesmal weg oder gönnen sich beim Besuch im Zeltgarten weniger. Angst vor den flauen Monaten hat Klaus Wilken gleichwohl nicht. Seit 30 Jahren betreibt er sein Lokal. „Angst hatte ich unmittelbar nach der Wende, als die Kredite kamen.“ Heute sieht er manches gelassener. „Man kann die Leute ja nicht zwingen.“ Aber Gänsekeule und Hirschbraten kochen, zum Beispiel. Und das macht er zu Weihnachten dann auch.