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Wein-Freuden trotz Corona

Die 21. Tage des offenen Weinguts haben auch unter Pandemiebedingungen viel Anklang gefunden. Dabei war diesmal einiges anders.

Erstmals an dieser Stelle dabei: Winzer Enrico Friedland (Mitte) stößt mit treuen Kunden auf seine neu eröffnete Besenwirtschaft am Radebeuler Planetarium an. Manuela (2.v.l.) und Henner Schubert (li.) sowie Manja und Stefan Kessel genießen bei einem
Erstmals an dieser Stelle dabei: Winzer Enrico Friedland (Mitte) stößt mit treuen Kunden auf seine neu eröffnete Besenwirtschaft am Radebeuler Planetarium an. Manuela (2.v.l.) und Henner Schubert (li.) sowie Manja und Stefan Kessel genießen bei einem © Norbert Millauer

Von Ulrike Keller

Radebeul. Glück für das Vierergespann. Schuberts und Kessels ergattern das gerade frei gewordene Plätzchen direkt an der Holzbrüstung. Unter ihnen reihen sich Rebstöcke in Steillage, vor ihnen breitet sich das Elbland aus. Nur wenige Meter Luftlinie entfernt: das Radebeuler Planetarium. "Der Ausblick ist schön", schwärmt Manja Kessel. Ehemann Stefan nickt. Er mag das Ambiente mit den nordischen Holzhäuschen.

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Seit Jahren schon sind sie an den Tagen des offenen Weinguts zusammen mit ihren Freunden Manuela und Henner Schubert unterwegs. "Diesmal wollten wir die neue Besenwirtschaft hier kennenlernen", erzählt Henner Schubert. Er gehört zu den treuen Kunden von Winzer Enrico Friedland, der das Areal dieses Jahr übernommen hat. Dieser ist just mit fünf Gläsern Wein zur Stelle und begrüßt die Gäste.

Es ist das erste offiziell beworbene Wochenende, das seine Weinwirtschaft am Radebeuler Neufriedstein geöffnet hat. Doch diese Uraufführung geht mit einer anders gearteten Premiere einher. Zum ersten Mal finden die Tage des offenen Weinguts unter Pandemiebedingungen statt. Die Liste der Programmänderungen auf der Internetseite ist lang. Einige Veranstaltungsorte fallen ersatzlos weg, etwa das Weingut Schuh in Sörnewitz. Andere passen ihr Angebot an.

Dreier-Weinprobe musste entfallen

Enrico Friedland zum Beispiel hat die Dreier-Weinprobe gestrichen. "Sonst hätten wir die dreifache Menge an Gläsern, die bei 85 Grad Celsius gespült werden muss", erklärt er. "Unsere Spülkapazitäten sind begrenzt, und die Spülmaschine braucht ihre Zeit." Manch ein Gast vermisst diese günstigere Kostprobe für 7 Euro. "Es ist ja auch ein preislicher Aspekt", sagt ein Dresdner. Enrico Friedland erläutert: "Unsere Preise sind ganz normale Veranstaltungspreise, die wir auch nicht erhöht haben. Leben und leben lassen in Corona-Zeiten."

Die Tische hat er in einem Abstand von 1,60 bis 1,70 Meter aufgestellt. Maximal 150 Gäste darf er hereinlassen. Weit weniger als unter normalen Umständen.

Am Eingang verbreiten Musiker mit lateinamerikanischen Rhythmen sommerlich leichte Klänge. Anders als viele andere Winzer hat sich Enrico Friedland für eine Live-Band entschieden. Dabei stehen die Künstler an diesem Sonnabendnachmittag auf einer ausreichend großen Fläche, um 1,50 Meter Abstand zueinander zu halten. Dass das Tanzverbot in dieser Atmosphäre in Vergessenheit geraten könnte, befürchtet Enrico Friedland nicht. "Das ist kein Thema, weil der Platz zum Tanzen gar nicht da ist." Kessels und Schuberts wissen die Musik im Hintergrund zu schätzen.

Lieber zu Fuß als mit dem Shuttlebus

"Ich staune, wie es sich doch füllt", stellt Manuela Schubert fest und beobachtet: "In der Schlange am Ausschank halten manche Abstand und manche weniger."

