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Weißer Pfeil überm Kellerfenster

Im Stadtgebiet gibt es noch heute Hinweise auf Luftschutzräume und -keller.

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In den 1930er Jahren begann man in Deutschlands Großstädten, Luftschutzbunker zu errichten. Die faschistische deutsche Wehrmachtsführung war sich schon damals im Klaren, dass eine kriegerische Auseinandersetzung in Europa auch von einem verheerenden Luftkrieg begleitet würde. Ab 1940 wies der Oberbefehlshaber der deutschen Luftwaffe, Hermann Göring, für sogenannte Luftschutzorte 1. Ordnung den Bau von Tief- oder Hochbunkern aus Stahlbeton an. Luftschutzorte 1. Ordnung waren die Großstädte und wichtigen Industrieanlagen. Kaum jemand dachte zu der Zeit an Luftschutzkeller oder -räume in Wohnhäusern von Mittel- und Kleinstädten.

Vor allem die westlichen Alliierten unternahmen aber gewaltige Anstrengungen, modernste Bomberflotten zu bauen, die jeden Punkt im sogenannten Großdeutschen Reich zu jeder Zeit mit Flächenbombardements erreichen konnten. Jede noch so kleine deutsche Stadt von einigermaßen kriegswichtiger Bedeutung bekam das im Kriegsverlauf zu spüren. Zittau blieb eigenartigerweise davon bis in die allerletzten Kriegsstunden (!) verschont. Zittau mit den ZITT-Werken war einfach nicht ins Fadenkreuz der anglo-amerikanischen Geschwader gelangt. Die Herstellung von Düsentriebwerken für modernste Jagdbomber und Jagdflugzeuge – die sogenannten Wunderwaffen – war tatsächlich bis Kriegsende ein ungelöstes Geheimnis geblieben. Davon konnten die Stadtoberen natürlich nicht ausgehen und richteten Luftschutzräume und -keller im gesamten Stadtgebiet ein. Ab 15. März 1944 war das Anbringen von langen, zehn Zentimeter breiten, weißen und fluoreszierenden Pfeilen an Hauswänden im Fundamentbereich zur Pflicht geworden. Fluoreszierend deswegen, damit sie auch im Dunklen erkennbar waren. Pfeile deswegen, weil der dahinterliegende Keller von „Blockwarten“, meist kriegsuntauglichen, aber erfahrenen ehemaligen Soldaten der Wehrmacht als geeignet ausgewiesen worden war. Oft wurden, vor allem bei größeren Luftschutzräumen, drei Großbuchstaben – LSK oder LSR für Luftschutzkeller bzw. Luftschutzraum – neben oder über den oder die Pfeile geschrieben.

Heutzutage, nach über 70 Jahren, finden sich Buchstaben und Pfeile nur noch selten an Hauswänden. Sofern sie die Zeit überdauert haben, geben sie Kunde davon, dass an dem betreffenden Gebäude mindestens siebzig Jahre weder ein Neuanstrich noch ein Neuverputz stattgefunden hat. (brt)

Wenn auch Sie Zittauer Besonderheiten kennen, geben Sie uns einen Hinweis: [email protected]