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Meißen

Weinfest ohne Happy-End

Alter schützt vor Torheit nicht. Einem 82-Jährigen kommt eine solche teuer zu stehen. Und sie kostet ihn nicht nur Geld.

Tief ins Weinglas geschaut hat ein 82-jähriger Niederauer beim Weinfest in Weinböhla. Das ist nicht schlimm. Doch dann macht er einen verhängnisvollen Fehler.
Tief ins Weinglas geschaut hat ein 82-jähriger Niederauer beim Weinfest in Weinböhla. Das ist nicht schlimm. Doch dann macht er einen verhängnisvollen Fehler. ©  dpa / Symbolbild

Meißen. Der Anwalt gibt seinem Mandanten noch kurz einen Hinweis: „Wenn die Richterin reinkommt, müssen Sie aufstehen.“ Der 82-Jährige ist ein erfahrener Mann, nur eines ist er nicht: gerichtserfahren. Es ist das erste Mal in seinem Leben, dass er vor Gericht sitzt. Und das, weil der Niederauer eine große Torheit begangen hat. Alter schützt eben vor Torheit nicht.

Es sollte ein schönes Weinfest in Weinböhla werden an jenem Augusttag vorigen Jahres. Mit seiner Frau und Freunden trifft er sich, und es fließt auch reichlich Wein. Dabei sei es ihm an diesem Tag gar nicht gut gegangen. „Das Essen schmeckte nicht, der Wein auch nicht, und die Musik hat mir nicht gefallen“, sagt er. 

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Allerdings hat er dann doch mehr als sechs Stunden durchgehalten. Es ist abends halb Elf, als die beiden nach Hause fahren wollen. Von Weinböhla nach Niederau ist es nur ein Katzensprung. Das Auto ist in einem Gewerbegebiet abgestellt, es ist dunkel, schlecht beleuchtet, die Straße voller Autos. 

Beim Rückwärtsfahren dann passiert es. Der Angeklagte stößt mit seinem Wagen an ein anderes Fahrzeug. Es gibt einen lauten Knall, ein Zeuge spricht später von einem „Einschlag“. Laut Gutachten entsteht an dem gegnerischen Fahrzeug ein Schaden von rund 7.800 Euro. 

Der Angeklagte weiß, was passiert ist. Und er müsste auch wissen, was zu tun ist, nämlich die Polizei zu rufen. Doch nach einer Schrecksekunde legt er den Vorwärtsgang ein und fährt einfach los. Weil er weiß, dass er betrunken ist?

Aber er hat Pech: Ein Zeuge beobachtet den Unfall, merkt sich das Kennzeichen des Toyota, ruft die Polizei. Die kreuzt einige Zeit später bei dem Niederauer auf, holt ihn aus dem Bett. Konfrontiert ihn mit dem Vorwurf, einen Unfall verursacht und abgehauen zu sein. Bei dem Gespräch stellen die Beamten fest, dass der Mann nach Alkohol riecht.

 Ein Atemalkoholtest bestätigt den Verdacht, ergibt einen Atemalkoholgehalt von 0,88 Promille. Eine Blutentnahme wird angeordnet. Das Ergebnis knapp zwei Stunden nach der Tat: 0,81 Promille. Gefährdung des Straßenverkehrs, unerlaubtes Verlassen des Unfallortes und vorsätzliche Trunkenheit im Verkehr wirft ihm die Staatsanwaltschaft vor.

„Ich fahre seit 60 Jahren unfallfrei Auto“, sagt er, räumt ein, Wein getrunken zu haben, wie viel, wisse er nicht mehr. Er habe sich aber fahrtauglich gefühlt. Ja, auch seine Frau habe nach Hause fahren können, doch das sei gar kein Thema gewesen.

Dass ein alter Mann im Dunkeln beim Ausparken an ein anderes Auto fährt, dies hätte auch ohne Alkohol passieren können, argumentiert der Verteidiger, zumal sein Mandant keinerlei Ausfallerscheinungen gehabt habe. Die Staatsanwältin lässt sich nicht darauf ein. 

Wenn man den Blutalkoholwert auf den Unfallzeitpunkt zurückrechne, käme man nahe an die Grenze der absoluten Fahruntauglichkeit. Diese liegt bei 1,1 Promille. „Da müssen wir nicht mehr diskutieren, ob der Unfall alkoholbedingt war oder nicht“, sagt sie.

Das sieht auch die Richterin so. Sie verurteilt den Niederauer zu einer Geldstrafe von 4.950 Euro. Die Fahrerlaubnis wird ihm entzogen, der Führerschein eingezogen. Frühestens in einem Jahr bekommt er ihn wieder. Und das ist noch nicht alles. Die Versicherung hat ihm sofort gekündigt, nimmt ihn in Regress. Das heißt, er muss den angerichteten Schaden vollständig selbst zurückzahlen. Ein Weinfest ohne Happy-End.

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