merken
PLUS

Weinbergskirche heizt jetzt mit Abwasser

Seit Monaten wird das Gotteshaus saniert. Gestern ging die erste neue Anlage in Betrieb.

Von Kathrin Kupka-Hahn

Bei sommerlichen Temperaturen verschwenden die Wenigsten Gedanken an ihre Heizung. Nicht so in der Weinbergskirche Trachenberge. Das Gotteshaus wird seit Jahresbeginn für rund 950 000 Euro saniert. In den vergangenen Wochen wurde eine neue, außergewöhnliche Heizungsanlage eingebaut. Sie soll künftig dafür sorgen, dass die Kirche immer um die 14 Grad Celsius wohltemperiert ist, aber so wenige Kosten als möglich verursacht.

Oppacher Mineralquellen
Genieß‘ die Heimat mit Oppacher!
Genieß‘ die Heimat mit Oppacher!

Im grünen Herzen des waldreichen Landschaftsschutzgebietes Oberlausitzer Bergland sprudelt ein ganz besonderer Schatz: Oppacher Mineralwasser, das überall dort zu Hause ist, wo Menschen ihre Heimat genießen.

Deshalb haben Kirchenvorstand Florian Reißmann und seine Mitstreiter nach einer alternativen Wärmequelle gesucht. Fündig wurden sie im Abwasserkanal, der nur wenige Meter von der Kirche entfernt in der Albert-Hensel-Straße verläuft. Täglich rauschen hier Tausende Liter Abwasser aus Hellerau, Klotzsche und den nördlichen Industriegebieten durch. Deren durchschnittliche Temperatur beträgt sogar im Winter zwölf Grad Celsius. „Und die reichen aus, um Wärme für die Kirche zu gewinnen“, erklärt der Heizungsplaner Hendrik Herrmann vom Ingenieurbüro Dr. Scheffler und Partner. Die Wärme aus dem Kanal wird über Edelstahlbleche gewonnen. „Sie nehmen die Temperatur des Abwassers auf und geben sie an ein mit Sole gefülltes Rohr weiter“, erklärt der Ingenieur. Dieses führt in den Keller der Kirche und transportiert die erwärmte Sole in einen Wärmetauscher. Hier wird die Vorlauftemperatur der Heizung auf 35 bis 40 Grad erhitzt. „Etwa 70 Prozent der benötigten Wärme können wir auf diesem Weg erzeugen“, so Herrmann. Die restlichen 30 Prozent, wenn beispielsweise die Temperatur in der Kirche höher als 14 Grad Celsius sein muss, liefert eine Gasbrennwerttherme. Gestern wurde diese außergewöhnliche Heizungsanlage im Beisein von Landesbischof Jochen Bohl und dem Sächsischen Umweltminister Frank Kupfer (CDU) offiziell in Betrieb genommen.

Doch es gibt noch mehr innovative Arten der Energiegewinnung an der Weinbergskirche. Seit 2002 befindet sich auf dem Dach des Gotteshauses eine Solaranlage. Sie hatte sich nach zehn Jahren amortisiert und warf seit 2012 Gewinn ab. „Damit konnten wir unsere Betriebskosten finanzieren“, erklärt Pfarrer Michael Schlage. Momentan sind Fachleute dabei, eine neue Solaranlage auf dem Kirchendach zu montieren. Diese wird noch leistungsfähiger sein und unter anderem den Strom für den Betrieb des Wärmetauschers der Heizung erzeugen.