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Weißwasser schließt Einrichtungen

Die Auswirkungen des Corona-Virus sind nun im Alltag der Stadt angekommen. Ab Freitag sind Schwimmhalle, Eisarena & Co. dicht.

Wegen Corona ist die Schwimmhalle in Weißwasser ab sofort gesperrt.
Wegen Corona ist die Schwimmhalle in Weißwasser ab sofort gesperrt. © SZ/Archiv

Bisher waren das neuartige Virus und seine Folgen nur medial gegenwärtig. Nun sind sie da, quasi vor der Haustür.

Im Landkreis Görlitz gibt es aktuell fünf an Corona Erkrankte, davon einen in Weißwasser, und 28 Verdachtsfälle. Tendenz steigend. Wie sich die Lage entwickelt, weiß derzeit niemand. Entsprechend groß ist die Unsicherheit vieler Menschen. Doch die Verbreitung des Virus hängt von vielen Faktoren ab und kann verlangsamt werden, indem Ansteckungsquellen wie das Zusammensein vieler Menschen an einem ort oder direkte Übertragung durch Hände geben, anniesen, anhusten vermieden werden.

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Vorerst Sperrung statt Schließung

In Weißwasser setzt die Stadtverwaltung zum Schutz der Bevölkerung daher auf Prävention. Sie hat konkrete Schutzmaßnahmen festgelegt, die ab Freitag bis vorerst 29. März gelten. „Ab sofort sind Schwimmhalle, Eisarena Bibliothek und Glasmuseum gesperrt“, erklärte Oberbürgermeister (OB) Torsten Pötzsch gestern in ein einer eigens einberufenen Pressekonferenz. Gesperrt bedeutet, dass diese Einrichtungen für Besucher nicht mehr öffentlich zugänglich sind. „Würden wir sie schließen, hieße es, dass selbst Mitarbeiter nicht mehr die städtischen Einrichtungen betreten dürfen“, begründet Pötzsch die Wortwahl Sperrung. Dadurch, so der Stadtchef weiter, sei es möglich, die Zeit beispielsweise zum Abtauen der Eisfläche zu nutzen oder im Glasmuseum eine Inventur durchzuführen.

Auch darüber, dass sich für Bibliotheksnutzer automatisch die Ausleihfristen verlängern und somit keine Strafgebühren entstehen, informierte Torsten Pötzsch. Ob in der Schwimmhalle, wie geplant, ab kommenden Dienstag noch Schwimmunterricht stattfindet, war gestern noch offen. Laut OB laufe die Abstimmung mit den sechs betroffenen Schulen aus Weißwasser, Bad Muskau, Sagar und Schleife noch.

Eine Empfehlung der Stadt, vorerst auf Trainingseinheiten, Turniere, Kurse, Spiele und das gemeinsame Duschen in städtischen Turnhallen zu verzichten, erhalten zudem alle Sportvereine, Sportgruppen und Hobbymannschaften. „Derzeit entscheiden über solche Maßnahmen noch die Nutzer. Doch wenn es erforderlich wird, werden wir auch die Turnhallen schließen“, blickte der Stadtchef voraus.

Um Bevölkerung und Mitarbeiter zu schützen und die Virusausbreitung zu behindern, wurden im Rathaus auch zusätzliche Spender mit Desinfektionsmitteln angebracht. Kurzfristig erweitert hat die Stadt ihre Verträge mit beauftragten Reinigungsfirmen. Sie reinigen mit Desinfektionsmitteln nun zusätzlich zweimal täglich alle Klinken und Geländer in städtischen Einrichtungen. „Wir haben aus Gründen der Vorsicht und Ansteckungsgefahr außerdem die Kernarbeitszeiten der Verwaltung bis auf 22 Uhr ausgedehnt, damit das Personal zeitversetzt einsetzbar ist. Im Bürgerbüro wird verstärkt mit Terminen gearbeitet.“ All diese Festlegungen sollen die Ansammlung von vielen Menschen zur gleichen Zeit am selben Ort vermeiden.

„Es sind kleine Maßnahmen, aber ein Beitrag zur Prävention. Als Stadtverwaltung tragen wir schließlich Verantwortung“, begründet Pötzsch das Präventionspaket. Überzogen findet er es nicht. „Wir haben intern lange darüber beraten. Aber wir haben den ersten Krankheitsfall in Weißwasser und wissen nicht, wie sich die Lage entwickelt.. Selbst zwei Rathausmitarbeiter wurden bereits getestet. Zum Glück waren die Ergebnisse negativ.. Daher haben wir die Entscheidungen für die Maßnahmen getroffen, auch wenn sie zu Einschränkungen führen. Wir wollen aber damit versuchen, die weitere Virusausbreitung zu behindern und hoffen, dass es auch dadurch nicht zur Krisensituation kommt.“ Hinsichtlich Kitas und Schulen seien, laut Pötzsch, noch keine Festlegungen getroffen worden. Auch nicht vom Landkreis.

