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Meißen

Ein betrogener Betrüger?

Der Angeklagte soll mit fremden Kontodaten im Internet bestellt haben. Doch die Abbuchung konnte gar nicht funktionieren.

Auch Weihnachtskugeln soll der Angeklagte im März per Internet bestellt und mit fremden Kontodaten bezahlt haben. Es gibt aber noch mehr Merkwürdigkeiten.
Auch Weihnachtskugeln soll der Angeklagte im März per Internet bestellt und mit fremden Kontodaten bezahlt haben. Es gibt aber noch mehr Merkwürdigkeiten. © ZB FUNKREGIO OST

Meißen. Da hat einer aber mal so richtig nach Herzenslust im Internet eingekauft und Verträge abgeschlossen. Einen Kaffeebereiter und Leuchten für 347 Euro. Ein Telefon für 100 Euro. Drei Fußmatten für 237 Euro. Einen Akkusauger für 119 Euro. Und immer wieder Weihnachtsbaumkugeln. Mal für 93, mal für 180 Euro. 

Dazu Kerzen, Küchenutensilien, Babysachen. Insgesamt gab der 37-jährige Coswiger auf diese Weise 1.835 Euro aus. Und das fiel ihm auch sehr leicht. Schließlich war es nicht sein Geld. Denn er bestellte zwar immer unter seinem richtigen Namen und der eigenen Adresse, gab zum Bezahlen aber stets die Bankdaten eines anderen an.

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Die Verteidigerin bestreitet namens ihres Mandanten die Taten. Nicht er, sondern der Sohn seiner Lebensgefährtin habe die Bestellungen aufgegeben. Die Pakete seien immer zur Mittagszeit geliefert worden. Da sei ihr Mandant immer arbeiten gewesen, so die Verteidigerin.  Der Sohn der Lebensgefährtin habe sich damals aber in der Wohnung aufgehalten. Auffällig sei auch gewesen, dass Babysachen für Kinder im Alter von zwei bis zehn Monaten bestellt worden seien. Der Sohn der Lebensgefährtin habe damals einen Sohn in diesem Alter gehabt. Der junge Mann ist für das Gericht kein Unbekannter. Wurde der Angeklagte also selbst betrogen? 

Irgendwie machen manche Bestellungen auch keinen Sinn. Wer bestellt zum Beispiel im März Weihnachtsbaumkugeln, und dann noch in dieser Menge? Das lässt wohl den Schluss zu, dass sie zu Geld gemacht werden sollten.

Die Verteidigerin zweifelt auch an, dass die Unterschriften auf der Annahmebestätigung von ihrem Mandanten stammen. Leider hat der seinen Personalausweis nicht mit, mit dessen Hilfe die Schriftzüge hätten verglichen werden können. Der Richter lässt den Angeklagten zehn Unterschriften auf einem Zettel leisten. Die scheinen in der Tat nicht mit denen in der Akte identisch zu sein. 

Die Kontodaten gehören einem 50-jährigen Coswiger. Er und der Angeklagte kennen sich nicht, hatten nie etwas miteinander zu tun. Allerdings hat er mal bei einem Umzug eine Geldkarte verloren. Kurz danach gingen die Abbuchungen los. Tatsächlich Geld abgebucht wurde allerdings nicht, das war gar nicht möglich. Denn das betroffene Konto war nur ein sogenanntes Mietkautionskonto, auf dem nur die Mietkaution hinterlegt ist. Abbuchungen sind gar nicht möglich, die Belastungen wurden umgehend zurückgebucht. Dem Zeugen ist also kein Schaden entstanden, allerdings den betroffenen Firmen.

Doch ist der Angeklagte wirklich so unschuldig, wie er tut? Daran hat das Gericht zu Recht erhebliche Zweifel. Denn wie der Staatsanwalt mitteilt, liegen gegen ihn noch weitere Anklagen vor. Eine davon vor dem Schöffengericht am Amtsgericht Dresden. Dort ist er gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin angeklagt. Und zwar wegen genau solcher Straftaten wie den jetzigen. 

Möglich, dass es bei dieser Verhandlungen weitere Erkenntnisse gibt, beispielsweise, was den Sohn der Lebensgefährtin und dessen Rolle betrifft. Der Richter entscheidet deswegen, das jetzige Verfahren im Hinblick auf die Verurteilung, die in Dresden zu erwarten ist, einzustellen. 

Es ist allerdings möglich, dass das Verfahren jederzeit wieder aufgenommen wird. Aufgehört haben die Betrügereien immer noch nicht. Erst im Oktober vorigen Jahres wurde wieder versucht, das Konto des Zeugen zu missbrauchen.

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