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Weißiger Eltern wehren sich gegen Umzug nach Seidnitz

Wenn die Oberschule ab August saniert wird, müssen die Schüler auf den Berthelsdorfer Weg. Das ist zu weit, sagen Kritiker.

Von Kay Haufe

Der Preis für eine frisch sanierte und erweiterte Oberschule erscheint vielen Hochland-Eltern sehr hoch: Ab August 2014 müssen Schüler und Lehrer während der Bauzeit nach Seidnitz umziehen. Das jetzt von einer Berufsschule genutzte Gebäude auf dem Berthelsdorfer Weg biete gute Voraussetzungen, um dort 18 Monate guten Unterricht zu gestalten, sagt Michael Fücker vom Schulverwaltungsamt. Doch auch er gibt zu, dass der Weg vom Hochland nach Seidnitz lang ist.

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Eltern sehen mit der Auslagerung Probleme auf ihre Kinder zukommen. „Im morgendlichen Berufsverkehr benötigen die Busse sehr viel Zeit. Wir rechnen mit mehr als zwei Stunden Schulweg pro Tag“, sagte Mutter Anja Quast in einer Ortschaftsratssitzung. „Danach müssen Hausaufgaben erledigt werden. Den Vereinen werden die Mitglieder verloren gehen, weil keine Zeit mehr für Sport bleibt“, befürchtet sie. Ihr jüngster Sohn habe bereits während der Sanierung der Schönfelder Grundschule täglich nach Bühlau fahren müssen. Die Busse des öffentlichen Nahverkehrs seien fast immer überfüllt gewesen, so Anja Quast. Das möchte sie ihrem Kind nicht noch einmal zumuten.

Deshalb favorisierte der Ortschaftsrat auch eine andere Variante für die Auslagerung. Die Stadt solle vorrangig einen Containerstandort prüfen. Dafür war auch ein Vertreter der Firma Beutlhauser im Ortschaftsrat anwesend, der Miet- und Kaufangebote für eine Containerschule unterbreitete. Seine Summen lagen deutlich unter den 2,9 Millionen Euro, die Michael Fücker für eine Containerlösung veranschlagte. „Unsere Kinder sollten es wert sein, dass sie die beste Variante für sie finden“, sagte ein Vater.

Schulleiterin Silvia Förster erklärte gestern gegenüber der SZ, dass vier individuell verkehrende Busse für den morgendlichen Schülerverkehr vorgesehen sind. „Die Eltern werden aufgefordert, die besten vier Fahrtrouten inklusive der anzufahrenden Haltestellen gemeinsam mit uns festzulegen“, so Förster. Auch für den Nachhauseweg gebe es zwei Busabfahrtszeiten, an denen die Kinder zurück ins Hochland kämen. Die lägen bei 13.55 Uhr sowie 14.45 Uhr. Mit zwei Mittagspausen wolle man die Essenszeiten in Seidnitz entzerren. Außerdem wolle sie die Eltern zu einer Tour zur neuen Schule einladen, um die Gegebenheiten in Seidnitz kennenzulernen. „Dabei bekommen wir sicher auch einen Eindruck vom Schulweg“, sagt die Schulleiterin. Sie verstehe die Sorgen und Ängste der Eltern. „Grundsätzlich ist es aber kein sehr großer Teil der Elternschaft, der sich gegen die Auslagerung nach Seidnitz sträubt“, so Förster.

Um Bedenken zu zerstreuen, gebe es auch Überlegungen der Lehrer, nur an einzelnen Tagen Hausaufgaben zu erteilen. Die Essensversorgung werde weiter über die Volksküche erfolgen. „Alle Lehrer sind sehr motiviert, die 18 Monate in Seidnitz so gut wie möglich zu gestalten.“

Die Stadt will die Weißiger Mittelschule für 8,5 Millionen Euro umbauen und erweitern. Das jetzige Schulhaus stammt aus den 1970er-Jahren und entspricht nicht mehr den Anforderungen an Größe, Brandschutz und Sicherheit. In einem Neubau sollen die künftigen Klassenräume entstehen. Der sanierte Altbau soll die Fachkabinette aufnehmen. Beide werden durch eine Pausenhalle verbunden. Der Zugang zur Schule, der momentan über eine Treppe erfolgt, wird ebenerdig gebaut, sodass auch Rollstuhlfahrer problemlos hineinkommen.

Wie es mit der Weißiger Oberschule weitergeht, ist auch für die künftigen Fünftklässler aus den Grundschulen in Weißig, Schönfeld und Ullersdorf von Interesse. Denn sie müssen sich bald entscheiden, auf welche weiterführende Schule sie gehen möchten. „Ich habe gute Kontakte zu den Schulen und hoffe, dass wir auch trotz der Umstände wieder zwei Klassen füllen können“, sagt die Schulleiterin.