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Weißes Kaolin verhalf Böttgers Kunst zum Durchbruch

1710 wird die erste Porzellanmanufaktur in Meißen per königlichem Dekret gegründet.

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Von Ulrich Pietsch

Die Verschwörung hatte nicht nur die Flucht der Arrestanten, sondern erneut den Sturz Augusts des Starken zum Ziel. Böttger schloss sich den Verschwörern wohl vor allem deswegen an, weil er auf die Erlangung seiner Freiheit hoffte.

Als seine drei Mitarbeiter durch Zufall von den geheimen Plänen erfuhren, wurde ihm die Sache zu gefährlich, sodass er am geplanten Fluchttag, dem 9.oder 10. März 1707, die in die Verschwörung verwickelten dreiundzwanzig Personen an den Festungskommandanten, Feldmarschall Graf von Zinzendorf, verriet. Böttger verlangte, den König unter vier Augen sprechen zu dürfen,– wenigstens für eine halbe Stunde, da „jenes Große ziemlich vollendet sei“.

Schließlich befahl der König, Tschirnhaus und Dr. Bartholomaei sollten Böttger im Beisein eines Offiziers am 8. Juni 1707 nach Dresden bringen, wo er ihn anhören wolle. Worüber die beiden gesprochen haben,und was Böttger dem König anvertraute, ist jedoch nicht überliefert.

Laboratorium in Kasematten

Nachdem Böttger nach dem Abzug der Schweden für einige Tage im Residenzschloss untergekommen war, brachte man ihn am 30.September 1707 in das für ihn eingerichtete Laboratorium in den Kasematten der Jungfernbastei und wies ihm eine Wohnung in einem schlichten Gebäude neben dem Lusthaus an. Hier begannen nun tatsächlich unter der Oberaufsicht von Michael Nehmitz, der technischen Überwachung durch Tschirnhaus und der Aufsicht durch Johann Jacob Bartholomaei Böttgers keramische Versuche.

In den drei als Laboratorien ausgebauten Kasemattengewölben der Dresdner Jungfernbastei arbeiteten der Hofapotheker Werner, Böttger und schließlich auch Tschirnhaus. Böttger erhielt ab 1.Oktober 1707 monatlich eine Zuwendung von 400 Talern, mit der sämtliche Ausgaben zu begleichen waren. Ab 1708 wurde dieser Betrag auf 750 Taler erhöht. Auch der verarmte Tschirnhaus stand bei Böttger auf der Personalliste und wurde ab Dezember monatlich mit 100 Talern besoldet. Wenn Böttger auch weiterhin wie ein Gefangener gehalten und beaufsichtigt wurde, so räumte man ihm bei seinen Unternehmungen die größte Handlungsfreiheit ein, denn neben dem Goldarkanum, an dem Böttger sicher parallel zu den Keramikexperimenten weiterarbeitete, war der König daran interessiert, die Wirtschaft seines Landes durch die Einrichtung von Manufakturen zu fördern. Dies verkündete er in seinem Dekret vom 20. November 1707, mit dem er gleichzeitig die Vorgaben für die „von Johann Friedrich Böttger anzurichtenden und in Stand gesetzten Manufacturen“ festsetzte. Ganz offensichtlich erhöhte August der Starke damit den Druck auf Böttger, der zunächst einmal dort ansetzte, wo er zusammen mit Tschirnhaus und Pabst im Mai 1706 vor seinem Aufenthalt auf dem Königstein erfolgreich gewesen war: bei der Steinzeugherstellung. Auch das später sogenannte „Böttgersteinzeug“ oder auch als „rotes Porzellan“ oder „Jaspisporzellan“ bezeichnete Produkt von Böttger, Pabst und wohl auch Tschirnhaus wurde weiter vervollkommnet.

In den letzten Tagen des Jahres 1707 war es dann endlich so weit: August der Starke erschien mit Fürstenberg in Böttgers Laboratorium.

Teil 1 am 8.1., Teil 2 am 9.1, Teil 3 am 12./13.1., Teil 4 am 15.1, Teil 5 am 22.1.; Teil 6 am 29.1., Teil 7 am 2.2., Teil 8 am 4.2.; Teil 9 am 11.2.; wird fortgesetzt.