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Weite Wege zur Bushaltestelle

Die Kita Wiesenfrösche ist ohne Auto nicht erreichbar. Selbst Ausflüge zum Sport ins Nachbardorf sind unmöglich.

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Von Kay Haufe

Der öffentliche Nahverkehr erregt weiter die Gemüter im Schönfelder Hochland. Doch drehen sich die Sorgen nicht etwa um verspätete Busse oder schlechte Anschlüsse. Die Reitzendorfer wären schon froh, wenn überhaupt ein Bus bis in die Ortsmitte fahren würde. Doch das kleine Dorf zwischen Schönfeld und Zaschendorf wird vom öffentlichen Nahverkehr nur am westlichen Rand tangiert. Am Kleinbauernmuseum biegt der Bus nach links auf die Schullwitzer Straße ab, um am Triebenberg vorbei nach Zaschendorf zu fahren. Interessant ist, dass an dieser Strecke kaum einer wohnt. Um den Großteil der Reitzendorfer erreichen zu können, müsste der Bus über die Zaschendorfer Straße und weiter über den Talblick fahren. Doch das tut er nicht.

Vor allem die Eltern und Kinder der Kita Reitzendorfer Wiesenfrösche leiden unter der schlechten Erreichbarkeit der Einrichtung. „Zur nächsten Bushaltestelle müssen die Kinder entweder einen Kilometer bergauf nach Zaschendorf oder einen Kilometer bergab zum Kleinbauernmuseum laufen. Das ist vor allem für die Kleinsten nicht zu schaffen“, sagt Elternratsvorsitzende Yvonne Roch. Damit fielen Besuche auf Spielplätzen in anderen Orten des Hochlandes genauso ins Wasser wie spontane Ausflüge. „Hinzu kommt, dass es in Reitzendorf beidseitig keine Fußwege an der Zaschendorfer Straße gibt. Eine gefährliche Situation für Fußgänger.“

Die Kita, die vom Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) betrieben wird, kann die Turnhalle im benachbarten Schullwitz für Sportangebote nutzen. Durch den langen Fußweg zur Haltestelle sind aber bisher nur die Vorschulkinder hingefahren, was Eltern und Erzieher sehr bedauern. „Kurze Wege für kurze Beine scheint für die Hochlandkinder nicht zu gelten“, sagt Roch. Sie legte große Hoffnungen in einen Vor-Ort-Termin mit Straßen- und Tiefbauamt, Verkehrsplanern und Busunternehmen Anfang Mai. Doch während die Planer sich wenigstens dafür aussprachen, einen zweimaligen Busverkehr pro Tag an der Kita vorbei anzubieten, lehnt das Straßen- und Tiefbauamt auch dies kategorisch ab. „Die Straße ist aufgrund ihrer geringen Breite und Tragfähigkeit für einen Busverkehr untauglich. Sie müsste vorher ausgebaut werden, was aber in absehbarer Zeit nicht vorgesehen ist“, sagt Reinhard Koettnitz, der Leiter des Straßen- und Tiefbauamtes. Ein Begegnungsverkehr sei nicht ausreichend möglich, und es stünden keine Ausweichstellen zur Verfügung.

Für Yvonne Roch ist diese Aussage ein Schlag ins Gesicht. „Er schlägt ja nicht mal einen Zeitrahmen vor, in der die Straße so ausgebaut wird, dass sie bustauglich wird. Offenbar ist das Hochland noch lange nicht in der Stadt Dresden angekommen“, sagt die Mutter. Auch Ulrich Grundmann, der Geschäftsführer der ASB Dresden & Kamenz gGmbH hofft, dass es weiterhin Gespräche mit der Stadt geben wird, um eine Lösung für die Kita-Erreichbarkeit zu finden. „Wir können nicht davon ausgehen, dass jedes Kind mit dem Auto gebracht und geholt werden kann. Damit schließen wir Einzelne von unserem Angebot aus, was nicht in unserem Sinne ist“, sagt er.

Vom Busunternehmen Müller gab es die Bereitschaft, die Zaschendorfer Straße mit Kleinbussen zu befahren. Doch offenbar konnte es nicht garantieren, für jede Zeit einen dieser Busse parat zu haben. „Aber nur für einen Kleinbusverkehr wäre unter winterlichen Bedingungen die bergwärtige Fahrtrichtung von Reitzendorf in Richtung Zaschendorf überhaupt denkbar gewesen“, sagt Koettnitz weiter. Über eine Sommer-Variante wurde offenbar im Straßenbauamt gar nicht gesprochen. Ähnliche Erfahrungen haben die Borsberger gemacht, die seit 2010 auf die Einrichtung einer Buslinie nach Pillnitz warten. Auch ihnen hat Koettnitz geantwortet, dass kein Geld für den Straßenbau vorhanden ist.