Vorsorglich vertagt hat der Kreis Görlitz als Veranstalter allerdings schon einige Messen, unter anderem die 2. Integrationsmesse „Ankommen und Leben im Landkreis Görlitz“. Selbst die öffentliche Impfsprechstunde im Gesundheitsamt des Kreises entfällt bis auf Weiteres. Mit solchen Präventionsmaßnahmen sowie Veranstaltungsverlegungen reagierte die Landkreisverwaltung nicht nur auf die Empfehlungen der Bundesregierung, wegen Corona keine öffentlichen Veranstaltungen ab 1.000 Personen mehr durchzuführen, sondern auch auf den seit gestern gültigen Erlass der Landesregierung, der solche Großveranstaltungen für unbestimmte Zeit untersagt.

Absagen von Großveranstaltungen

Nicht Tausend, aber hunderte Gäste laden OB Torsten Pötzsch und Stadtwerke Weißwasser zum traditionellen Frühjahrsempfang ein. Der sollte am 18. März stattfinden, ist nun abgesagt. Dies gilt ebenfalls für die am 21. März geplante Ausbildungs- und Erlebnismesse für Gesundheits- und Pflegeberufe in SKZ Telux sowie das Kinder- und Jugendevent „Splash & Fun“, das nur einen Tag später in der Schwimmhalle Weißwasser stattfinden sollte. „Wir wollen kein Ansteckungs- und Verbreitungsrisiko mit der Veranstaltung zum internationalen Tag des Wassers eingehen. Der vorbeugende Krisenstab der Stadtwerke Weißwasser hat daher die Absage beschlossen. Die Veranstaltung wird nachgeholt“, teilte Unternehmenssprecherin Bettina Brandt bereits mit, als noch nicht klar war, dass die Stadt die Schwimmhalle sperrt. Wie Brandt weiter sagte, haben die Stadtwerke alle Mitarbeiter, die aus einem ausgewiesenen Corona-Risikogebiet kommen, aufgefordert, unabhängig von möglichen Symptomen, nach Möglichkeit mobil von zu Hause aus zu arbeiten und eine mehrtägige Quarantänezeit einzuhalten. Selbst Dienstreisen und Pflichtschulungen seien abgesagt oder reduziert worden.

Vorerst keine Veranstaltungsausfälle gibt es dagegen im Sorbischen Kulturzentrum Schleife. Eiermalkurse mit Schulklassen, Kabarett, Ausstellungen und weitere Angebote finden wie geplant statt. „Es sind ja keine Riesenveranstaltungen“, begründet Leiterin Silvia Panoscha. Was den Schleifer Ostereiermarkt betreffe, der Tausende Besucher anzieht und am 28. und 29. März stattfinden soll, gebe es allerdings Überlegungen und Beratungen zwecks Absage. Noch seien, laut Panoscha, aber keine Entscheidungen getroffen.

Die Lage fest im Blick

Für ihre in den nächsten Tagen geplanten Veranstaltungen „im kleinen Rahmen“ sehen SKZ Telux Weißwasser, Fürst-Pückler-Stiftung Bad Muskau oder Volkshochschule Dreiländereck gleichfalls noch keine Absagegründe. „Die heutige Filmvorführung und das Schlossgespräch am 17. März finden statt. Wir haben die Entwicklung im Blick und reagieren, wenn es die Lage erfordert, kurzfristig“, erklärt Sophie Geisler von der Fürst-Pückler-Stiftung. Ähnlich schätzt Timo Schutza vom SKZ Telux die Situation ein. „Was geplant ist, wird durchgeführt. Es sei denn, es gibt zwischenzeitlich Anordnungen zuständiger Behörden.“

Darüber verständigt, dass allgemeine Schutzmaßnahmen unbedingt einzuhalten und Teilnehmer, Dozenten sowie Mitarbeiter dafür zu sensibilisieren sind, hat man sich bei der Volkshochschule Dreiländereck, die mit Einrichtungen im gesamten Landkreis vertreten ist. „Momentan gibt es keine Absagen von Kursen oder Angeboten und auch keine Krankmeldungen“, begründet Leiter Matthias Weber auf Tageblatt-Anfrage. „Aber wir werden, je nach Lage, täglich live entscheiden.“

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Bürgerhotline des Gesundheitsamtes Landkreis Görlitz: von Montag bis Donnerstag, 8 bis 15 Uhr, und Freitag, 8 bis 12 Uhr, unter: 03581 663-5656.

Bürgertelefon des Sächsischen Staatsministeriums für Soziales und Gesellschaftlichen Zusammenhalt unter: 0351 564 55855

Kassenärztlicher Bereitschaftsdienst: 116 117

Unabhängige Patientenberatung Deutschland unter: 0800 011 77 22

Bürgertelefon des Bundesgesundheitsministeriums: 030 346 465 100

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