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Radebeul

Wein ans Heizhaus

Klinikchef Mario Marx, seine Kollegen und Patienten haben eine unschöne Aussicht. Er will das ändern – was jetzt vielen anderen nützt.

So wird eine Solaris-Rebe gepflanzt. Weinbaumeister Till Neumeister (l.), erklaert Annalena (r.) aus der 6. Klasse der OS Mitte in Radebeul, wie das gemacht wird.
So wird eine Solaris-Rebe gepflanzt. Weinbaumeister Till Neumeister (l.), erklaert Annalena (r.) aus der 6. Klasse der OS Mitte in Radebeul, wie das gemacht wird. © Norbert Millauer

Radebeul. Alkohol und Krankenhaus, das geht eigentlich nicht zusammen. Es sei denn zur Desinfektion. So ist die Aktion allerdings nicht gedacht, die sich der bekannte Brustchirurg und Klinikchef Dr. Mario Marx fürs Radebeuler Elblandklinikum vor einigen Wochen hat einfallen lassen.

Es begann so: Die Aussicht für den Doktor, seine Mitarbeiter und Patienten Richtung West ist nicht nur die untergehende Abendsonne, sondern vor allem eine wenig schöne Heizhauswand. Das sollte sich ändern. Also erinnerte sich Mario Marx an eine gute Bekanntschaft. Als er noch in Görlitz operierte, war Wackerbarth-Chefin Sonja Schilg noch Geschäftsführerin der in Görlitz ansässigen Landskron-Brauerei. Kurz: Sie könnte ihm doch jetzt in Radebeul helfen, Weinstöcke vor die Heizhauswand zu pflanzen.

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Und zwar nicht nur einfach so. Radebeuler Schüler übernehmen die Patenschaft für die Reben, pflegen sie und haben dafür beste Praxisanschauung im Bio-Unterricht. „Und vielleicht lernt so ja auch mancher unsere Elblandklinik kennen und will hier später mal arbeiten“, sagte Marx am Mittwochvormittag.

Da waren die Schüler von den Oberschule Radebeul-Mitte und Kötzschenbroda nämlich mit Spaten angerückt. Wackerbarth-Weinbaumeister Till Neumeister hatte 50 Rebstöcke dabei – pilzresistente Pflanzen der Sorte Solaris, die an der Wand gesund aufwachsen können.

Von den Handwerkern der Elblandklinik ist schon mal die Wand des im Innern mit einem hochmodernen Blockheizkraftwerk ausgestatteten Gebäudes neu gestrichen worden.

Es dauerte keine Unterrichtsstunde, dann waren die Rebstöcke sicher in die Erde gesetzt und frisch angegossen. Jetzt müssen sie ordentlich Wurzeln in die Tiefe und, neue Zweige in die Höhe ausbilden. Damit diese Zweige Halt finden, so Marx und Neumeister, soll an der Wand noch ein Spalier als Rankhilfe angebracht werden.

Die Schüler versprachen mit ihren Lehrern, sich in den nächsten Wochen und Monaten besonders intensiv um Wuchs und Pflege der Solaris-Weinstöcke zu kümmern. Damit das auch richtig und verpflichtend zugeordnet werden kann, sollen jeweils ein bis zwei der Stöcke kleine Schilder mit den Namen der pflegenden Schüler bekommen.

Mario Marx begrüßte die Mädchen und Jungen, bedankte sich für die Hilfe von Wackerbarth und auch der Sparkasse Meißen, die Geld dazu gibt. Eine Aufrebung an einem Industriegebäude im Krankenhaus und obendrein als Schülerprojekt, das sei einmalig in Deutschland, so der Chirurg.

Jetzt muss der Wein nur noch in die Höhe wachsen, damit die Ärzte, Schwestern und Patienten dann wirklich eine freundlich-grüne Aussicht bekommen. Die Farben in ihren Räumen in der neuen Klinik passen schon dazu – Weingrün und Weinrot als Applikation zum Weiß der Wände.

www.elblandkliniken.de