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Wein direkt vom Winzer

Der Krapenberg stand am Wochenende Besuchern offen. Der große Durst der Gäste wurde zum Problem.

Von Beate Erler

Einen echten Radebeuler Wein aus der Hand des Winzers muss man sich erst verdienen. Zumindest wer sich am vergangenen Pfingstwochenende bei über 30 Grad zu Fuß aufgemacht hat, um zum Krapenberg zu gelangen. Der elfte Tag des offenen Weinberges hatte geladen und auf diese Berge muss man eben erst einmal hinauf. Entlang des Kynastweges geht es vorbei an knallbunten Gärten. Überall leuchtet es violett, gelb, blau und rot. Alte Villen, von denen der Putz bröckelt, säumen den Weg. Gefühlte zehn Hinweisschilder später ist es endlich geschafft: Da stehen gut besetzte Bänke, ein Weinausschank, vom Grill duftet es verführerisch und ein Alleinunterhalter spielt „Summerwine“. Von dem gibt es reichlich. Die 400 Stöcke des Winzerehepaares Margitta und Manfred Dubrow tragen Traminer, Müller-Thurgau, Spätburgunder und Kerner.

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Der Krapenberg gehört zur Weinbaugemeinschaft Zitzschewig, die 1988 gegründet wurde. Die insgesamt sechs Berge werden von 50 Mitgliedern bewirtschaftet. Gisela und Ehrenfried Hartmann aus Coswig mögen Radebeul und seine guten Tropfen. Sie kennen den Krapenberg und haben bereits mehrere Weinbergführungen mitgemacht. „Heute kommen wir ausnahmsweise nur zum Weintrinken“, lacht Gisela Hartmann. Bei den Führungen haben sie vom Winzer erfahren, dass sogar Wildschweine die Radebeuler Trauben mögen. Und wählerisch sind die auch, denn sie fressen nur die süßesten Trauben. Deshalb wurde das Areal mit Elektrozäunen umspannt, damit die Ernte zumindest nicht durch die Wildschweine gefährdet ist.

Die Winzerin empfiehlt an einem so heißen Tag einen Goldriesling. „Das ist ein schöner und leichter Sommerwein“, sagt sie. Am Sonnabend wäre an nur einem Tag so viel getrunken wurden wie sonst nicht an beiden Tagen des Festes. „Wir mussten sogar neue Flaschen herbei holen.“ Hinter dem kleinen Festplatz liegen links und rechts vom Weg die steilen Hänge. Die Radebeuler Winzer nennen sich auch die Steillagenwinzer und steil sind die Hänge wirklich. Manfred Dubrow steht in der sengenden Sonnenhitze im Hang und kümmert sich um die „Gescheine“. So wird der Traubenansatz vor der Blüte genannt, wenn von der eigentlichen Frucht noch nichts zu sehen ist. Der IT-Manager trägt einen Strohhut auf seinem braun gebrannten Kopf und schenkt Müller-Thurgau von seinem Weinberg aus. „Anfang der 90er-Jahre haben wir unseren Teil des Krapenberges gepachtet. Wir wollten Weinbau als Hobby betreiben und das machen wir auch heute noch“, erzählt er. Verpächter ist das Weingut Hoflößnitz, an das die Trauben verkauft werden. Fünf Hobbywinzer kümmern sich derzeit um den Wein am Krapenberg. Manfred Dubrows Liebling ist der Kerner: „Der hat eine ausgeprägte Säure, ist ausgewogen und hat ein schönes Aroma.“ Wein aus dem Supermarkt hat er nur als Student gekauft. Der Ertrag darf 800 Kilogramm nicht überschreiten, damit die gute Qualität gesichert ist. Daraus werden zirka 800 Flaschen Wein. Die Arbeitsspitze haben die beiden hinter sich. Von März bis Mai gibt es am meisten zu tun. Zurzeit wächst der Wein fünf bis zehn Zentimeter am Tag. Das heiße Wetter begünstigt das Wachstum. „Ehe ich den Wein nicht in der Kiste habe, sage ich gar nichts“, sagt der Winzer auf die Frage zur Qualität. Aber die Bedingungen und die Stöcke sehen gut aus. Wenn das Wetter die nächsten Tage so bleibt, ist das gut für die Gescheine, die dann bald zu blühen beginnen. Jetzt will Manfred Dubrow zurück zu den Gästen und eine weitere Führung durch den Krapenberg anbieten.