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Meißen

Wein ist seiner Zeit voraus

Die Beeren sind bereits erbsengroß. Und es gibt noch eine zweite sehr gute Nachricht für die Winzer.

Wie gemalt: Dank anhaltender Wärme und Trockenheit haben die Trauben im Anbaugebiet Sachsen zeitlich erneut einen deutlichen Vorsprung in der Reife gegenüber durchschnittlichen Jahren.
Wie gemalt: Dank anhaltender Wärme und Trockenheit haben die Trauben im Anbaugebiet Sachsen zeitlich erneut einen deutlichen Vorsprung in der Reife gegenüber durchschnittlichen Jahren. © Claudia Hübschmann

Elbland. Thomas Herrlich hat genau Buch geführt. „Wir sind 2019 schon wieder zehn bis 14 Tage vor dem langjährigen Mittel“, so der Vincenz-Richter-Winzer. Das warme bis heiße Wetter in der ersten Jahreshälfte treibt die Reife auf dem Meißner Kapitelberg voran. Gut erbsengroß sind die Beeren bereits, die Trauben hängen.

Der Regen in den letzten Tagen kam Herrlich zufolge wie gerufen. Die Niederschläge sollten sich positiv auf die gesamte Traubenentwicklung auswirken, sagt er. Gleichzeitig sorgten Wind und Trockenheit dafür, dass sich Pflanzenkrankheiten und -schädlinge in Grenzen halten. Aufpassen müsse man trotzdem. Ohne Pflanzenschutz gehe es auch in diesem Jahr nicht, sagt der Winzer.

Gesicherte Nahversorgung in der Elbgalerie
Gesicherte Nahversorgung in der Elbgalerie

Die Apotheke, Drogerie und der Lebensmittelhandel haben in der Elbgalerie weiterhin für Sie geöffnet und freuen sich auf Ihren Besuch.

Aktuell sind Thomas Herrlich und seine Mitarbeiter mit Laubarbeiten beschäftigt, Es wird ausgedünnt und entblättert. Vorsichtig wagt der Meißner eine Prognose: Wenn das Wetter keine großen Streiche spiele, könnte die Lese – ähnlich wie beim Ausnahmejahrgang 2018 – bereits Ende August beginnen. Für das im Vergleich mit südlicheren Anbaugebieten eher kühle Elbtal-Klima wäre das ein sehr zeitiger Start.

Auf der linken Elbseite bestätigt Annekatrin Rades vom Weingut Rothes Gut die Analyse ihres Kollegen. „Bis jetzt rechnen wir mit einem ganz normalen, durchschnittlichen Ertrag“, teilt sie auf SZ-Nachfrage mit. Durch die Löss-Lehmböden auf den Höhen über Meißen gebe es keine Probleme mit der Trockenheit. Wenn es so weiter geht, könnte im Elbtal erneut ein Spitzenjahrgang wie 2018 heranreifen.

Dieser kommt Rades zufolge bei den Kunden sehr gut an. Ein Teil sei bereits ausgetrunken. Zufrieden mit dem Verkauf zeigt sich auch Vincenz-Richter-Winzer Thomas Herrlich. Bis auf zwei Weine von 2017 seien jetzt alle Sorten von 2018 in der Vinothek im Angebot. Er könne nur jedem empfehlen, den 2018er zu probieren, vor allem die Spätlesen. Zu diesem Zweck habe sein Weingut ein besonderes Probierpaket von sechs verschiedenen 2018er Weißweinen zusammengestellt.

Die Weine 2018 waren so gut, dass die kräftigen unter ihnen im Radebeuler Weingut Friedrich Aust erst im August abgefüllt werden. Für den aktuell im Wuchs befindlichen Wein sind Aust und seine Leute gerade dabei die Seite der Vormittagssonne zu entblättern. Jetzt muss Sonne ran zum Reifen. Der Winzer sieht in den vermehrten Sonnentagen auch einen Vorteil, es gibt viel weniger Pilze. Und, während die Winzer im Badischen Raum etwa schon viel zu viel Sonne haben, um noch Riesling anbauen zu können, passt es hier jetzt genau.

Junganlagen fehlt der Regen

Allerdings macht den Steillagenwinzern die Trockenheit zu schaffen. Aust: „Unsere jungen Lagen mit der Scheurebe haben noch nicht so tiefe Wurzeln. Die müssen wir bewässern.“

 Ähnlich geht es Felix Hößelbarth, dem Keller- und Weinbaumeister der Hoflößnitz. „Wir versuchen sogar einzelnen Stöcken mit einer Art Spritze in die Erde jeweils fünf Liter mit einem Schuss zuzuführen. Allerdings ist das sehr aufwendig“, so Hößelbarth. Selbst die älteren Stöcke reichen mittlerweile nicht mehr tief genug ans Wasser ran.

 Er sieht den Reifestand etwa eine Woche hinter dem vom letzten Jahr, jedoch deutlich im Vorsprung zu Durchschnittsjahren. Vermutlich werden auch wir im August schon wieder mit der Ernte beginnen, etwa mit der Frühsorte Solaris. 

Für die 2018er Weine trudeln auf der Hoflößnitz bereits die ersten Nachrichten von Wettbewerbsbeteiligungen ein, sagt der Kellermeister. „Und die klingen alle richtig gut.“

Gute Nachrichten für die Winzer gibt es unterdessen nicht nur aus den Weinbergen und vom Wetter. Der Jahresbericht 2018 der Landesuntersuchungsanstalt Sachsen hält für sie ebenfalls eine positive Botschaft bereit. Auf zwei Seiten haben die staatlichen Weinüberwacher die Ergebnisse ihrer Arbeit im vergangenen Jahr protokolliert. Sie kommen zu dem Fazit: „Qualität und Sicherheit der edlen Tropfen gewährleistet – 99 Prozent ohne Beanstandung.“

Der Vorstandsvorsitzende des Weinbauverbandes Sachsen Michael Thomas Weine sieht diese Einschätzung als Ergebnis der nachhaltigen Arbeit in den letzten Jahren. „Weine aus Sachsen unterliegen der strengsten Qualitätssicherung aller Anbaugebiete“, sagt er. Das System sei einmalig.

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