Weiter wollen die befreundeten Paare dann zu Fuß. Auf den Shuttleverkehr verzichten sie im Corona-Jahr lieber. "Die Busse sind oft sehr voll", erinnert sich Manja Kessel. "Ich weiß nicht, ob da die Maske als Schutz ausreicht."

Viele Wanderer sind auch auf Achse in Richtung des Meißner Weinguts Ricco Hänsch. Das Besondere hier: Um das Geschehen zu entzerren, hat der Winzer 50 weitere Sitzplätze in der Rebfläche geschaffen. Es ist Sonnabend kurz vor 14 Uhr. Alle Stühle, Bänke, Sonnenliegen sind besetzt.

Neues Platzkonzept: Der Meißner Winzer Ricco Hänsch (r.) hat zusätzliche Sitzgelegenheiten in der Rebfläche geschaffen. Stammgast Bernard Wanzek und Ex-Weinkönigin Lisa Leinemann freuen sich, dass die Veranstaltung trotz Corona stattfindet.
Neues Platzkonzept: Der Meißner Winzer Ricco Hänsch (r.) hat zusätzliche Sitzgelegenheiten in der Rebfläche geschaffen. Stammgast Bernard Wanzek und Ex-Weinkönigin Lisa Leinemann freuen sich, dass die Veranstaltung trotz Corona stattfindet. © Norbert Millauer

Neben Riesling-Weinstöcken hat sich auch Bernard Wanzek aus Halle an der Saale niedergelassen. An den Tagen des offenen Weinguts zieht es den 66-Jährigen regelmäßig in das mediterran anmutende Refugium von Ricco Hänsch. "Ich bin angenehm überrascht, dass der Zulauf trotz der Pandemie so groß ist", sagt der Hallenser.

Die Sächsische Weinkönigin 2018/2019, Lisa Leinemann, gesellt sich hinzu. "Es ist enorm wichtig, dass diese Tage stattfinden", unterstreicht sie. "Auch für die Leute und für die Region." Sie findet, dass sich die Winzer gut darauf eingestellt haben.

Das Coswiger Weingut Matyas etwa hat ebenfalls die Tische weiter auseinandergerückt und dabei den Weinberg als Fläche mit einbezogen. Es kann sogar die Dreier-Probe anbieten. "Wir haben zwei Glasspülmaschinen und Spüler zum Polieren", sagt Inhaberin Andrea Leder.

Winzerpaar bedient die Gäste

Das Weingut Lehmann in Diesbar-Seußlitz hat unter anderem eine individuelle Lösung gegen Gedränge beim Anstehen am Ausschank gefunden: Alle Gäste werden bedient, und zwar vom Winzerehepaar selbst. "Das kommt sehr gut an", berichtet Gattin Maria Lehmann. Auch zusätzliche Lounge-Möbel und Sonnenliegen stehen bereit.

Bei Ricco Hänsch in Meißen heißt die Umsetzung der Corona-Regeln: keine Kellerführungen wegen des Abstandsgebots. Keine Weinbergführungen, um die Gäste auf den Plätzen in der Rebfläche nicht zu stören. Auch keine Dreier-Weinprobe. "Das Hauptproblem ist die Bereitstellung der sterilen Gläser", sagt er. "Mit der Dreier-Probe würden wir das Problem verdreifachen." Aber bisher habe nur ein Gast danach verlangt. "Er hatte Verständnis für unsere Erklärung." Überlegenswert findet Ricco Hänsch, in der Krise zu kommunizieren, dass jeder sein eigenes Glas mitbringt.

Gerade ist der Musiker eingetroffen. Das Bühnenprogramm hat der Winzer eingedampft: von einer Band auf einen Gitarristen und ohne Bühne. "Das kulturelle Flair fehlt dieses Jahr", bedauert der Hallenser Stammgast Bernard Wanzek. "Ich hätte mir gewünscht, dass die Politik für die Künstler bis zum jetzigen Zeitpunkt eine Lösung findet, die Auftritte unter bestimmten Bedingungen ermöglicht." Weniger ins Gewicht fällt dieser Aspekt für Ex-Weinkönigin Lisa Leinemann: "Man sieht, dass die Leute Spaß haben", sagt sie. Ein einzelner Künstler reiche unter diesen Bedingungen völlig. "Dem Flair tut das keinen Abbruch."

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