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Weihnachtsschau entdeckt Spiele-Zeichner

Kurt Eggert bekam die Preuskermedaille. Doch in Großenhain ist er vergessen. Das Museum zeigt nun seine Arbeiten.

Auch um den Großenhainer Maler Kurt Globig geht es in der Adventsschau. Der baute u. a. ein Puppentheater für seine Neffen.
Auch um den Großenhainer Maler Kurt Globig geht es in der Adventsschau. Der baute u. a. ein Puppentheater für seine Neffen. © Kristin Richter

Großenhain. Es war die Not, die den einstigen Lehrer und Heimatfreund zum Schöpfer schöner Spiele der Nachkriegszeit machte. Kurt Eggert durfte nach 1945 nicht mehr unterrichten. Denn er war 1936 Mitglied der NSDAP geworden – laut Großenhainer Jahrbuch 1998, weil er eine Festanstellung als Lehrer anstrebte. Doch irgendwie musste er dann nach dem Krieg seine Familie ernähren. So nutzte der heimatkundlich bewanderte Kunsterzieher seine früheren Entwürfe von Landkarten, um daraus Spielentwürfe im Auftrag des privaten Walter Flechsig Verlages in Dresden zu fertigen. In der neuen Weihnachtsausstellung im Museum Alte Lateinschule am Kirchplatz sind sie in Vitrinen zu sehen, wenn man sich bückt oder hinkniet – das Museum hat sie angekauft.


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Der Lausitzer Modelleisenbahn Verein aus Senftenberg hat diese Bahn mit Märchenfiguren zur Verfügung gestellt.
Der Lausitzer Modelleisenbahn Verein aus Senftenberg hat diese Bahn mit Märchenfiguren zur Verfügung gestellt. © Kristin Richter
In der Marktgasse 1 bei Kurt Globig standen diese Papphäuschen, gebaut für seine Nichten und Neffen.
In der Marktgasse 1 bei Kurt Globig standen diese Papphäuschen, gebaut für seine Nichten und Neffen. © Kristin Richter
Puppenspieler Camillo Fischer erfreut die Eröffnungsgäste.
Puppenspieler Camillo Fischer erfreut die Eröffnungsgäste. © Kristin Richter
Kurt Eggert lebte von 1909 bis 1997. Er entwarf um 1950 als freischaffender Künstler Vorlagen für Wissensspiele, so „Schlaumeier“, „Kreuz und quer durchs Sachsenland“, durch Thüringen oder sogar einen „Bummel um die Welt“. 
Kurt Eggert lebte von 1909 bis 1997. Er entwarf um 1950 als freischaffender Künstler Vorlagen für Wissensspiele, so „Schlaumeier“, „Kreuz und quer durchs Sachsenland“, durch Thüringen oder sogar einen „Bummel um die Welt“.  © Museum Alte Lateinschule

Obwohl ihm noch 1989 die Preuskermedaille verliehen wurde und es 1998, ein Jahr nach seinem Tod, schon mal eine Ausstellung im Museum gab, ist Kurt Eggert heute in Großenhain kaum bekannt. Er war am 28. Dezember 1909 als vorletztes von fünf Kindern in der heutigen Frauengasse 20 geboren worden. Sein Vater war Angestellter in der Papierfabrik, die Mutter Hebamme. Eggert studierte an der TH Dresden, um Lehrer zu werden. Seine Spezialisierung entsprach seinen Neigungen: Kunsterziehung und Malen/Zeichnen. Zuerst war Eggert dann als Hilfslehrer auf den Dörfern unterwegs: Ebersbach, Bärwalde, Skassa, Naunhof. 1936 begann seine Waldaer Zeit und er heiratete. In der dortigen Schule richtete er sich ein Bodenatelier ein. Damals entstand seine bekannte Heimatkarte des Kreises Großenhain. Sie hängt noch heute im Museum und ist in vielen Haushalten zu finden, denn der Elternkreis Großenhain e. V. gab sie für jeden Schüler des Kreises heraus.

Der Waldaer kam verwundet aus dem Krieg zurück, doch den Schuldienst musste er 1945 quittieren. Erst 1950 erhielt er wieder eine Stelle an der Volkshochschule Löbau, wohin die Familie 1951 umzog.

Viele biografische Fakten sind allerdings nicht in der Ausstellung zu finden, sondern müssen bei Jahrbuch-Autor Karl-Heinz Rutsch nachgelesen werden. Dafür zeigt die Weihnachtsausstellung neben Eggerts Spielen seine liebevollen Reisepläne, Entwürfe für Märchen-Illustrationen mit Motiven von Moritzburg und Weesenstein sowie aquarellierte Tuschezeichnungen und ein Bild vom Großenhainer Weihnachtsmarkt aus dem Jahr 1950. Vor ihnen bleibt Roswitha Weber lange stehen. „Ich bin von Kurt Eggert in Walda noch eingeschult worden“, sagt die Rentnerin stolz. Sie sieht noch heute vor sich, wie Eggert ihr freundlich die Hand gab.

Weihnachtszeit ist Kinderzeit. An die erinnert sich auch Christoph Globig gern. Der Großneffe des früheren Großenhainer Malers Kurt Globig wohnt in Holzgerlingen bei Stuttgart. Mit seinem Vater Wulf-Christian besuchte er 2011 schon die Globig-Ausstellung im Museum. Der 53-Jährige hat Kurt Globig noch gekannt, als der Anfang der 60er nach Hamburg übergesiedelt war. Mit dem Puppentheater, das nun in der Adventsschau zu sehen ist, haben Christoph Globig und sein Bruder gespielt. „Auch die Papphäuschen aus der Ausstellung haben wir uns damals aufgeteilt“, erzählt der Schwabe. Er freut sich sehr, dass die Weihnachtstradition aus der Großenhainer Bäckerei Marktgasse 1 hier erhalten blieb.

Schließlich sind auch schöne Stücke von Karl Max Dittmann zu sehen, dem Lehrer, der ein Holzschnitzer war. „Hier wurden Schätze aus dem Depot geborgen, die lange das Licht der Öffentlichkeit nicht mehr gesehen haben“, sagt Matthias Schmieder von der Stadtverwaltung. Ob solches Spielzeug im digitalen Zeitalter noch zeitgemäß ist, wie Museumsleiter Schulze-Forster fragt, muss jeder Betrachter selbst entscheiden. Die Modelleisenbahn, die an zwei Sonntagen fahren wird, ist es sicher. Zehn Märchen haben sich hier versteckt.

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