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Handbiker geht Weltrekord an

Der Ausdauersportler Lars Hoffmann hat in seiner sportlichen Laufbahn viel erreicht. Am Wochenende stellt er sich über 24 Stunden einer neuen Herausforderung.

Schafft in seinem speziellen Liegerad unglaubliche Leistungen: Der Weinböhler Rad-Profi Lars Hoffmann möchte am Wochenende einen Weltrekord knacken.
Schafft in seinem speziellen Liegerad unglaubliche Leistungen: Der Weinböhler Rad-Profi Lars Hoffmann möchte am Wochenende einen Weltrekord knacken. © Robert Michael

Weinböhla/Ebersbach. Der Blick von Lars Hoffmann dürfte in diesen Tagen öfter auf die Wetter-App schwenken. Bleiben die 24 Stunden ab Sonnabend, 20 Uhr, trocken oder zumindest ohne heftige Gewitter? Der 51-Jährige hat sich für diese Zeit viel vorgenommen. 

Ursprünglich für dieses Frühjahr geplante Wettbewerbe und Projekte hatte der  Handbiker aufgrund der Pandemie nicht realisieren können. So wollte er eigenen Angaben zufolge am 20. und letzten Rennen des European Handcycling Circuit zu Ostern in Frankreich teilnehmen. Im April sollte es eigentlich auf die Balearen gehen, um dort beim Mallorca 312, einem der bekanntesten Radrennen, zu starten.

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Stattdessen raste der Weinböhlaer solo im Liegenrad über die zugänglichen Fahrradpisten und versuchte, auf diese Weise seine Form zu halten beziehungsweise sie zu steigern. An diesem Wochenende soll die Probe aufs Exempel folgen. Um die im individuellen, harten Training erworbene Form unter Wettkampfbedingungen zu testen, will Hoffmann einen spektakulären Rekordversuch wagen. Das teilte jetzt sein Verein, der SV Elbland Coswig-Meißen, mit. 

So es die äußeren Bedingungen zulassen, startet der Ausdauersportler am 27. Juni, voraussichtlich 20 Uhr, zu einer 24-Stunden-Solofahrt auf öffentlicher Straße. Als Strecke hat er sich die Straße zwischen dem Parkplatz gegenüber vom Gasthof Klitzsch im Ebersbacher Ortsteil Rödern und dem Kreisverkehr Folbern ausgewählt. Hin und zurück ist die Runde über Freitelsdorf,  Bieberach und Kalkreuth etwa 21 Kilometer lang. 

Unterstützer gesucht

Der bisherige Weltrekord für Handbiker, aufgestellt von Thomas Lange 2009 im nordamerikanischen Sebring, liegt bei 649,85 Kilometern in 24 Stunden. Der Deutsche erzielte die im Guinness-Buch der Rekorde eingetragene Leistung am 23. Februar 2009. Noch im gleichen Jahr verstarb der gehbehinderte Berliner und Pilot bei einem Flugzeugabsturz.

Hoffmann möchte diese Marke überbieten, was dem Radsport-Verantwortlichen beim SV Elbland Rolf Baum zufolge bei seinen Trainingsergebnissen unter guten Bedingungen durchaus machbar erscheint. "Aus reichlich Langstreckenerfahrung per Rennrad weiß ich aber, dass ein 24-Stunden-Event kein Selbstläufer ist", so Baum weiter. Selbst wenn die Form perfekt sei. Es könne viel passieren und der "innere Schweinehund" müsse sicherlich mehrfach überwunden werden.

Baum würde sich aus diesem Grund wünschen, dass permanent Zuschauer und Begleiter an der Strecke sind. "Lars würde sich freuen, wenn zahlreiche Radsportler und Triathleten zeitweise oder auch dauernd mit ihm fahren", sagt der Fahrrad-Enthusiast. Auf dem Parkplatz in Rödern soll ein kleines Fahrerlager mit Umkleide- und Verpflegungsmöglichkeit eingerichtet werden. Sollte sich am Zeitplan wegen widriger Umstände etwas ändern, werde der SV Elbland kurzfristig auf seiner Internetseite darüber informieren.

Grenzerfahrung nicht mehr missen

Für den Handbiker Lars Hoffmann ist sein neues Vorhaben eins von vielen Projekten, die er in den vergangenen Jahren angegangen hat. Vergangenes Jahr im Mai zeigte der querschnittsgelähmte Behindertensportler bei der Oldtimer-Rallye HSR Classic mit seinem Rennrollstuhl den Autofahrern, was Muskelkraft vermag. Er schaffte es, über die Hälfte der Strecke von Radebeul-Lindenau nach Hoyerswerda noch vor den Autos im Etappenziel Hoyerswerda zu sein. 

Dabei war Sport, geschweige denn Leistungssport, ursprünglich kein Thema in seinem Leben. Doch seit seinem Motorradunfall 2004 und der damit verbundenen Querschnittslähmung ab dem sechsten/siebten Brustwirbel kam alles ganz anders. „Es war ein neues Leben, das ich plötzlich meistern musste“, sagt der Weinböhlaer Handbiker Lars Hoffmann. Das war nicht einfach, auch heute manchmal noch nicht, gibt der 51-Jährige offen zu. „Zwei bis drei Jahre hat es gedauert, bis ich die Situation so annehmen konnte. Man sieht das Leben aus einem anderen Blickwinkel. Und jeder Tag ist Lebenszeit, die nicht wiederkommt.“

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Das erste Bike erhielt Lars Hoffman bereits kurz nach dem Unfall. Gemeinsame Radausflüge mit der Familie an der Elbe waren das Ziel. Doch bis 2007 blieb es fast ausschließlich in der Garage stehen. Die Leidenschaft zu diesem Sport kam erst 2008, als er an seinem ersten 20-Kilometer-Halbmarathon in Dresden teilnahm. Die vielen Leute am Straßenrand, das Anfeuern, das motivierte ihn. Auch wenn ihm alle Muskeln schmerzten, da er weit über seine Leistungsgrenze ging. Doch genau diese Grenzerfahrung wollte Lars Hoffmann von nun an nicht mehr missen. 

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