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Weihnachtsmann abschaffen!?

Der Tisch vollgestellt mit Bierflaschen und Kakaotassen. Zahlreiche aufgerissene Lebkuchenverpackungen dekorieren ein paar wie zufällig hingestellte Kerzen. Glühweinduft durchzieht den Raum von der Küche her.

Von Friedrich Prüfer

Der Tisch vollgestellt mit Bierflaschen und Kakaotassen. Zahlreiche aufgerissene Lebkuchenverpackungen dekorieren ein paar wie zufällig hingestellte Kerzen. Glühweinduft durchzieht den Raum von der Küche her. Aus dem Lautsprecher dudelt Radiomusik. Es ist nicht leicht, sich zu unterhalten. Kinder turnen durch die Gegend. Da klopft es. Mehrmals. Dazu eine tiefe Stimme: „Draußen vom Walde komm ich her! Wo seid ihr liebe Kinder?“ Die Angesprochenen scheint das wenig zu interessieren. Die Eltern klären auf: „Es ist der Weihnachtsmann! Komm jetzt mal her zu mir!“ Für die Kinder scheint es nicht als Ungewöhnliches, dass der Weihnachtsmann immer mal vor Weihnachten kommt, in Einkaufspassagen, im Lebendigen Adventskalendertürchen der Kirchgemeinde, im Kindergarten, im Sportverein ….

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„Wo seid ihr Kinder?“ versucht sich der Weihnachtsmann Gehör zu verschaffen. Die Eltern versuchen mühsam ihre Kinder einzufangen, denn jetzt ist Bescherung. Und da muss man erst was aufsagen oder singen. Sie nehmen die Sache nun ernster. Der Höhepunkt aber ist noch nicht erreicht. Der kommt, als der Weihnachtsmann die Schnapsidee hatte, dass nach der Bescherung alle zusammen singen. Was nun? War das so vereinbart? Verlegenes Umhergucken. Betretenes Schweigen!

Darüber nachgedacht, den Weihnachtsmann abzuschaffen, habe ich schon länger. Ob ich es wieder mal riskiere, solo zu singen? Ob hier wenigstens noch einer die Klassiker kennt, von denen ich zumindest die zweite Strophe noch auswendig singen kann? „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit; es kommt der Herr der Herrlichkeit.“ oder: „Wie soll ich dich empfangen und wie begegn ich dir, o aller Welt Verlangen, o meiner Seelen Zier?“ – Eine ältere Frau reißt mich aus meinen Gedanken und fängt einfach an „O Tannenbaum, o Tannenbaum…“ Die Versammelten stimmen langsam ein. Wir kommen immerhin bis zur Hälfte der zweiten Strophe.